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Unterallgäu
14.05.2021

Landrat: „Schlag ins Gesicht für unser Gesundheitsamt“

Coronatests kommt in der Pandemie eine wichtige Rolle zu.
Foto: Weizenegger

Das Landratsamt weist die scharfe Kritik der Bad Wörishofer Stadtspitze zurück. Man habe bald ein flächendeckendes Testangebot und schaffe es auch, alle angegebenen Kontakte Infizierter zu verfolgen.

Das Unterallgäuer Gesundheitsamt weist die Kritik der Bad Wörishofer Stadtspitze zurück. „Für unser Gesundheitsamt, das seit über einem Jahr unter einem extremen Druck steht und viele Herausforderungen meistert, sind diese unhaltbaren Vorwürfe ein Schlag ins Gesicht“, sagt Landrat Alex Eder (FW). „Statt erst im Sommer 2020 hatten wir bereits zu Beginn der Pandemie im März ein Testzentrum. Statt großer Lücken haben wir bald ein flächendeckendes Testangebot. Und dank einer starken personellen Aufstockung des Gesundheitsamts schaffen wir es auch, alle angegebenen Kontakte nachzuverfolgen.“

Der Landkreis habe bereits im März und damit weit vor den Sommerferien 2020 ein Corona-Testzentrum eingerichtet, teilt Behördensprecherin Sylvia Rustler mit. Das Bayerische Innenministerium und das Bayerische Gesundheitsministerium hätten in einem Schreiben vom 19. August 2020 alle Kreisverwaltungsbehörden und kreisfreien Städte dazu aufgefordert, bis 31. August, also vor Ende der Sommerferien, ein Corona-Testzentrum einzurichten, das PCR-Tests anbietet. „Das war im Unterallgäu bereits längst geschehen“, so Rustler. „Ziel war es damals, bayernweit ein flächendeckendes Angebot zu schaffen und in jedem Kreis und in jeder kreisfreien Stadt ein Testzentrum einzurichten.“

Unter den Kritikern ist auch ein Stellvertreter von Landrat Alex Eder

Bad Wörishofens Bürgermeister Stefan Welzel (CSU), sein Stellvertreter Daniel Pflügl (Grüne) und Dritte Bürgermeisterin Michaela Bahle-Schmid (CSU) hatten das bisherige Handeln im Landratsamt und im Gesundheitsministerium in der Pandemie scharf kritisiert und Forderungen aufgestellt. Pflügl ist auch einer der Stellvertreter von Landrat Alex Eder (FW). „Doch was ist im Unterallgäu seither passiert?“, fragten sie, angelehnt an das Schreiben vom 19. August: „Bis heute klaffen große Lücken, was Testangebote im Landkreis angeht. Die Teststationen, für die jetzt getrommelt wird, sind in Bad Wörishofen ausschließlich durch private Initiative und durch die Stadt Bad Wörishofen entstanden“, heißt es in der Erklärung.

Flächendeckend Teststationen mit Schnelltests im gesamten Landkreis aufzubauen, sei damals noch gar nicht möglich gewesen, teilt nun das Landratsamt mit. „Die Schnelltests waren erst viel später für die Öffentlichkeit verfügbar und erst seit März dieses Jahres hat das Gesundheitsamt die Möglichkeit, Dritte mit der Abnahme der Schnelltests zu beauftragen“, so Rustler. Auch hier habe das Gesundheitsamt „schnell gehandelt und bereits vor Inkrafttreten der diesbezüglichen Verordnung alle Apotheken angeschrieben und um die Abnahme der Tests gebeten, sobald dies möglich ist“. Um noch mehr Teststationen zu schaffen, sei das Gesundheitsamt darüber hinaus auf die Unterallgäuer Gemeinden zugegangen.

Landratsamt weist auf ein "nahezu flächendeckendes Testangebot" im Unterallgäu hin

Seit März werde das Testangebot kontinuierlich ausgebaut. Statt großer Lücken, wie es aus dem Bad Wörishofer Rathaus heißt, werde es mit mehr als 40 Teststationen bald ein „nahezu flächendeckendes Testangebot im Unterallgäu“ geben, so Rustler. Mit 33 Teststationen sei das Unterallgäu bereits jetzt gut aufgestellt. „Damit macht man es den Menschen möglichst leicht, sich testen zu lassen – immer mit dem Ziel, Infektionsketten möglichst schnell durchbrechen und so letztlich die Corona-Zahlen senken zu können.“

Dass das Gesundheitsamt von einer „diffusen Infektionslage“ spricht, bedeute, dass sich das Infektionsgeschehen nicht klar einem Ausbruchsgeschehen zu ordnen lasse, sondern dass es viele, auch kleinere Infektionsherde gibt. „Das heißt aber nicht, dass die Infektionswege nicht mehr nachvollzogen werden können“, betont Rustler. Das hatten Welzel, Pflügl und Bahle-Schmid so formuliert und gefragt: „Muss jetzt also die Wiedereröffnung der Bad Wörishofer Gastronomie wegen fehlender landkreisweiter Testangebote und dem Umstand, dass das Gesundheitsamt –nach eigenem Bekunden – das Infektionsgeschehen nicht mehr eingrenzen kann, auf unbestimmte Zeit verschoben werden?“

Bei der Corona-Kontaktverfolgung entstehe der Eindruck, dass Betroffene nicht immer alle Kontakte angeben

„Tatsächlich verfolgt das Gesundheitsamt die Infektionswege konsequent nach und ermittelt alle Kontaktpersonen, die ein positiv Getesteter angibt“, so Rustler. Allerdings seien die Ermittler dabei auch auf die Mitarbeit der betroffenen Bürger angewiesen. „Es entsteht leider immer wieder der Eindruck, dass Betroffene nicht alle Kontaktpersonen angeben“, berichtet Rustler. „Vielleicht aus Angst, dass Kollegen, Familienmitglieder oder Freunde mit in Quarantäne müssen oder weil man sich nicht an die Kontaktbeschränkungen gehalten hat.“

Die Ermittler des Gesundheitsamts arbeiteten „jeden Tag von früh bis spät“ – auch am Wochenende und an Feiertagen. (m.he, mz)

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