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Bad Wörishofen

14.09.2019

Wahl: Grüne nominieren Doris Hofer

Doris Hofer nach der Nominierung mit Grünen-Ortssprecher Michael Scharpf (links) und Stadtrat und Bezirksvorsitzendem Daniel Pflügl.
Bild: Markus Heinrich

Die Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Bad Wörishofen stellt ihre Ziele vor – und findet auch zum Thema Kur klare Worte. Es geht um Wirtschaft, Klimaschutz und den Gewerbesteuersatz.

Die Grünen schicken Doris Hofer ins Rennen um das Bürgermeisteramt in Bad Wörishofen. Mit zehn Stimmen bei einer ungültigen Stimme nominierte der Ortsverband am Donnerstagabend die Sprecherin der Stadtratsfraktion als Kandidatin für den Chefposten im Rathaus. Neben Hofer stehen derzeit Amtsinhaber Paul Gruschka (Freie Wähler) und Regine Glöckner (Team-Kneippstadt-SPD) als Kandidaten fest.

Im Rössle-Saal stellte Hofer, 59, ihre Ziele vor – und die Frage, welche sie derzeit am häufigsten höre: „Willst Du Dir das wirklich antun?“ Ihr falle die Antwort aber leicht, sagte Hofer: „Ja, das will ich.“ Sie sei eine leidenschaftliche Kommunalpolitikerin, saß vor ihrem Umzug nach Bad Wörishofen im Oberammergauer Gemeinderat und nun im Stadtrat von Bad Wörishofen und im Kreistag Unterallgäu. Durch ihre Tätigkeit als Beraterin vor allem für Kommunen und Behörden fühlt sie sich für die Aufgabe gut gerüstet. Sie wisse genau, vor welchen Herausforderungen die Gemeinden stehen und verfüge über ein großes Netzwerk.

„Ich will Brücken bauen statt Barrieren“, kündigte Hofer unter dem Applaus der durchaus zahlreichen, zumeist aber nicht stimmberechtigten, Zuhörer an. „So, wie es derzeit politisch zugeht in Bad Wörishofen, darf es nicht weitergehen“, sagte Hofer. „Immer wieder stehen Streit und Zoff im Vordergrund. Das lähmt die Arbeit im Stadtrat und in der Verwaltung, und das lähmt letztlich die ganze Stadt.“ Die beiden Grünen hätten sich „da längst rausgenommen“. Man sei weiterhin streitbar in der Sache, aber „wir sind nicht trotzig und angriffslustig“, sagte Hofer. „Soll man einen vernünftigen Antrag ablehnen, nur um jemandem eins auszuwischen“, fragte sie? Es gehe doch „schließlich um unsere Stadt, nicht um persönliche Befindlichkeiten.“ Als Bürgermeisterin wolle sie für eine gute Kommunikation sorgen. „Zuhören muss wieder in werden“, stellte sie fest. Für ihre Partei formuliert sie hohe Ziele: Man wolle die 2014 gewonnenen Ratssitze verdoppeln. Sie wolle zudem Kneipps Lehre „zum Strahlen bringen“, den „Klimaschutz in Bad Wörishofen aus seinem Schattendasein befreien“, die Soziale Stadt fördern und die Rahmenbedingungen für eine florierende Wirtschaft schaffen. Ein Ziel sei es auch, die Zahl der Übernachtungen im Heilbad zu steigern. Zudem will Hofer bürgerschaftliches Engagement besser fördern. „Wir müssen hier den Fuß von der Bremse nehmen“, sagte sie.

