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Bad Wörishofen / Wiedergeltingen

07.04.2021

Tödliche Messerattacken schockieren selbst erfahrene Fahnder

Angesichts der Grausamkeit eines Tötungsdelikts in diesem Arbeiterwohnheim stockte selbst den hart gesottenen Ermittlern der Atem: Eine 35-Jährige war mit einer Vielzahl von Messerstichen umgebracht worden.
Foto: Markus Heinrich

Plus Zu den Bluttaten in Wiedergeltingen und Bad Wörishofen liegen neue Erkenntnisse vor. Einer der mutmaßlichen Täter hat gestanden: „Ja, ich habe zugestochen“.

Wenn selbst hart gesottene Ermittler und Staatsanwälte vom Anblick eines Opfers eines Tötungsdelikts massiv geschockt sind, dann sagt das viel über die Grausamkeit des Verbrechens aus. In den vergangenen Wochen ereigneten sich gleich zwei schreckliche Bluttaten in der Region: In Wiedergeltingen erstach Mitte März ein 50-Jähriger einen 51-jährigen Italiener. Wenige Tage später wurde ein ehemaliges Kurheim in Bad Wörishofen schon zum zweiten Mal Tatort eines Tötungsdelikts: Eine 35-jährige Frau wurde offenbar von ihrem 27-jährigen Lebensgefährten erstochen. Zu beiden Fällen gibt es jetzt neue Erkenntnisse.

Beim Tötungsdelikt in Wiedergeltingen gibt es Anzeichen für ein mögliches Tatmotiv

Bei der tödlichen Messerattacke im Gasthaus Ritter in Wiedergeltingen in der Nacht zum Samstag, 13. März, verdichten sich die Anzeichen dafür, dass Eifersucht das Tatmotiv gewesen sein könnte, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Nach langem Schweigen habe sich der mutmaßliche Täter im Verlauf der Vernehmungen nun doch entschlossen, Angaben zur Tat zu machen. Dabei habe er auch zugegeben, auf seinen 51-jährigen Widersacher eingestochen zu haben. Beim Opfer handelte es sich um den Ehemann der Wirtin des beliebten Dorfgasthauses in der Ortsmitte von Wiedergeltingen, der 50-Jährige soll ihr neuer Lebensgefährte gewesen sein.

Wie die MZ aus Ermittlerkreisen erfuhr, versucht der mutmaßliche Täter jetzt offenbar, seine eigene Schuld möglichst klein zu reden und spricht von einem Streit und einem Handgemenge, in dessen Verlauf er dann auf den 51-Jährigen eingestochen habe. Dies könnte bei einem späteren Prozess dann auch erhebliche strafmildernde Folgen haben, denn dann könnte dem 50-Jährigen kein Vorsatz unterstellt werden. Auch eine mögliche Notwehr käme bei diesem Tathergang sogar infrage.

Lesen Sie dazu auch: Tödliche Messerattacke im Dorfgasthaus: Wo stehen die Ermittlungen?

Aus den bisherigen Ermittlungsergebnissen gehe jedoch hervor, dass es sich durchaus um eine geplante Tat gehandelt haben könnte: Die Fahnder fanden am Tatort Spuren, die nahelegen, dass der mutmaßliche Täter seinem Opfer sogar aufgelauert haben könnte. Die Ermittlungen laufen, die Staatsanwaltschaft sucht weiterhin vergeblich nach der Tatwaffe, einem Messer.

Möglicherweise hat der 50-Jährige dies bei seiner morgendlichen Flucht nach Buchloe weggeworfen oder versteckt, bevor er dann wenige Stunden nach der Bluttat in der Stadtmitte von Buchloe von Fahndern der Sonderkommission „Flur“ festgenommen werden konnte. Der 50-Jährige sitzt weiterhin in Untersuchungshaft.

27-Jähriger schweigt, warum er seine Lebensgefährtin (35) in Bad Wörishofen so brutal umgebracht hat

Wenige Tage später erschütterte ein weiteres Verbrechen die Region: Im ehemaligen Kurhotel Raffler wurde in der Nacht zum Sonntag, 29. März, eine 35-Jährige offenbar von ihrem Lebensgefährten (27) durch mehrere Messerstiche getötet. Ein Polizist, der als einer der ersten am Tatort eintraf, fand kaum Worte für den Anblick, der sich den Ermittlern dort bot: „Schrecklich!“, entfuhr es dem Beamten, der in seinem Berufsleben schon so einiges sehen musste. Doch von der Grausamkeit dieses Verbrechens war nicht nur er erschüttert: Bei der Obduktion des Leichnams der Frau wurde als Todesursache eine „Vielzahl tödlich wirkender Stichverletzungen“ festgestellt.

Wie ein leitender Ermittler der MZ schilderte, war der Körper der Frau mit mehr als zwei Dutzend Messerstichen verstümmelt worden, dabei wurden offenbar mehrere Messer benutzt.

Lesen Sie dazu auch: Tödliche Messerattacke: Ermittler spricht von "schrecklichem Anblick"

Angesichts der Vielzahl der tödlichen Messerstiche sprechen Experten in so einem Fall von einem sogenannten „Overkill“, da das Opfer auch an jeder einzelnen Stichverletzung schon gestorben wäre. Der mutmaßliche Täter, ein 27-jähriger Bulgare, war der Lebensgefährte der 35-Jährigen. Über das Motiv schweigt sich der Mann immer noch aus, auch weitere Angaben zum Tathergang macht er nicht und sitzt weiterhin in Untersuchungshaft.

Ob ein Zusammenhang zu einer Straftat in der Vergangenheit besteht, wird derzeit ermittelt. Laut Zeugenaussagen soll der Tat ein lautstarker und äußerst heftiger Streit vorausgegangen sein. Der 27-jährige Tatverdächtige ist in einer Justizvollzugsanstalt gebracht.

In dem ehemaligen Kurheim wurde im September 2018 schon einmal ein Mensch getötet. Bei der Polizeiinspektion Bad Wörishofen ist das Arbeiterwohnheim als Schwerpunkt für Alkohol- und Gewaltdelikte hinlänglich bekannt. Allein in den vergangenen zwei Jahren registrierte die örtliche Polizei knapp 30 Einsätze, so Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier. Dennoch wollte er nicht von einem „Brennpunkt“ sprechen. Er setzt nach wie vor auf die „soziale Kontrolle“ durch die Nachbarschaft und fordert Betroffene in jedem Fall auf, sich umgehend an die Polizei zu wenden.

In beiden Fällen hofft die Staatsanwaltschaft auf weitere Zeugenaussagen, die zur Aufklärung der Verbrechen beitragen können.

Hinweise nimmt die Memminger Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 08331/100-0 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Lesen Sie dazu auch: Frau stirbt nach Messerstichen: Schon die zweite Bluttat im ehemaligen Kurheim

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