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Gewässer

19.10.2011

Streit um 60 Liter Wasser

Pius Kirner, Fischwirt aus Unggenried, an einem Teilungswehr, an dem sich das Gewässer in Westernach und Brunnenbach teilt.
Bild: Foto: zif

Die Auseinandersetzung um den Brunnenbach ist immer noch nicht beendet

Apfeltrach Beamte sind nicht gerade bekannt für ihre übertrieben bunte Sprache. Wenn in einer Behörde also jemand von einem „langjährigen Krieg“ spricht, muss tatsächlich etwas Besonderes passiert sein. So etwa wie im Fall des Brunnenbachs. Um dessen Wasser streitet sich seit nun annähend zehn Jahren ein Fischwirt mit den Betreibern von Wasserkraftwerken (wir berichteten). Ein Ende ist nicht absehbar.

Eigentlich hat das Landratsamt die Auseinandersetzung kürzlich entschieden. Bei Apfeltrach soll ein Teilungswehr an der Westernach so ertüchtigt werden, dass wieder 50 Prozent des Wassers in den Brunnenbach abfließen. Doch was ein richtiger bürokratischer Krieg sein will, lässt sich durch einen einfachen Behördenspruch nicht so einfach schlichten.

Für Pius Kirner, den Fischwirt, ist das Wasser der Westernach von existenzieller Bedeutung. Er speist damit seine Fischweiher bei Unggenried. Am Teilungswehr fließen derzeit noch deutlich mehr als 50 Prozent in seine Richtung, nämlich um die 240 Liter pro Sekunde. Nur 60 Liter zweigen in den Brunnenbach ab. Am liebsten würde Kirner den Bach aber ganz trockenlegen lassen. „Die Kraftwerksbetreiber leben nicht von 60 Litern Wasser“, sagt er. „Ich aber schon, weil ich damit Fisch mache.“ Sollte man ihm den Zufluss tatsächlich kürzen, hat Kirner angekündigt, auf Schadenersatz klagen zu wollen.

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Der Brunnenbach wurde vor fast 200 Jahren angelegt, um eine längst nicht mehr bestehende Papiermühle etwa auf Höhe des heutigen Mindelheimer Freibads anzutreiben. Aus dieser Zeit stammt auch die Regel der 50:50-Teilung. Es war ein Kompromiss zwischen dem Eigentümer der Mühle und einem von Kirners Vorvorgängern. Die Kraftwerksbetreiber bestehen nun darauf, dass dieses Verhältnis wieder hergestellt wird. Schließlich sorgt das zusätzliche Wasser bei ihnen für einen höheren Stromertrag.

Das Gezänk ums Wasser zieht sich schon über Jahre hin. Die Gemeinde Apfeltrach, eigentlich zum Unterhalt des Wehrs verpflichtet, scherte sich darum recht wenig. Und so konnten die Parteien ihren Streit um das Wehr offen austragen. Selten seien die Emotionen in solch einem Disput so hochgekocht, heißt es aus Behördenkreisen. Immer wieder sei das Wehr manipuliert worden.

Das Landratsamt tat sich dann auch schwer, ein richtiges Machtwort zu sprechen. Das Wasserwirtschaftsamt hatte in seiner Stellungnahme empfohlen, das Wasser in der Westernach zu belassen und die natürlichen Verhältnisse nicht noch einmal zu verändern. „Obwohl man nach 200 Jahren selbstverständlich auch fragen könnte, ob nicht der Brunnenbach mittlerweile auch zu den natürlichen Verhältnissen gehört“, sagt Ottmar Paulus vom Wasserwirtschaftsamt.

Kirner fürchtet nun um die Wirtschaftlichkeit seines Betriebs. Ein Liter Frischwasser mache pro Jahr bis zu 300 Kilogramm Forellen aus, sagt er. Sollte man ihm das Wasser nun nehmen, „dann betreibe ich die Zucht eigentlich nur noch zum Spaß“. 13 Schaufelräder müsste der Fischwirt zur Belüftung seiner Weiher einbauen lassen. Er hat schon überlegt, künftig Urlauber auf seinen Hof zu holen, um die Kosten auszugleichen.

Demnächst sollen Bagger die althergebrachten Verhältnisse wieder herstellen. Den nötigen Auftrag hat die Gemeinde Apfeltrach bereits ausgeschrieben. Ob der Wasserkrieg damit endet, ist unklar. Zumindest neuerliche Manipulationen am Wehr schließen die Behörden aber aus. Dafür hätten sich die Streitparteien mittlerweile zu gut im Auge.

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