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Unterallgäu

30.01.2019

Unterallgäuer Bauern kritisieren das Bienen-Volksbegehren

Im Schaufenster des Mindelheimer Blumengeschäfts Fleur funken die Bienen auf einer großen Wabe SOS.
Bild: Küthmann

Landwirte aus dem Unterallgäu wehren sich gegen Eingriff in ihr Eigentum. Und sie fürchten finanzielle Nachteile.

Diesen Donnerstag startet das „Volksbegehren Artenvielfalt“, zu dem ein breites Bündnis aus Naturschützern aufgerufen hat. Unter dem griffigen Titel „Rettet die Bienen“ rührt etwa der Bund Naturschutz fleißig die Werbetrommel. Bauern ärgert das. Nicht dass sie etwas gegen das Anliegen generell hätten. „Wir sind sehr für die Rettung der Bienen“, sagt der Kreisobmann des Bauernverbandes (BBV), der Hawanger Martin Schorer, im Gespräch mit der MZ. Die Landwirte bräuchten Insekten notwendiger wie jeder andere, betont er. Aber den Landwirt stört, dass die Initiatoren des Volksbegehrens offenbar einen Angriff auf das Eigentum der Landwirte vorhaben.

Die Bienen retten und sich für Artenvielfalt einsetzen, das ist eine wichtige Sache. Da sind die Unterstützer des Volksbegehrens und die Landwirte einer Meinung. Bei den Insekten bemerke jeder den Rückgang, wenn er vergleiche, wie sauber die Autoscheiben heute gegenüber vor zehn Jahren seien. Das sagte kürzlich in Mindelheim Thomas Prudlo von der ÖDP bei einem Vortrag über das Anliegen des Volksbegehrens.

Feldhamster und Feldlerche, Wildbiene und Kleiner Fuchs und der Wiesensalbei - diese und noch viele tausend Arten mehr sind in Bayern massiv vom Aussterben bedroht. Der Referent machte deutlich, dass dieser Schwund sehr bald auch ökonomisch katastrophale Folgen haben werde. „Allein bei der Bestäubungsarbeit, die Insekten für uns kostenlos erledigen, sprechen wir von einem jährlichen Betrag von 153 Milliarden Euro!“

Der Bauernverband kritisiert mehrere Punkte am Volksbegehren "Rettet die Bienen"

In dem Gesetzentwurf, für den sich die Wähler vom 31. Januar bis 13. Februar in den Rathäusern stark machen können, ist vorgesehen, dass zehn Prozent aller Wiesen in Blühwiesen umgewandelt werden sollen. Auch sollen mindestens 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen bis zum Jahr 2025 ökologisch bewirtschaftet werden.

Diese Punkte stören die Unterallgäuer Vertreter des Bauernverbandes besonders. Joachim Nuscheler aus Katzenhirn sagt, Biolebensmittel hätten ihren Markt. Aber es seien keineswegs alle Verbraucher bereit, dafür mehr zu bezahlen. Betriebe, die bereits umgestellt haben, erlebten bereits einen Preisdruck nach unten.

Kritik kommt auch aus dem Oberallgäu

Die Vorschläge für mehr Artenvielfalt zielten fast ausschließlich auf die Landwirtschaft, kritisierte der schwäbische Bauernverbandspräsident Alfred Enderle aus dem Oberallgäu. Er ist sich damit mit Schorer einig. Manches sei nicht praktikabel. Zum Beispiel eine Pflicht, die Grünflächen ab einer Größe von einem Hektar von innen nach außen zu mähen.

Durch die Vorgabe, wann gemäht werden muss, würden die Rechte der Bauern eingeschränkt, sagt Andreas Hummel, stellvertretender BBV-Kreisvorsitzender aus dem Oberallgäu.

Volksbegehren "Rettet die Bienen": Unterallgäuer Bauern vermissen Sachlichkeit

Die Unterallgäuer Bauern treten entschieden dem Eindruck entgegen, sie würden nicht sorgsam mit der Natur umgehen. Rund 40 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Bayern seien in einem Naturschutzprogramm aufgenommen. Das sind 95 000 Hektar. Längst werde nicht mehr bis zum Bachrand gemäht. Dadurch würden Flächen der Natur überlassen.

Die Landwirte verschließen sich nicht den Bemühungen, mehr für die Artenvielfalt zu tun. „Das geht aber nur miteinander“, sagt Schorer. Mehr Blühflächen hält der Bauernobmann auf freiwilliger Basis für machbar. Hier könnten auch die Kommunen noch viel mehr machen. Er vermisst Sachlichkeit. Stattdessen werde auf Emotionen gesetzt. Bei Pestiziden werde die Landwirtschaft an den Pranger gestellt. Dabei würden die Mittel schon aus Kostengründen sehr sorgsam eingesetzt, sagt Nuscheler. Landwirte müssten einen Sachkundenachweis erbringen. Privatleute dürften dagegen in ihren Gärten und Hofeinfahrten Unkrautvernichtungsmittel einsetzen ohne jede Kenntnis.

Eine große Chance sieht in dem Volksbegehren der Bund Naturschutz. Thomas Frey, Regionalreferent für Schwaben, betonte aber auch, dass die Landwirtschaft „auf keinen Fall finanziell benachteiligt werden darf.“

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