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Kirchenmusik

08.04.2011

Tröstliches in leisen Tönen

Jürgen Michels, Dirigent, übernahm das Baritonsolo in „Angelis suis“ von Josef G. Rheinberger; begleitet wurde er von seinem vorzüglichen Kammerchor bei einem Konzert zur Fasten- und Passionszeit in der Mindelheimer Stadtpfarrkirche.
Bild: Foto: Herb

Kammerchor Vocal total gab ein Konzert zur Fastenzeit

Mindelheim Lieder und Motetten zur Fastenzeit präsentierte der Chor „Vocal total“ in der Stadtpfarrkirche. Zu Gehör kam tröstliche, schöne Vokalmusik, deren inhaltliche und musikalische Aussage die leisen, zurückhaltenden Töne bevorzugte und die auch durch eine authentische Wiedergabe beeindruckte.

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Schon in der Interpretation der Lieder („O Jesu, all mein Leben bist du“ von Anton Heller, „O Lamm Gottes“ von Max Reger, „Schau hin nach Golgotha“ von Friedrich Silcher) zeigte sich, wie es dem Kammerchor gelang, durch eine homogene und intonationsreine Wiedergabe diese scheinbar einfach gehaltenen romantischen Vertonungen mit Leben zu erfüllen.

Dem stehen die im Motettenstil gehaltenen deutschen und lateinischen Passionstexte barocker und romantischer Komponisten gegenüber: Zu Beginn „Heb dich weg von mir Satan“ von einem unbekannten Komponisten des 18. Jahrhunderts, der diesem an sich dramatischen Matthäus-Text in italienisch-madrigalem Stil seine Schärfe nimmt; und dann, sicherlich ein Höhepunkt des Konzertes, „Aus der Tiefe rufe ich zu dir“ (Ps. 130) von Heinrich Kaminski. Der Chor unter Jürgen Michels arbeitet die große Dynamik des Werkes in einem schneidenden Fortissimo und – als Antwort – in demütigem Pianissimo heraus. Und darüber schwebt dann in dieser tröstenden Stelle der unangestrengte und schlanke Sopran Anja Reicherts mit „Meine Seele harret des Herrn“. So wird diese dialektische Aussage für die Zuhörer zu einem tröstenden Erlebnis.

Tröstliches in  leisen Tönen

Werke beeindruckend wiedergegeben

Ähnliches gilt für das „Angelis suis“, dem Graduale des 1. Fasten-sonntags entnommen. „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ - kennen viele aus Mendelssohns Engelster-zett; doch auch die Vertonung von Joseph Gabriel Rheinberger für Ba-riton und vierstimmigen Begleitchor berührt, zumal der Chor sich zurücknahm, doch die Dynamik des Werkes zusammen mit Solist Jürgen Michels beeindruckend wiedergab.

Zwischen den Chorwerken spielte Markus Davids Werke von J. S. Bach und Flor Peeters. Gerade das letzte Werk: Adagio aus der Suite Modale, op. 43, fügte sich wunderbar in den „Gesamtton“ dieses Konzertes. Die beiden Bachwerke „Praeludium in c-Moll“ (BWV 546) und die „Fuge in h-Moll“ (BWV 544) erklangen technisch gekonnt; doch dem romantischen und grundtönigen Klang der Steinmeyer-Orgel der Stadtpfarrkirche fehlt einfach der „Bach“klang.

Die beiden letzten Chöre, Rheinbergers überirdisch schönes „Abendlied“ und das demütige „Vater unser“ von Maurice Duruflè bestätigten nochmals die vorzügliche Programmzusammenstellung und einen wunderbar singenden Chor, der seinem Namen „Vocal total“ - Gesang über alles - zur Ehre gereicht. (ah)

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