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Gesundheit

20.06.2017

Trinkwasser: Jetzt haben die Experten das Wort

Seit gut vier Monaten werden bei Wasserproben im Türkheimer Leitungsnetz immer wieder coliforme Bakterien festgestellt. Unser Archivfoto entstand schon im März, als Bauhof-Mitarbeiter Wilfried Wenninger (hinten) und Sebastian Huscher vom Wasserwerk das Türkheimer Leitungsnetz überwachten.
Bild: Alf Geiger

Noch immer hat sich das Chlor nicht im gesamten Leitungsnetz verteilt. Für die Verbraucher heißt das: Es muss weiter abgekocht werden. Bei zwei Terminen stimmen Fachleute die weitere Vorgehensweise ab

Noch kann keine Entwarnung gegeben werden: Das Türkheimer Trinkwasser muss bis auf Weiteres abgekocht werden, da sich das Chlor zur Desinfizierung noch immer nicht im gesamten Leitungsnetz verteilt hat. Und so lange das nicht mit absoluter Sicherheit gewährleistet ist, gilt die Abkochverordnung weiter.

Gestern trafen sich Experten der zuständigen Behörden zu einem ersten Sondierungsgespräch, um die weitere Vorgehensweise abzustimmen. Am morgigen Mittwoch wird es dann erneut ein Treffen der Experten geben, um einen nachhaltigen Plan zu entwickeln. „Aktuell sprechen wir mit einem Fachberater vom Landratsamt, der die Stadt Ottobeuren bei deren Trinkwasserproblemen fast ein ganzes Jahr begleitet hat, und mit einem Vertreter der Stadtwerke Bad Wörishofen“, sagt Bürgermeister Kähler. Vonseiten der Marktgemeinde nehmen Marktbaumeister Christian Schinnagel, Peter Geiger vom Wasserwerk und Bürgermeister Kähler teil.

Im Vordergrund steht nach wie vor die Ursachenforschung, denn auch nach gut vier Monaten ist das Türkheimer Trinkwasser noch immer mit coliformen Keimen verseucht. Zwar sind die Messwerte sehr schwankend und auch Anzahl der gemessenen Keime im Trinkwasser sind gering – doch in Bayern gilt eine absolute „Null-Toleranz“, wie Gesundheitsamtschef Dr. Wolfgang Glasmann schon mehrfach betont hatte.

Den Behörden bleibt eigentlich gar keine andere Wahl, als erneut eine Desinfektion des belasteten Trinkwassers anzuordnen.

Denn die vom Gesundheitsamt erlassene Abkoch-Verordnung bezeichnet Glasmann selbst als „eine Krücke“, um die Bevölkerung vor Gesundheitsrisiken zu schützen. Denn natürlich bestehe dabei die Gefahr, dass trotz der Informationen durch die Gemeinde manche Bürger das Leitungswasser nicht wie vorgeschrieben abkochen – sei es aus Leichtsinn oder aus Unwissenheit.

Um jedes Risiko auszuschließen, hatte der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes daher schon am 29. Mai eine entsprechende Anordnung erlassen, dass das Türkheimer Trinkwasser wieder desinfiziert werden muss. Grund: Es waren vereinzelt wieder Keime in den Proben nachgewiesen worden.

Doch erst am 10. Juni wurde dann tatsächlich wieder Chlor in das Leitungsnetz eingespeist. Warum? Landrat Hans-Joachim Weirather hatte als Leiter des Landratsamtes und damit auch als Vorgesetzter des Gesundheitsamtschefs persönlich entschieden, dass zunächst kein Chlor eingebracht wird. Weirather hatte gegenüber der MZ seine Entscheidung verteidigt: Ihm sei es um eine Strategie zur Ursachenforschung gegangen. Und wenn Chlor das Trinkwasser desinfiziert, sei es nahezu unmöglich, mögliche Ursachen für die anhaltend auftretenden Verunreinigungen zu finden.

Weirather betonte gegenüber der Mindelheimer Zeitung, dass er dazu über die nötige Kompetenz und das Fachwissen verfüge – immerhin war er jahrelang, unter anderem als Leiter eines Wasserwirtschaftsamtes, mit dieser Thematik intensiv beschäftigt. Für ihn sei es zunächst wichtiger gewesen, die Spurensuche weiter voranzubringen, da auch die betroffene Bevölkerung immer ungeduldiger wurde, so Weirather (MZ berichtete).

Nachdem sich die Experten morgen erneut zusammen gesetzt haben, soll eine langfristige Stategie entwickelt werden. Allzu optimistisch für eine schnelle Lösung ist Bürgermeister Christian Kähler aber nicht: „Das wird diesmal länger dauern“, meint Kähler mit Blick auf die Desinfizierung mit Chlor.

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