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Mindelheim

19.12.2020

Wegen Corona ist Tanzen nur noch vor dem Bildschirm möglich

Da durften sie noch gemeinsam tanzen: Tosca Strasser und ihre Ballettschülerinnen. „Es tut mir im Herzen weh“, sagt die Tanzlehrerin darüber, dass die Kinder nun nicht mehr kommen können.
Bild: Archiv Tosca Strasser

Plus Die Pandemie trifft die Tanzschulen in der Region hart. So reagieren sie darauf.

Tanzschulen gehören zu einer Branche, die von den Corona-Einschränkungen besonders betroffen ist. In Mindelheim gibt es zwei davon, die Tanzschule Eisert und die Tanzschule Tosca. Beide haben ein unterschiedliches Kursangebot und andere Zielgruppen - jedoch das gleiche Problem: den Lockdown.

Während Elke Eisert Kanga-Kurse für frischgebackene Mamas anbietet, die wieder fit werden möchten, unterrichtet ihr Mann Walter M. Eisert klassischen Paartanz, also Walzer, Discofox, Boogie/Jive, Rumba und Cha Cha.

Die Eiserts haben keinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung

Walter Eisert arbeitet in Vollzeit als Lastwagenfahrer, seine Frau ist im Mutterschutz. Deswegen haben sie keinen Anspruch auf Unterstützung. Doch die Kosten für die Hallenmiete, für Lizenzgebühren und Versicherungen können mit diesem Einkommen nicht finanziert werden. Elke Eisert konnte zumindest im Juni und Juli im Freien Kurse abhalten.

Ihr Mann leitet sonst fünf Kurse, die jeweils acht Wochen dauern – in diesem Jahr waren es nur zwei mit reduzierter Teilnehmerzahl, zuletzt auch online. Doch die sind nicht so beliebt, vier Paare haben deswegen abgebrochen. Nur ein Paar fand die Umstellung gut, denn so ist kein Babysitter mehr nötig.

Elke und Walter Eisert lieben das Tanzen.
Bild: Archiv Eisert

„Einige hatten Probleme beim Einstellen ihrer Kamera“, sagt Walter Eisert. „Da sah ich entweder nur die Köpfe des Tanzpaars oder nur die Oberkörper.“ Trotzdem konnte er sich als erfahrener Tanzlehrer vorstellen, was das Paar gerade mit den Beinen machte. Wer nicht will, dass der Tanzlehrer ihn online sieht, kann das auch abstellen – wobei der Lerneffekt mit Korrekturen größer ist.

Online-Kurse von Stepptanz bis Hip-Hop

Online-Kurse gibt es in der Mindelheimer Tanzschule Tosca ebenfalls. Die Tanzschule, die auch in Memmingen eine Niederlassung hat, unterrichtet Kinder ab drei Jahren im Ballett. Kurse gibt es auch für Stepptanz, Street Dance, Hip-Hop, Modern Dance, Kindertanz, Jazzdance für Erwachsene oder Teenies, Hip-Hop-Funky für Kinder, Breakdance oder Bauchtanz, auch Erwachsenenballett – aber keine traditionellen Paartänze.

Die freiberuflichen Tanzlehrer sind jetzt arbeitslos, wobei Strasser bevorzugt solche Lehrer für die Online-Kurse einsetzt, die keinen anderen Beruf zusätzlich ausüben. Im Livestream zeigt der Tanzlehrer die Übungen, erklärt sie und wiederholt sie nochmals mit Musik. Was fehlt, sind direktes Feedback und das Miteinander mit den Schülern.

Tanzunterricht mit kleinen Gruppen und angepasstem Training

„Es tut mir im Herzen weh“, klagt Tosca Strasser, weil die Kinder nun nicht mehr zum Ballettunterricht kommen können. Sie seien so glücklich über das Zusammensein, das gemeinsame Üben gewesen. Die Gruppen waren klein, meist unter zehn Kinder, die an der Stange übten, dazu Markierungen am Boden. Jeder wusste, wo er steht, die Abstände konnten sicher eingehalten werden. Sprünge durften keine gemacht werden, nur Kraft und Technik wurde im Corona-Jahr geübt, berichtet Strasser.

Gelüftet wurde in der kalten Jahreszeit regelmäßig, im Sommer blieben die Fenster sowieso offen. Das Ansteckungsrisiko wäre somit sehr gering, meint Strasser. Erst im Juni durfte die Tanzschule wieder öffnen, einige Stunden konnten in den Pfingst- und in den Sommerferien hereingeholt werden.

Nach den Herbstferien war wieder Schluss und jetzt befürchtet Strasser, dass auch den ganzen Januar über keine Tanzschüler kommen dürfen. „Das wären wieder drei Monate am Stück.“ Bisher haben die Eltern sie unterstützt und sie hat nur eine Kündigung erhalten, dafür ist sie dankbar.

Wer die Tanzschulen unterstützen möchte, kann Gutscheine erwerben oder Kurse buchen.

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