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Bad Wörishofen

04.07.2019

Totschlag: Verdächtiger packte bei Polizei aus

Vor dem Landgericht Memmingen müssen sich drei Männer verantworten, die in Bad Wörishofen einen Bekannten zu Tode geprügelt haben sollen.
Bild: Max Kramer

Plus Ein geplatztes Alibi, Details vom Tatort – und eine Beschuldigung: Im Prozess um den Totschlag von Bad Wörishofen werden immer mehr Hintergründe bekannt.

Das große Schweigen der drei Angeklagten vor dem Landgericht Memmingen geht weiter. Sie sollen im vergangenen September in einem ehemaligen Kurhotel in Bad Wörishofen einen Bekannten zu Tode geprügelt haben. Doch obwohl sich auch am vierten Verhandlungstag kein Tatverdächtiger erklären wollte, lieferte jetzt eine Vernehmung von einem der drei tiefe Einblicke in den möglichen Tathergang. Offenbar sagte der 37-jährige Angeklagte nach seiner Festnahme am 4. Oktober 2018 gegenüber der Polizei aus – und schilderte dabei, wie es aus seiner Sicht zu dem Gewaltexzess kam.

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Wie ein verantwortlicher Ermittler schilderte, war der Angeklagte nach seiner Festnahme zunächst bei der Version geblieben, die er unmittelbar nach dem Tod seines Bekannten zu Protokoll gegeben hatte. Demnach habe er den Abend des 4. September mit den beiden weiteren Angeklagten im Zimmer des späteren Todesopfers verbracht. Nachdem der Abend „ruhig und friedlich“ verlaufen sei, habe er das Haus mit dem jüngsten Tatverdächtigen verlassen, um mit ihm ein Motorrad zu reparieren.

Doch die Beamten hatten in den Vernehmungen offenbar einen Trumpf im Ärmel: Der jüngste Angeklagte wich in seiner Vernehmung von dieser Version ab. Als die Polizisten den 37-Jährigen damit konfrontierten, bat dieser nach Angaben des Ermittlers um eine Raucherpause – und packte dann aus.

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So soll der am Ende tödlich verlaufende Abend begonnen haben

Demnach sei es im Verlauf des Abends zu einem Streit zwischen dem jüngsten Angeklagten und dem Opfer gekommen, in dem sich beide beschimpften. Worum es dabei gegangen sei, könne er nicht sagen. Er wisse nur, dass es nicht um Geld gegangen sei.

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Im Verlauf des Streits holte der jüngste Angeklagte demnach überraschend zu einem Schlag aus, der den anderen Mann im Gesicht traf. Dieser fiel auf das Bett, richtete sich wieder auf. Doch der Angreifer schlug kurz darauf erneut mit Händen und Füßen auf das Opfer ein, das sich nur mit den Armen vor dem Gesicht schützen konnte.

Nach den Schilderungen des 37-Jährigen schlug nur der jüngste Tatverdächtige zu – so fest und häufig, dass das Opfer zwischenzeitlich das Bewusstsein verlor. Er selbst und die beiden Mitangeklagten hätten dem Mann einen halben Eimer Wasser über den Kopf gegossen – „damit er sich erholen konnte.“ Alles sei sehr schnell gegangen.

Zwei Männer gossen dem Opfer Wasser über den Kopf und verließen den Raum

Er und der jüngste Angeklagte hätten das Opfer dann in seinem Zimmer zurückgelassen. Ihr Bekannter habe zu diesem Zeitpunkt noch geatmet. „Wir waren sicher, dass er sich wieder erholt“, sagte der 37-Jährige in der Vernehmung. Er habe das Zimmer mit dem jüngsten Angeklagten schließlich verlassen. Wo der dritte Angeklagte zu diesem Zeitpunkt war, wisse er nicht mehr, da er zu alkoholisiert gewesen sei. Alkoholtests am Morgen nach der Tat ergaben, dass der 37-Jährige ebenso wie die beiden Mitangeklagten deutlich über ein Promille im Blut hatten.

„Man merkte, wie Anspannung von ihm abfiel“, schilderte der Ermittler die Situation, nachdem der 37-Jährige beschlossen hatte, auszusagen. „Er war geradezu erleichtert.“

Er habe zugegeben, das vermeintliche Alibi, die Motorrad-Reparatur, sei komplett erfunden. Er habe sich mit dem jüngsten Angeklagten auf diese Version geeinigt.

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Dazu passt, dass dieser bereits am Tag nach der Tat einem weiteren Ermittler unaufgefordert Bilder von seinem Motorrad zeigte – und nachdrücklich erklärte, er habe die vergangene Nacht mit der Reparatur verbracht. Warum er in seiner späteren Vernehmung davon abwich und damit den 37-jährigen Mitangeklagten zum Auspacken brachte, blieb offen.

Weitere Hintergründe zur Tat selbst lieferten zwei Gutachter. Nach Aussage eines Rechtsmediziners wurde das Todesopfer wohl an verschiedenen Stellen im Zimmer attackiert – vor allem im Bereich des Betts und nahe eines Klappstuhls, der an einer Wand anlehnte. Der Obduzent des toten Mannes erklärte unterdessen, das Opfer habe durch „sehr kräftige Schläge“ ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Ihm sei dabei auch die Nase gebrochen worden.

Bewusstlos sei er schließlich an seinem eigenen Blut erstickt, da seine natürlichen Schluck- und Hustreflexe ausgesetzt hätten.

Der Mediziner sagte, dafür sei möglicherweise aber auch der massive Alkoholkonsum des Opfers mitverantwortlich. Bluttests bei ihm hatten einen Wert von 3,3 Promille ergeben.

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