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Unterallgäu

30.05.2019

Warum der Holzpreis im Unterallgäu im Keller ist

Zwar wachsen die Bäume noch in den Himmel, der Holzpreis jedoch fällt und fällt. Waldbauern sorgen sich, weil es derzeit ein Überangebot am Markt gibt.
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Zwar wachsen die Bäume noch in den Himmel, der Holzpreis jedoch fällt und fällt. Waldbauern sorgen sich, weil es derzeit ein Überangebot am Markt gibt.
Bild: Becker

Plus Waldbauern in Sorge: Stürme, Borkenkäfer und Schneebruch haben zu einem Überangebot geführt. Der Preis fällt, Besserung ist nicht in Sicht.

Die Lage für die Waldbauern spitzt sich dramatisch zu: Seit zwei, drei Jahren sind die Preise in den Keller gerutscht. Die Erlöse aus dem Holzverkauf decken nicht einmal die Kosten ab. „Wir haben einen Tiefpunkt erreicht wie im Jahr 2000, als der Sturm Lothar für große Mengen Bruchholz gesorgt hat.“ Das sagt der stellvertretende Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Mindelheim, Raymund Ball, die ihren Sitz in Breitenbrunn hat.

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Den Vorsitz der FBG hat Georg Paulus aus Haselbach inne. Er weist auf die Unkosten der Waldbauern hin. Schlepper müssten ebenso vorgehalten werden die Motorsägen. Die Erlöse decken das längst nicht mehr ab und von einem Verdienst könne schon gar nicht mehr die Rede sein.

Stürme in den Nachbarländern beeinflussen auch das Unterallgäu

50 Euro werden für den Festmeter Holz bezahlt. 30 Euro sind es nur für Käferholz. Der Grund: Es befinden sich immense Mengen an Holz auf dem europäischen Markt. Stürme in Tschechien, Österreich oder Südtirol haben ganze Arbeit geleistet. Hinzu kam das trockene Jahr 2018, das dem Borkenkäfer beste Bedingungen beschert hat. All das befallene Holz musste geschlagen werden und drückt auf den Markt. In diesem Winter kam noch der Schneebruch im Voralpen- und alpinen Raum hinzu. Paulus spricht von 40 000 Kubikmeter Schneebruch. Das entspreche fast einem Jahreseinschlag. „Seit 18 Monaten erleben wir eine Kette von Schadereignissen“, sagt Ball. Vor allem die Fichte verträgt längere Trockenphasen nur schlecht. Dieser Baum ist aber nach wie vor der am häufigsten vorkommende in der Region.

Warum der Holzpreis im Unterallgäu im Keller ist

Die FBG Mindelheim hat 2600 Mitglieder im Altlandkreis und in angrenzenden Gebieten. Für all jene, die sich nicht um ihren Wald kümmern können oder wollen, bietet die FBG einen Waldpflegevertrag an. Seit dem Sturm Niklas vor zwei Jahren gebe es ein Überangebot an Schnittholz. Aber auch beim Papierholz ist die Lage nicht besser. Der Papierhersteller UPM in Plattling hat ein komplettes Werk stillgelegt, sagt Paulus. Die abgenommenen Mengen werden insgesamt kleiner.

Das Entsetzen im Unterallgäu ist groß

Die FBG betreut viele Kleinstwaldbesitzer, die weniger als zwei Hektar besitzen. Bei ihnen ist das Entsetzen über die schlechten Preise besonders hoch, sagt Ball. Für sie ist der Wald so etwas wie ein Sparbuch, das nun keine Rendite mehr abwirft. „Früher haben Bauern aus ihrem Waldverkauf mal einen Schlepper gekauft“, erzählt Paulus. Davon könne man heute nur träumen.

Den Waldbauern geht es aber auch um Naturschutz. Einige nehmen an Vertragsnaturschutzprogrammen wie dem Kulturlandschaftsprogramm teil. Und wie waldbauliche Fehler vermieden werden können, darüber informiert das Amt für Landwirtschaft und Forsten. Dieser Waldumbau wird übrigens vom Land finanziell gefördert. Teilweise wurde die Fichte in der Nachkriegszeit an ungeeigneten Standorten gepflanzt.

Manchmal hilft nur schweres Gerät

Manchmal ist es aber unvermeidlich, dass die Waldbauern mit schwerem Gerät im Wald anrücken. Das ist dann der Fall, wenn das Holz wegen Käferbefall möglichst schnell aus den Wäldern muss. Weil die Winter die Böden kaum noch gefrieren lassen, kommt es dann zu sichtbaren Schäden von Waldwegen und Waldböden. „Hier würden wir uns etwas mehr Verständnis wünschen“, sagt Ball.

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