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Bad Wörishofen

13.02.2020

Stadtrat: Warum aufhört, wer aufhört

Im Rathaus von Bad Wörishofen wird in der nächsten Amtsperiode ein stark veränderter Stadtrat tagen. Das steht schon vor der Kommunalwahl fest, weil gleich mehrere amtierende Ratsmitglieder nicht mehr antreten.
Bild: Markus Heinrich

Plus In Bad Wörishofen tritt fast die Hälfte der amtierenden Ratsmitglieder am 15. März nicht mehr an. Die Beweggründe dafür sind höchst unterschiedlich, wie sich zeigt.

Schon vor der Kommunalwahl in Bad Wörishofen ist klar, dass es im Stadtrat ein großes Stühlerücken gibt. Zehn von 24 Ratsmitgliedern stellen sich am 15. März nicht mehr zur Wahl. Die Beweggründe dafür sind unterschiedlich, wie sich zeigt. Am größten wird die Veränderung in der Fraktion der Freien Wähler ausfallen, wo fünf von sieben Fraktionsmitgliedern nicht mehr antreten.

„Ich hatte mir es grundsätzlich auch nicht länger vorgestellt“, sagt Baureferent Wilfried Schreiber (FW). „Ich hatte mir aber auch die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister anders vorgestellt“, gibt er als Begründung an und sagt: „Er hat mich in den sechs Jahren kein einziges Mal wegen Bausachen angerufen.“ Auch Jakob Trommer (FW) hört auf. „Die Jungen sollen jetzt ran“, sagte er unserer Redaktion. Er selbst sei nun seit 12 Jahren Stadtratsmitglied, zudem mittlerweile 60 Jahre alt und habe einen großen Betrieb zu führen.

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Wahl: Großes Stühlerücken im Stadtrat

Auch bei der CSU sind Veränderungen schon jetzt sicher. Vier Fraktionsmitglieder stehen nicht mehr zur Wahl. Aufhören wird unter anderem Christian Förch. „Ich habe das zeitlich völlig unterschätzt“, sagt der Hotelier zur Begründung. Die Einarbeitungszeit in die Themen sei enorm. Auch Schulreferent Oliver Schromm von den Freien Wählern hört auf. „Aus zeitlichen und beruflichen Gründen“, wie er sagt. Die Zeit gibt auch den Ausschlag für den Verzicht von Günther Huber. Der Landwirt lässt ausrichten, dass die meisten Ratstermine in die Stallzeit fallen würden. „Bei der damaligen Nominierung hieß es, das ließe sich regeln, was aber sich als nicht umsetzbar darstellte“, heißt es weiter. Dazu kämen noch persönliche Gründe.

Der Baureferent fühlt sich ausgebremst

Baureferent Schreiber sagt, er hätte gerne mehr umgesetzt. „Ich bin da zu sehr Unternehmer, ich will, das etwas vorangeht“, sagt er. Er fühle sich „ausgebremst“. Seit Ende 2019 sei er nicht mehr Mitglied der Freien Wähler.

Schreiber sagt, er habe nun noch einen Antrag zur Gründung einer städtischen Immobilien-Auffanggesellschaft gestellt. Auf diese Weise könnte die Stadt zeitweise Eigentümer von wichtigen Grundstücken wie dem Kneippianum oder auch dem Kreuzer-Areal werden und selbst Investoren suchen. Eine Kneipp-Erlebniswelt auf dem Kreuzer-Areal, auch das kann sich Schreiber gut vorstellen.

Mit dem Baureferenten hört auch der Wirtschaftsreferent auf, Alwin Götzfried von der FW-Fraktion. Den Freien Wählern gehört er aber schon länger nicht mehr an. 18 Jahre ist Götzfried nun schon Stadtratsmitglied, 12 davon als Wirtschaftsreferent und 12 als Fraktionsvorsitzender. Seinen Verzicht habe er reiflich abgewogen. „Stets motiviert, die Zukunft unserer Stadt mit klarem Blick und deutlicher Sprache mit zu gestalten“, sei er gewesen, sagt Götzfried. „Dieser Gestaltungswille wurde seitens der Rathaus- und Fraktionsspitze meist ignoriert“, kritisiert er. „Konstruktive Zusammenarbeit, Akzeptanz und Wertschätzung blieben versagt. An der Rathausspitze bedarf es der Erneuerung“, findet er. „Eine zukunftsorientierte Zielfindung durch neue Intentionen ist wünschenswert.“

Mehr Zeit für die Familie wünscht sich die Familienreferentin

Nach 12 Jahren beendet Familienreferentin Marion Böhmer-Kistler (CSU) ihre Stadtratszeit. Sie habe mittlerweile zwei kleine Kinder und wolle nun mehr Zeit für die Familie haben, sagt sie. Das Stadtratsmandat bringe zu viele Abendtermine mit sich. Zudem habe sie beruflich viel Verantwortung übernommen, was ebenfalls Zeit benötige. So richtig aufhören will sie mit der Politik aber nicht. „Ich bin ein durch und durch politischer Mensch“, sagt Böhmer-Kistler. Sie kandidiert für den Kreistag, für die JWU. Im Kreistag werde in der Regel nachmittags getagt, was mit der Familienzeit besser vereinbar sei.


Aufhören werden auch die beiden Mediziner im Rat, Josef Wild (Freie Wähler) und Kurreferent Tassilo Albus (CSU). Albus ist seit 36 Jahren Mitglied der Ratsrunde. Beide waren für Stellungnahmen nicht erreichbar. Zwischenzeitlich hat sich auch Claus Thiessen (FDP) zu Wort gemeldet, der ebenfalls nicht mehr antritt. Er fühlt sich vom FDP-Kreisvorsitzenden Bernhard Mohr seines "Amtes enthoben". Thiessen war bis zu seiner Abwahl in außerordentlicher Sitzung Ortsvorsitzender:

Wahl: Misstrauensvotum sorgt für Führungswechsel

"Ich sehe deshalb keine Möglichkeit mehr, meine Arbeit als Stadtrat fortzusetzen", sagt Thiessen. Der neue Stadtrat wird am 15. März gewählt.

Erstmals sind in Bad Wörishofen mehr als 13.000 Menschen wahlberechtigt, 13.744, um genau zu sein. Sieben Parteien und Grupppierungen bewerben sich um Ratssitze: CSU, Freie Wähler, SPD, Grüne, FDP, Generation Fortschritt und die ÖDP.

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