1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Video: Diese beiden Mädchen haben eine Botschaft

Preis

21.07.2017

Video: Diese beiden Mädchen haben eine Botschaft

Emma Aschenbrenner (hinten) und Felicitas Fischer haben ein Lied mit einer Botschaft geschrieben – und damit eine Jury überzeugt.
2 Bilder
Emma Aschenbrenner (hinten) und Felicitas Fischer haben ein Lied mit einer Botschaft geschrieben – und damit eine Jury überzeugt.
Bild: Frieß

Felicitas und Emma haben einen kleinen Song geschrieben. Doch dabei blieb es nicht. Welchen Weg ihr Lied nahm und wohin er sie geführt hat

Über komplizierte Dinge wie Inklusion und Toleranz kann man seitenweise Aufsätze und Bücher schreiben – oder einen Song, in dem all diese Dinge vorkommen, einfach und eingängig erklärt. Denn eigentlich sind diese komplizierten Dinge gar nicht so schwer, das wird an Felicitas und Emma deutlich. Die beiden Mädchen haben ein Lied geschrieben, das nun bei einem Wettbewerb ausgezeichnet worden ist. Es handelt von Freundschaft, von Inklusion und Toleranz – und auch ein bisschen von ihnen selbst.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Dass ihr Lied so erfolgreich werden würde, hatten sie anfangs nicht gedacht. „Uns war halt langweilig“, meint Emma aus Dirlewang auf die Frage, warum sie gemeinsam mit ihrer Freundin Feli „Ich bin ich“ geschrieben hat. Feli – die eigentlich Felicitas heißt – und Emma kennen sich schon seit dem Kindergarten, ganze neun Jahre sind die beiden schon befreundet. Sie unternehmen viel gemeinsam, hecken allerlei aus und lieben die gleiche Musik. Und so entsteht in Felis Kinderzimmer in Apfeltrach das Lied, das Aufregung in beider Leben bringt.

Die 13-jährige Felicitas formuliert es später so: „Der Song hat es eben weiter gebracht als die anderen.“ Alles begann damit, dass sie das Lied Felicitas’ Vater vorspielen. Der ist ebenfalls begeistert und schlägt seinem Freund Peter vor, das Lied ins Internet zu stellen. Dort wird eine Redakteurin des WDR auf das kleine Video aufmerksam und lädt die beiden Unterallgäuer Mädchen nach Köln ein, damit sie den Song im Studio professionell aufnehmen können. Einige Wochen später kontaktiert sie die beiden wieder. Ihr Vorschlag? „Ich bin ich“ soll für einen Wettbewerb eingereicht werden. Die Schülerinnen haben nichts dagegen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

„Ich bin ich und ich werd auch immer so bleiben. Mit Behinderung oder nicht, du bist du und ich bin ich.“ Dies ist nur ein Auszug aus den Zeilen, die Felicitas und Emma gedichtet haben und die alle berühren. Denn es geht um ihre Freundschaft und die Botschaft, dass jeder – so wie er ist – auch gut ist. Und es geht darum, wie Emma ihre Freundschaft zu Felicitas sieht, die wegen einer angeborenen Muskelschwäche im Rollstuhl sitzt.

Der Wettbewerb, an dem die beiden mit ihrem Song teilnehmen, ist der History Award, ein bundesweiter Preis, den der History Channel schon seit elf Jahren für Schulen in ganz Deutschland ausschreibt. Das Thema in diesem Jahr: „Wie gleich ist gleich?“ Alle sind sich einig, dass „Ich bin ich“ gut dazu passen würde. Einziger Haken: Die eingereichten Filme müssen mindestens fünf Minuten dauern. Deshalb müssen Felicitas und Emma noch mal ran und produzieren einen Vorspann zu ihrem Lied. Es musste schnell gehen, sie mussten improvisieren – aber hatten den Vorspann dann innerhalb einer Stunde im Kasten. „Natürlich haben wir uns vorher überlegt, was wir sagen wollen und ein paar Mal hat sich auch einfach das Handy abgeschaltet“, erzählt Emma und lacht. „Aber das war alles kein Problem“, ergänzt Felicitas und die beiden schauen sich an und grinsen.

Vielleicht lag es ja mit am Vorspann, dass die Mädchen aufs Siegertreppchen durften: „Verstell dich nicht und verrenk dich nicht, nur weil jemand zu dir sagt, du sollst dich ändern. Egal ob du schwarz oder weiß, dick oder dünn, groß oder klein bist, sei stolz auf dich und bleib so!“, heißt es darin. Da der Wettbewerb für Schulen ausgeschrieben war, wurde der Beitrag mit Zustimmung der Ernst-Barlach-Schule in München eingereicht, die Felicitas besucht, während Emma auf die MariaWard-Schule in Mindelheim geht.

Doch auch das war kein Problem: Als die Einladung nach München kam, war die Freude groß – ebenso wie die Aufregung während der Veranstaltung. „Als der sechste Platz dran war, kam der Tontechniker und hat uns die Mikros hingemacht. Da haben wir gedacht, wir sind die Fünften“, sagt Felicitas. „Aber dass wir dann den zweiten Platz gemacht haben, das hätten wir nicht gedacht“, sagt die elfjährige Emma.

Den beiden ist die Aufregung von der Preisverleihung auch jetzt noch deutlich anzumerken. Auch wenn es unglaublich heiß dort gewesen ist, wie sie betonen, war es toll, denn es waren auch einige Prominente dort. Allen voran Wigald Boning, dessen regenbogenfarbene Socken es den beiden besonders angetan haben. Ihre 1000 Euro Preisgeld wollen die Mädchen zum Teil spenden.

Mit berechtigtem Stolz sprechen Elisabeth Fischer und Siglinde Aschenbrenner von dem, was ihre Töchter da geleistet haben, ohne dass sie jemand je auf das Thema gestoßen hätte. Noch viel stolzer können die Eltern der beiden jedoch auf die folgenden Liedzeilen sein: „Meine Eltern sagen: Bleib so wie du bist, denn so lieben wir dich!“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren