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Unterallgäu

27.08.2020

Unterallgäuer Unternehmer fühlt sich in der Corona-Krise alleingelassen

Eine undatierte elektronenmikroskopische Aufnahme des «U.S. National Institute of Health» zeigt das neuartige Coronavirus.
Bild: NIAID-RML/AP/dpa

Plus Ein Selbstständiger aus dem Unterallgäu ärgert sich über groß angekündigte Corona-Hilfen, die bei ihm nicht ankommen.

Milliarden Euro an Steuergeldern haben Berlin und München in die Wirtschaft gepumpt. Die Folgen der Corona-Pandemie für die Menschen sollten so gering wie möglich ausfallen. 2,3 Millionen Freischaffende hat das üppige Hilfspaket nur unzureichend erreicht, wie ein Fall aus dem Unterallgäu zeigt.

Udo S. (Name auf Wunsch von der Redaktion geändert) lebt in der Nähe von Mindelheim zur Miete. Der verheiratete Vater eines Kindes im Grundschulalter ist seit 2009 selbstständig.

Seit März hat der Unterallgäuer keinen Euro mehr verdient

Das ist jetzt sein Problem. Wäre er angestellt gewesen und von seinem Arbeitgeber in Kurzarbeit gesetzt worden, hätte er nicht so massive Einschnitte hinnehmen müssen. Dann hätte er als verheirateter Vater 67 Prozent seiner bisherigen Einkünfte plus Staatszuschuss obendrauf erhalten. Seit Mitte März hat Udo S. keinen Euro mehr verdient. Seine Kunden fahren wegen Corona alle einen rigiden Sparkurs, der für den 50-Jährigen dramatische Folgen hat. Gespräche gibt es zwar, aber alle laufen darauf hinaus, dass es frühestens im Jahr 2021 eine Perspektive für ihn gibt.

Udo S. hat in seiner Not sofort Staatshilfe beantragt. Die Hilfe kam auch schnell. Da wurden allerdings nur betriebsbedingte Kosten für höchstens drei Monate übernommen. In seinem Fall ist das ein überschaubarer Betrag. 1600 Euro bekam er überwiesen.

Beantragt hat er auch die Elternhilfe nach dem Infektionsschutzgesetz beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Hier können erwerbstätige Personen bis zu zehn Wochen Hilfe bekommen, die wegen der Betreuung ihrer Kinder vorübergehend nicht arbeiten können und dadurch Verdienstausfall erleiden. 2200 Euro bekam Udo S. aus diesem Fördertopf. Zugrundegelegt waren die Einkünfte aus dem letzten Steuerbescheid. Und weil die Einkünfte bei Selbstständigen schwanken, hatte Udo S. das Pech, dass ausgerechnet ein Jahr herangezogen wurde, in dem es nicht optimal gelaufen war. Hinzu kam noch, dass als Basis für die Berechnung 365 Tage herangezogen wurden. Tatsächlich war der Verdienst aber nur an 249 Tagen erzielt worden. Statt zu erwartender 3400 Euro erhielt er 2200 Euro.

Vom Freistaat hat er bisher kein Geld bekommen

Insgesamt hat Udo S. 3800 Euro für die Zeit von März bis Juli an Unterstützungsgeldern vom Bund erhalten. Vom Freistaat war kein Euro geflossen. Mietzahlungen und Krankenversicherung waren weiter zu bezahlen, ebenso die Altersvorsorge. Vom täglichen Lebensunterhalt nicht zu reden.

In seiner Not wandte er sich an das Job-Center, obwohl er noch nie arbeitslos war und sich dort eigentlich auch nicht richtig aufgehoben fühlt. „Da musste ich sämtliche Hosen herunterlassen“, erzählt er. Alle Kontoauszüge waren vorzulegen. 70 Papiere hat er ans Job-Center geschickt. Das war in der zweiten Maihälfte. Bis heute ist sein Antrag noch nicht abschließend beschieden.

Der Unterallgäuer könnte bald auf Hartz IV angewiesen sein

Der Verband der Selbstständigen hat bereits gewarnt, dass Selbstständige in Hartz-IV abrutschen könnten. Die Politik versprach schnelle und unbürokratische Hilfe. Udo S. hat andere Erfahrungen gemacht. Sein Eindruck: Die Politik zieht den Stecker heraus, um die Infektionszahlen zurückzufahren. Für danach sei kein Plan vorhanden. Jedenfalls nicht für Selbstständige oder Freiberufler wie ihn.

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