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Unterallgäu

07.06.2016

Vorwurf vor Gericht: 30 Katzen bei praller Sonne in Auto gelassen

30 Katzen lebten bei einer Frau in Amberg (Unterallgäu). Weil die Tiere krank und verwahrlost gewesen sein sollen, wurde ein Haltungsverbot ausgesprochen. So ging es nun weiter. (Symbolfoto)
Bild: Martin Gerten (dpa)

30 Katzen lebten bei einer Frau in Amberg (Unterallgäu). Weil die Tiere krank und verwahrlost gewesen sein sollen, wurde ein Haltungsverbot ausgesprochen. So ging es nun weiter.

30 Katzen stehen im Mittelpunkt eines Streits, der vor Gericht endete, den Steuerzahler möglicherweise teuer zu stehen kommt und Tierschützer auf die Palme bringt. Die Stubentiger gehörten einer Frau, der im vergangenen Jahr die Haltung untersagt wurde. Der Grund: Etliche Katzen waren krank und verwahrlost. Stefan Mitscherling, der Leiter des Tierheims Beckstetten, sieht hier einen krassen Fall von „Animal Hoarding“. Der Begriff steht für das krankhafte Anhäufen von Haustieren in einer völlig ungeeigneten Umgebung.

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Der Fall wurde vor dem Verwaltungsgericht Augsburg verhandelt, wo sich die Frau mit einer Klage unter anderem gegen das von der Stadt ausgesprochene Tierhaltungsverbot und die Übernahme der Kosten für die medizinische Behandlung und Unterbringung der Tiere zur Wehr setzte. Ihr Wagen mit den 30 Katzen habe im August 2015 längere Zeit vor der Wohnung in praller Sonne gestanden, wie Gerichtssprecher Stefan Eiblmaier mitteilte. Zeugen hätten nach eineinhalb Stunden die Polizei gerufen. Daraufhin wurden die Tiere befreit und in die Obhut des Tierheims in Beckstetten gegeben. Die Stadt verhängte das Haltungsverbot und brummte der Frau die Kosten für die Unterbringung und ärztliche Versorgung auf.

Das Gerichtsverfahren endete mit einem Vergleich. Mittlerweile ist die Klägerin zu ihrem Ehemann nach München gezogen, der laut Eiblmaier Miteigentümer der Katzen ist. Das bedeutet, das Tierheim muss die Tiere in seine Obhut geben. Das Haltungsverbot gegen die Frau bleibt zwar bestehen, sie kann allerdings an ihrem künftigen Wohnort eine neue Erlaubnis beantragen. Auf den Kosten für die Unterbringung der Tiere im Tierheim und die medizinische Behandlung – Eiblmaier spricht von einem vierstelligen Betrag – bleibt die Frau allerdings sitzen.

Vorwurf vor Gericht: 30 Katzen bei praller Sonne in Auto gelassen

Verwahrloste Katzen? Mitarbeiter des Tierheims sind entsetzt

Ein Fall, der die Mitarbeiter des Tierheims in Beckstetten entsetzte. Zumal die Versorgung der Katzen laut Vereinsvorsitzendem Mitscherling einen enormen Aufwand verursachte. Anders als der Gerichtssprecher hält er Kosten in Höhe von mindestens 50.000 Euro für möglich. Noch stehe der Aufwand gar nicht fest. Die Tiere seien alle nicht geimpft und bis auf zwei nicht kastriert gewesen, was Inzucht zur Folge hatte. „Wir kamen bei den Kapazitäten schnell an unsere Grenzen“, sagt Mitscherling. An erster Stelle habe damals die Entwurmung, Flohprophylaxe und Kastration gestanden. Mehrere Tiere starben Wochen später unter anderem an der Katzenseuche (Parvovirose), weshalb Teile des Tierheims vorübergehend unter Quarantäne standen. Heute leben noch 20 Katzen.

Der Vereinsvorsitzende fürchtet nach dem Urteil um das Wohl der restlichen Tiere. Mitscherling hält es für möglich, dass zwei der Katzen die Seuche weiterverbreiten können. Zudem müssten einige Tiere allein gehalten werden, da sie sich aggressiv verhalten. 18 Katzen seien mittlerweile an Pflegestellen vermittelt worden, zwei befinden sich noch in der Obhut des Tierheims. Sie alle müssen dem Partner der Frau laut Vergleich ausgehändigt werden. „Wir fragen uns, ob das alles nach dieser Vorgeschichte im Sinne des Tierschutzes ist“, sagt Mitscherling. Der Tierschutzverein hat sich sogar anwaltschaftliche Hilfe genommen, um eine Herausgabe der Tiere noch zu verhindern. Die Erfolgschancen, räumt Mitscherling ein, seien jedoch gering.

Der Miteigentümer der Katzen war nicht zu erreichen. avu

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