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Unterallgäu

10.08.2020

Volksbegehren Artenvielfalt: Wichtige Impulse, aber noch keine Trendwende

Artenreiche Wegränder erfreuen nicht nur das Auge. Sie sind laut Bund Naturschutz ein echter Gewinn für die Artenvielfalt. Bei der Pflege fordert der BN Verbesserungen, wie einen späteren Schnitt und eine insektenschonende Mähtechnik.
Bild: Herbert Poppeler

Plus Ein Jahr nach dem Volksbegehren für die Artenvielfalt zieht die Kreisgruppe des Bund Naturschutz im Unterallgäu eine gemischte Bilanz.

Die Aufnahme zahlreicher neuer Verpflichtungen in das Bayerische Naturschutzgesetz durch das Volksbegehren Artenvielfalt jährt sich im August. 18,4 Prozent der Bevölkerung im Unterallgäu hatten dafür gestimmt. Was ist seitdem im Landkreis für die Artenvielfalt passiert? Die Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu im Bund Naturschutz (BN) zieht eine gemischte Bilanz. „Trotz einer insgesamt schleppenden Umsetzung sind wir nicht unzufrieden, denn durch das Volksbegehren haben die Themen Artenvielfalt und Insektensterben im ganzen Landkreis viel mehr Aufmerksamkeit bekommen und auch bei uns im Landkreis hat sich einiges getan“, bilanziert Helmut Scharpf, Kreisvorsitzender des BN.

Auch im Unterallgäu haben viele Gruppen etwas für die Artenvielfalt getan

Kommunen, Landwirte und Verbraucher: Viele hätten in den vergangenen zwölf Monaten – angestoßen durch das Volksbegehren – etwas zum Schutz der Insekten und der Artenvielfalt beigetragen. Herausragend ist laut BN hier vor allem das Engagement der Naturgemeinde Kettershausen, die bereits vor dem Volksbegehren in Sachen Artenvielfalt aktiv geworden sei und seitdem mit guten Beispiel vorangehe. Auch das Mitmach-Projekt des BN „Jeder Quadratmeter zählt“ habe viele Menschen dazu motiviert, selbst etwas für den Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt zu unternehmen. Der Landkreis sowie 45 Gemeinden, aber auch einige Privatpersonen sind derzeit Mitglied im Landschaftspflegeverband und haben zahlreiche Flächen extensiviert und blütenreicher gestaltet – etwa mit autochthonen (einheimischen) Hecken, Streuobstwiesen oder Einsaatstreifen. Viele kommunale Flächen und auch das sogenannte „Straßenbegleitgrün“ werden dem BN zufolge vielerorts nun deutlich später gemäht. Dass viele der Flächen allerdings noch gemulcht werden, sieht BN-Geschäftsführerin Tina Melder kritisch: „Durch das Mulchen wird alles kurz und klein gehäckselt, nicht nur Pflanzen, sondern auch Insekten und Kleinlebewesen werden zerschreddert. Hier muss ein Umdenken stattfinden.“

Naturschützer loben den guten Kontakt zu Landwirten im Unterallgäu

Mit der Landwirtschaft sei der BN in gutem Kontakt und arbeite schon seit langem in Form von Naturschutzprojekten zusammen: „Aufgeschlossene Landwirte haben artenreiche Wiesen angelegt, aber wir sind uns einig, dass für eine echte Trendwende eine Ökologisierung der EU-Agrarförderungen das entscheidende ist“, betont Scharpf. Die Fläche der landwirtschaftlich genutzten Wiesen, die nach dem 15. Juni gemäht werden, sei im Landkreis mit nicht einmal 650 Hektar noch deutlich steigerungsfähig. Zwiespältig sei die Bilanz bei den Gewässerrandstreifen. „Durch Tricksen mit Definitionen und zahlreiche Ausnahmen hat die Landwirtschafts-Lobby erreicht, dass nicht alle Gewässer einen Gewässerrandstreifen bekommen und nun erst mal drei Jahre lang kartiert wird. Das ist absurd und geht auf Kosten der Gewässerqualität und der Arten im und am Wasser“, kritisiert der BN das bayerische Vorgehen. Eine „völlige Fehlanzeige“ sei bisher der Schutz der wertvollen Streuobstwiesen. Sie sind laut BN durch die strenge Verordnung des Umweltministeriums nicht geschützt, obwohl das ganz klar dem Sinn des Volksbegehrens widerspreche. Der BN werde gegen die Verordnung klagen.

Zudem müsse die Verwendung von regionalen Bio-Lebensmitteln in allen öffentlichen Einrichtungen, bei Veranstaltungen, in Kantinen und Wirtshäusern noch deutlich vorangebracht werden. Die Öko-Landwirtschaft betrage im Unterallgäu derzeit zwölf Prozent. Bis zum erklärten Ziel von mindestens 30 Prozent bis 2030 sei es noch ein weiter Weg. Auch beim Thema Flächenverbrauch gebe es Verbesserungsbedarf. Besonders lobenswert sei hingegen die Aufstockung der Finanzmittel für die Umsetzung der Maßnahmen.

Mehr Einsatz für die Änderung der Agrarpolitik gefordert

An Landrat Alex Eder und die Landtagsabgeordneten richtet der BN die Forderung, sich auf überregionaler Ebene für die nötige dauerhafte Finanzierung der Artenschutz-Instrumente und -Berater, für eine Änderung der Agrarpolitik, für ein verbindliches Flächensparziel und eine wirksame Klimaschutzpolitik einzusetzen, um wirklich eine Trendwende beim Schutz der Biodiversität zu erreichen. (mz)

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