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Bad Wörishofen

10.09.2020

Traditionsbetrieb Schwermer in Bad Wörishofen steht vor dem Aus

Mit dem Baumkuchen aus Bad Wörishofen punktete Schwermer bei Kunden in vielen Ländern der Welt. 126 Jahre nach der Gründung steht das Unternehmen nun vor dem Aus.
Bild: Tobias Hartmann

Plus Knapp drei Jahre nach der Übernahme schließen die neuen Eigentümer den Süßwarenhersteller Schwermer in Bad Wörishofen. Wann die Belegschaft informiert wird und wie es nun weitergeht.

Ein Jahr nach dem großen Jubiläum steht fest: Das Traditionsunternehmen Schwermer aus Bad Wörishofen schließt, 126 Jahre nach der Gründung. Geschäftsführer Friedrich Plail bestätigte entsprechende Informationen der Mindelheimer Zeitung. Die Belegschaft des Süßwarenherstellers soll alsbald bei einer Betriebsversammlung über die weiteren Schritte informiert werden.

Die lange Geschichte des Unternehmens Schwermer beginnt 1894 in Ostpreußen, in Königsberg. Henry Schwermer begründet dort die Tradition des geflämmten Marzipans, für das Schwermer heute noch bekannt ist. Das Café Schwermer ist alsbald das größte Kaffeehaus in Königsberg. Nach der Flucht im Zweiten Weltkrieg gründet Schwermers Tochter Charlotte Stiel das Unternehmen in Bad Wörishofen neu. Die Erfolgsgeschichte geht weiter, Schwermer stellt sich international auf. Als 2017 die Heidi Chocolat Group AG aus der Schweiz die Wörishofer Firma übernimmt, ist eigentlich Expansion das erklärte Ziel. Stattdessen kommt nun, knapp drei Jahre später, das Aus für die Heidi Chocolat Schwermer GmbH, wie das Unternehmen nun heißt.

Die Pralinen von Schwermer werden seit der Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg in Bad Wörishofen per Hand produziert.
Bild: Tobias Hartmann

Petra Kneipp ist bereits zum 31. Juli dieses Jahres aus der Geschäftsführung ausgeschieden. Das berichtet Friedrich Plail, der seit Mitte Januar Geschäftsführer der Heidi Chocolat Schwermer GmbH ist. Seine Aufgabe ist klar: „Die Eigentümer haben die Betriebsschließung des Unternehmens beschlossen und mich mit der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen beauftragt“, erklärt Plail. „Grund für die Schließung sind die seit Jahren anhaltenden enormen Verluste des Unternehmens sowie die aktuelle negative Entwicklung der Umfeldbedingungen“, sagt er zu diesem Schritt. Man habe zwar zum Jahresbeginn „straffe Restrukturierungsmaßnahmen“ eingeleitet und die Marke Schwermer aufgefrischt.

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Zunächst fruchten die Restrukturierungsmaßnahmen, doch dann kam Corona

Dies habe im ersten Quartal des Jahres auch „für einen gelungenen Turnaround mit weiterem Entwicklungspotenzial“ gesorgt, so Plail. Doch dann kam die Corona-Krise und die damit verbundene Schließung der „beiden wichtigsten Vertriebskanäle für Schwermer“ in den Folgemonaten. Dies habe den „positiven Trend vollkommen zunichte“ gemacht, so Pleil. Die Eigentümer hätten sich dann zur Schließung gezwungen gesehen. Bis dahin habe man in den vergangenen Wochen versucht, eine andere Lösung zu finden. Plail spricht von einer Fortführung des Betriebes an einem flächenmäßig kleineren Standort mit einem neuen strategischen Eigentümer. Diese Bemühungen seien allerdings bislang erfolglos geblieben. Deshalb wird Schwermer zum 31. Dezember 2020 geschlossen.

Bürgermeister Stefan Welzel teilte dazu am Donnerstag mit, er werde sich für einen Erhalt zumindest eines Teils der Arbeitsplätze einsetzen: Schwermer-Schließung: Wörishofers Bürgermeister zeigt sich kämpferisch

Von der Schließung sind nach Plails Angaben rund 70 Beschäftigte betroffen. Ende September ist eine Betriebsversammlung anberaumt. Dort soll die Belegschaft über die weiteren Schritte informiert werden.

Bemühungen, neue Stellen für die eigene Belegschaft zu finden

Schwermer habe Unternehmen aus der eigenen Branche und aus anderen Branchen im Umkreis kontaktiert, um für die Belegschaft neue Arbeitsstellen aufzutun. Das Geschäft läuft derweil weiter. Bereits vorliegende Bestellungen und Vereinbarungen für die Weihnachtssaison 2020 würden erfüllt, kündigt Plail an. Aufträge für das Schwermer-Sortiment, die über das Jahresende hinaus gehen, würden nicht mehr angenommen. Von der Schließung nicht betroffen sei das gesamte Heidi-Sortiment, welches auch zukünftig am deutschen Markt zum Verkauf angeboten werde. Ob der Laden in Bad Wörishofens Fußgängerzone bleibt, werde laut Plail bis Ende September entschieden. Die Zukunft des Firmensitzes ist unklar. Derzeit liefen Gespräche mit Interessenten, so Plail, bis Ende des Jahres soll eine Entscheidung fallen.

Der Firmensitz der Heidi Chocolat Schwermer GmbH im Bad Wörishofer Stadtteil Gartenstadt.
Bild: Markus Heinrich

Die Schwermer-Geschichte endet also in Bad Wörishofen. Dabei waren Schwermer-Pralinien sogar schon im Weltall. Klaus-Dietrich Flade, damals der erste deutsche Kosmonaut auf der russischen Raumstation Mir, brachte 1992 pro Passagier zwei Pralinen mit. Flade lebt mittlerweile selbst in Bad Wörishofen.

Letzter Schwermer-Inhaber aus der Familie des Gründers war dessen Urenkel Peter Stiel. Er verkaufte das Unternehmen im Januar 2017 an Heidi, das Teil des internationalen Familien Unternehmens Meinl ist. Nicht betroffen von dem Geschäft und nun auch nicht von der Schließung war und ist das weithin bekannte Café Schwermer in Bad Wörishofen, das in Familienbesitz blieb. Nach der Übernahme hatte Schwermer nach eigenen Angaben rund 100 Mitarbeiter.

Zwei Jahre später starb Peter Stiel kurz vor seinem 70. Geburtstag nach einem Herzinfarkt.

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