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Unterallgäu

07.03.2019

Unterwegs mit dem Bus-Taxi namens Flexibus

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3 Bilder
„Großer Bus“ findet die kleine Franziska, die mit ihrer Mutter Patricia Schmid aus Apfeltrach nach Mindelheim „gereist“ ist. Für beide war es die Flexibus-Premiere.
Bild: Johann Stoll

Der Flexibus fährt seit Herbst in und um Mindelheim. Wer ihn nutzt, ist begeistert. Und alle anderen könnten es mit dem Umsteigen ja mal probieren.

Für Patricia Schmid und ihre kleine Tochter Franziska ist es eine Premiere. Es ist ihre erste Fahrt überhaupt mit dem Flexibus. „Bus“, sagt die eineinhalbjährige Franziska mit großen Augen, als ihre Mama ihr im Fahrzeug den Sicherheitsgurt anlegt, und präzisiert: „Großer Bus“. Ganz so groß wie ein Linienbus ist der Fiat Ducato von Steber Tours mit seinen sieben Plätzen zwar nicht. Aber verglichen mit dem Buggy, in dem die kleine Prinzessin vorher saß, und den Fahrer Claus Müller im Bus verstaut hat, hat sie sicher recht. Großer Bus.

Wer in Apfeltrach wohnt, ist aufs Auto angewiesen. Oder er geht zu Fuß oder fährt mit dem Fahrrad. Davon war Patricia Schmid bisher überzeugt. Seit der Geburt ihrer Tochter fährt sie jeden Mittwochvormittag mit ihrem Auto nach Mindelheim zu ihrer Mutter, wo sie gemeinsam frühstücken. Diesmal hatte sie kein Auto zur Verfügung, weil es in der Werkstatt steht, wollte das schöne Ritual aber nicht ausfallen lassen. Was also tun?

Mit dem Flexibus von Apfeltrach zur Oma nach Mindelheim

Eine Arbeitskollegin hatte ihr vorgeschwärmt, wie gut der Flexibus doch funktioniert. Da hat sich die junge Mutter gedacht: Das probiere ich jetzt auch mal aus. Wenn alles gut klappt, könnte die Oma ja auch mal mit dem Flexibus nach Apfeltrach kommen. Ein Auto hat sie seit Jahren nicht mehr.

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Das Bestellen war dann auch ganz einfach. Patricia Schmid rief tags zuvor die Flexibus-Nummer an, die zu einem Callcenter führt. Dort gab sie ihren Wunsch an, wann sie in Apfeltrach an einer der fünf möglichen Haltepunkte abgeholt werden wollte, und schon war alles erledigt.

Die Order ging per E-Mail aufs Tablet von Fahrer Müller direkt in den Bus. Bezahlt hat die Frau dann bar bei ihm. 3,30 Euro für die Strecke nach Mindelheim. Franziska fährt kostenlos mit.

Der Flexibus ist das jüngste Kind im öffentlichen Nahverkehr von Mindelheim

Claus Müller hat an diesem Montag Frühschicht. Der 52-Jährige wohnt in Nassenbeuren und ist einer der drei Fahrer, die die Firma Steber für ihre drei Flexibusse beschäftigt. Sabrina Büdinger ist die einzige Frau. Müller hat bis vor ein paar Jahren noch bei der Firma Riebel auf dem Bau geschafft. Wegen gesundheitlicher Probleme musste er umsatteln.

Am 15. Oktober 2018 war der Flexibus als jüngstes Kind im Mindelheimer öffentlichen Nahverkehr an den Start gegangen. Mit im Boot sind auch die Gemeinden Apfeltrach, Dirlewang, Kammlach, Stetten und Unteregg. Ein ähnliches Angebot gibt es für das Gebiet rund um Kirchheim und Pfaffenhausen. Wer also zwischen Unteregg und Mindelheim schnell und unkompliziert von einem Ort zum anderen kommen will, für den ist der Flexibus eine echte Alternative. Vorausgesetzt, die Fahrt ist zwischen 6 und 19 Uhr geplant beziehungsweise am Wochenende zwischen 7 und 18 Uhr. Abends und nachts verkehrt der Bus nicht.

Manche Flexibus-Fahrgäste lassen sich zum Mindelheimer Bahnhof fahren

Von der Martin-Schorer-Straße geht es weiter in die Gartenstraße in Mindelheim. Dort steigt eine ältere Dame zu, der tags zuvor ein Stück vom Zahn abhandengekommen ist. Ihren Namen will sie nicht in der Zeitung lesen. Sie hat kein Auto, muss aber zum Zahnarzt in die Kaufbeurer Straße. Gleich in der Früh hat sie ihren Bus per Telefon bestellt. Den Flexibus hat sie schon öfter genutzt. Sie nimmt deshalb auch immer gleich eine Sechserkarte. Da kostet eine Fahrt innerhalb der Stadtgrenze von Mindelheim nur 1,42 Euro und nicht 1,70 Euro wie bei einer Einzelfahrt für Senioren. „Ich finde das eine gute Sache“, sagt sie, vor allem für ältere Leute. Sie selbst lässt sich manchmal auch in die Altstadt fahren, um einzukaufen. Zwei Stunden später geht es mit dem Flexibus wieder vor die eigene Haustür.

Andere fahren damit zur Arbeit. Claus Müller sagt, mehrere Fahrgäste ließen sich zum Bahnhof kutschieren und am späten Nachmittag wieder abholen. Und einzelne fahren mit dem Flexibus auch an der Allgäuer Straße zu ihrem Arbeitsplatz vor. Bei dem vielen Schnee in diesem Winter war das eine schöne Möglichkeit, sich das Freischaufeln des eigenen Autos zu ersparen.

Das Gebiet, in dem der Flexibus fährt, ist in Waben eingeteilt. Je mehr Waben man durchfährt, desto mehr kostet es. 1100 Nutzer hat die Firma Steber bereits gewinnen können. Damit ist Manuel Steber schon recht zufrieden. Aber kostendeckend sei das Projekt damit noch nicht. Es sollten schon 1800 bis 1900 Nutzer werden. Fünf Jahre lang wird das Angebot auf jeden Fall laufen. Danach wird Bilanz gezogen.

Fahrer Claus Müller muss weiter. Nächster Halt ist Stetten. Eine krebskranke Frau muss zum Arzt nach Mindelheim. Er kennt ihre traurige Geschichte. Meist fährt sie mit einer Begleitung. Ihr Leben ist dank des Flexibusses ein kleines bisschen leichter geworden.

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