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Stockheim

21.02.2019

Tauziehen um die Dorferneuerung

Bekommt Stockheim eine Dorferneuerung? Im Stadtrat wurde nun ein weiterer Schritt dazu getan.
Bild: Markus Heinrich

CSU und Grüne drücken aufs Tempo. Es gibt mehr Zuschüsse als früher. Ratsmehrheit und Bürgermeister sind sich über das Vorgehen aber uneins.

Die CSU treibt eine Dorferneuerung für Schlingen voran. Schon im vergangenen Oktober hatte die Partei beantragt, dass die Möglichkeiten dazu im Stadtrat erörtert werden sollen. Unterstützung kam nun von den Grünen, wo die Fraktionsvorsitzende Doris Hofer zudem ein Entwicklungskonzept für alle Stadtteile einfordert. Christoph Graf vom Amt für Ländliche Entwicklung war nun im Stadtrat zu Gast, um aufzuzeigen, was möglich wäre und wie so eine Dorferneuerung finanzierbar wäre.

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Graf hatte für den Rat und die gut 70 Zuhörer im Sitzungssaal viele interessante Beispiele dabei, wie in anderen Orten vorgegangen wurde. Da wurden Bachläufe zugänglich gemacht, was auch für Stockheim denkbar wäre. Da haben Staat und Kirche gemeinsam für barrierefreie Zugänge zu Gotteshäusern und Friedhöfen gesorgt. Dorfplätze sind entstanden, Naherholungsgebiete ebenfalls. Alte Häuser in den Dorfmitten sind frisch herausgeputzt, weil sich auch private Eigentümer von der Dorferneuerung „anstecken“ ließen.

Auch Schlingen hat schon gezeigt, was möglich ist, mit neuem Dorfplatz, Brunnen, Hügelgräber-Infopoint und vielleicht bald mit neuem Dorfgemeinschaftshaus. In Dorschhausen wurde so ein Dorfgemeinschaftshaus bereits Wirklichkeit. Beim Ausbau der Dorschhauser Ortsdurchfahrt haben die Verantwortlichen zudem gleich viele Punkte des Ortskerns umgestaltet.

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„So eine Dorferneuerung hat auch Stockheim verdient“, sagt der CSU-Fraktionsvorsitzende Stefan Welzel.

„Ich glaube an das Vereinsleben in den Dörfern“, sagt Konrad Hölzle

Ein flammendes Plädoyer für eine Dorferneuerung hielt Konrad Hölzle (CSU), der selbst in Stockheim lebt. „Ich glaube an das Vereinsleben in den Dörfern“, sagte Hölzle. „Klar ist das Geld knapp, aber es wird ja nicht sinnlos investiert.“ Es sei in Stockheim „eine Bereitschaft da, hier anzupacken“, berichtete Hölzle. „Schlingen ist ein Vorbild für uns.“ Dass es lohnenswert ist, in Stockheim zu investieren, machte Hölzle ebenfalls deutlich, denn der Ort besitzt noch Vieles, das in anderen Dörfern längst fehlt. „Die Gegebenheiten sind nicht schlecht, wir haben noch Geschäfte da“, sagte Hölzle. „Aber wir haben dort Bedarf erkannt und eine Dorferneuerung ist ein langer Prozess, da muss mal begonnen werden.“ Die möglichen Kosten trieben vor allem Bürgermeister Paul Gruschka (FW) um. Er hielt das Projekt Dorferneuerung für Stockheim für noch nicht beschlussreif, ganz im Gegensatz zu seinem Stellvertreter Stefan Welzel, der sogleich einen Beschluss formulierte. Diesen wiederum wollte Gruschka mit Blick auf den Haushalt und anstehende gemeindliche Aufgaben derzeit nicht unterstützen. „Wir werden uns nicht viel parallel leisten können“, sagte Gruschka, auch mit Blick auf ein mögliches Dorfgemeinschaftshaus in Schlingen, über wir hier berichtet haben: Das „Rössle“ im Fokus: Wie geht es in Schlingen weiter?

Die Ratsmehrheit schloss sich aber Welzels Vorschlag an, der gegen fünf Stimmen auch beschlossen wurde. Der Stadtrat beauftragt die Verwaltung damit, die weiteren Schritte zum Anstoßen eines Dorferneuerungsprozesses in die Wege zu leiten, zunächst konkret für Stockheim. Hierzu soll es auch die von Welzel geforderte Informationsveranstaltung für die Stockheimer Bürger geben. „Ich sehe kein Problem darin, die Stockheimer zu informieren“, sagte auch Marion Böhmer-Kistler (CSU). „Jetzt müssen wir springen und schauen, wie wir landen“, sagte sie.

Die Frage nach der Finanzierung einer Dorferneuerung für Stockheim

Die Frage nach der Finanzierung einer Dorferneuerung warf zuvor der FW-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Hützler auf. „In unserer Geschäftsordnung steht, Anträge sollen einen Finanzierungsvorschlag enthalten“, erinnerte er Welzel. Über eine Finanzierung wurde in der Sitzung dann aber nicht gesprochen. Hützlers Fraktionskollege und Baureferent Wilfried Schreiber sprach sich dafür aus, jetzt „in Stockheim weiterzumachen.“ Das von Christoph Graf vorgestellte Förderpaket „Innen statt Außen“ finde er grundsätzlich gut, sagte Schreiber. Immerhin gäbe es dafür 20 Prozent Extra-Förderung für Gebäude. Allerdings sei es in Bad Wörishofen wohl nicht umzusetzen. Die Stadt müsste sich dazu, vereinfacht gesagt, als Ganzes verpflichten, an den Rändern keine weiteren Wohnbauflächen mehr zu schaffen und dafür den Stadtkern und die Ortskerne zu entwickeln, zu sanieren und alte Gebäude umzunutzen. Dass man dies nicht etwa auf Stockheim oder Schlingen beschränken könne, sagte Graf auf Schreibers Nachfrage.

Trotzdem, das machte Graf deutlich, sind die Förderbedingungen heute besser als in der jüngeren Vergangenheit. 57 Prozent an Förderung sind nach seinen Worten derzeit drin, mehr als die 45 Prozent, die es noch für die Dorferneuerung in Schlingen gab. „Es ist interessant zu erfahren, wie viel Geld eigentlich zur Verfügung steht“, lobte Josef Kunder (CSU). Er dankte ausdrücklich den Schlingenern und Dorschhausern für „deren Eigeninitiativen“.

Nun, so Kunder, solle man dies auch den Stockheimern ermöglichen. „Dort haben wir bislang nur den Kindergarten umgebaut“, erinnerte er.

Eher mahnende Worte fand dagegen Claus Thiessen (FDP), der davor warnte, dass „Manches zu viel gemacht werde, nur weil es Fördermittel dafür gibt.“

Christoph Graf erläuterte dem Rat, dass es nach einem offiziellen Start für eine Dorferneuerung wohl zwei bis drei Jahre dauern werde, bis erste Projekte umgesetzt werden können.

Mehr zu den bisherigen Bemühungen um eine Dorferneuerung in Stockheim lesen Sie hier:

CSU für Dorferneuerung

Wollen die Stockheimer eine Dorferneuerung?

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