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Was Kneipp und die Passionsspiele in Oberammergau gemeinsam haben könnten

Auch um klare Worte war die Kandidatin bei den Fragen der Zuhörer nicht verlegen, zum Beispiel beim Kernthema Kur. „Mit Kur kann man heute keinen mehr hinter dem Ofen vorlocken“, sagte sie. Aber Kneipps Lehre sei „unser kostbarster Schatz“. Man müsse diesen neu verpacken und den Menschen schmackhaft machen. Sie nannte als Beispiel die Passionsspiele in Oberammergau. Dort würde seit Jahrhunderten die immer gleiche Geschichte erzählt, immer die gleiche Botschaft vermittelt – aber „immer wieder neu verpackt und das lockt die Leute an.“

Man brauche emotionale Botschaften – und man brauche das Vertrauen von Investoren, damit diese in Bad Wörishofen Hotels oder Kliniken bauen. „Wir stecken mitten im Strukturwandel, verlieren immer mehr Betten“, sagte Hofer. Da bauten Investoren statt Hotels lieber Seniorenwohnungen. Deshalb müsse es gelingen, den Abwärtstrend bei den Übernachtungen zu durchbrechen. Klimaschutz bedeutet für die Kandidatin flächen- und ressourcensparend zu bauen, mit mehr Grün beim Bau von Straßen, Plätzen oder Kindergärten – hier übte sie unter anderem Kritik am Flächenverbrauch des aktuellen Kita-Baus in Bad Wörishofen. Das hätte man cleverer lösen können, findet sie. Auch für Radfahrer müsse mehr getan werden.

Mehr an die Bedürfnisse der Radfahrer in Bad Wörishofen denken

Das Löwenbräu-Projekt sei zum Beispiel nur als Autofahrer-Projekt geplant gewesen. Erst auf Nachfrage sei es auch um die Bedürfnisse der Radler gegangen. Mehr Radfahrer bedeuteten auch mehr Konflikte unter den Verkehrsteilnehmern. Dies müsse eine Stadt klug entschärfen und bereits bei Planungen berücksichtigen.

Zur Wirtschaft sagte Hofer, sie wolle den Unternehmen partnerschaftlich begegnen, eine faire Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit pflegen. „Wir brauchen auch die Gewerbesteuer“, betonte sie. „Es wäre doch schön, wenn wir die Eishalle, das Freibad, das Juze, das Kurhaus oder das Rathaus von Grund auf fit machen könnten für die Zukunft.“ Derzeit versuche man nur, den Verfall aufzuhalten. Unserer Redaktion sagte Hofer auf Nachfrage, sie stehe zum derzeit gültigen Gewerbesteuerhebesatz von 240 Prozent.

Sie wolle eine attraktive Wirtschaftspolitik betreiben, moderne Finanzierungskonzepte nutzen, Partner und Betreiber ins Boot holen, kündigte Hofer an, stellte aber auch klar: „Wir sind Kurstadt, wollen Kurstadt bleiben und die darf nicht von Gewerbeflächen und Industrie umzingelt werden.“

„Als Försterin habe ich gelernt, dass ich den Wald, den ich heute pflanze, nicht mehr selbst ernten werde“, sagte Hofer zum Schluss ihrer Rede. Deshalb müsse man Ziele haben und diese mit vorausschauendem Handeln verfolgen, für die nächste Generation.

Das ist Dr. Doris Hofer:

  • 1959 in Vilshofen an der Donau geboren, aufgewachsen in München („eine Städterin ist aus mir nie geworden), Studium der Forstwirtschaft mit Promotion.
  • Umzug nach Oberammergau, dort zehn Jahre lang Geschäftsführerin eines wildbiologischen Forschungsinstituts mit rund 40 Beschäftigten.
  • Berufsbegleitende Beraterausbildung („Umstieg vom vernünftigen Miteinander von Mensch und Wildtier zum vernünftigen Miteinander von Mensch und Mensch“), seit mehr als 20 Jahren selbstständig als Organisationsberaterin, Personalentwicklerin und Führungskräftecoach.
  • Hofer berät Familienbetriebe und Großunternehmen, der Großteil ihrer Kunden sind aber Landratsämter, Kommunen und Behörden. Sie ist Dozentin bei der Bayerischen Verwaltungsschule und Beraterin der Bayerischen Verwaltungsakademie.
  • Seit 2012 lebt Doris Hofer mit ihrer Frau Kerstin Steinsberger in Dorschhausen.
  • Hofer engagiert sich im Posaunenchor der Erlösergemeinde, im Schützenverein Dorschhausen und im Verschönerungsverein Bad Wörishofen. Als Hobbys nennt sie Gartenarbeit und Brennholzmachen.

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