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Bad Wörishofen

23.08.2020

Weihnachtsstimmung in der Sommerhitze von Bad Wörishofen

Walter Kostenbader ist derzeit mit dem Bau eines neuen Krippenstalles in seiner Kellerwerkstatt beschäftigt.
Bild: Helmut Bader

Plus Für Krippenbauer Walter Kostenbader aus Bad Wörishofen beginnt die Adventszeit schon dann, wenn andere bei mehr als 30 Grad in Bädern und an Seen schwitzen.

Strahlender Sonnenschein, Temperaturen über 30 Grad, Freibadwetter, das ist die richtige Zeit für – genau – Weihnachtskrippen. Wenn Walter Kostenbader derzeit im Wörishofer Wald spazieren geht oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, dann läuft das selten so ab, wie bei anderen Wanderern. Meistens kommt er dabei nicht mit leeren Händen nach Hause. Seit fast zehn Jahren baut er nämlich Krippen und wenn ihm dabei unterwegs etwas ins Auge sticht, was diesem Zweck dienen könnte, dann wandert es in seine Tasche.

Diese Krippen, die derzeit bei hochsommerlicher Hitze entstehen, verkauft er seit vielen Jahren beim Weihnachtsmarkt, nimmt den Erlös aber nicht für sich selbst, sondern spendet ihn jeweils für einen guten Zweck. Bedacht wurden dabei unter anderem die Indienhilfe, die Ambulante Krankenpflege, die Lebenshilfe Mindelheim, die Johanniter, die Kriegsgräberfürsorge, die Rumänienhilfe oder die evangelische Kirche. Die Liste ließe sich durchaus noch verlängern.

Kürzlich wurde Kostenbader 85 Jahre alt - aber ans Aufhören denkt er noch lange nicht

Kürzlich wurde Walter Kostenbader 85 Jahre alt, doch an ein „Hände-in-den-Schoß-legen“ ist bei ihm nicht zu denken. „So lange ich das machen kann, werde ich es beibehalten“, sagt er bei einem Besuch in seiner Werkstatt im Keller seines Hauses in der Dominikusstraße. „Gebastelt habe ich immer schon gerne, doch erst nach der Rente habe ich dies intensiver betrieben und es macht mir viel Freude.“ Zuvor war Walter Kostenbader 30 Jahre beim Kneippbund beschäftigt und war dabei 20 Jahre Geschäftsführer des Kneippverlages.

Ein Buch voller Erinnerungen an Jahrzehnte mühevoller Kleinarbeit in Bad Wörishofen

Was Kostenbader da im Sommer mühevoll zusammenträgt, zusammenleimt und schnitzt, wechselt im Idealfall zwar den Besitzer. Doch trotzdem hat der Krippenfreund alle seine Bauwerke immer um sich. In einem Fotoalbum hat er fast alle seine Objekte bildlich festgehalten. Dieses Buch zeigt dann die Vielfältigkeit seiner Arbeiten. Sie reichen von Wurzelkrippen, Krippen in kleinen Holzschalen über Laternenkrippen und orientalische Krippen bis hin zu großen Ställen. Als Material dient ihm alles, was er dafür für geeignet erachtet. Das können schon einmal von Eichhörnchen abgenagte Tannenzapfen, Stäbchen von Silvesterkrachern etwa für die Fensterrahmen oder das Moos von den Bäumen sein. Eine wichtige Rolle spielen dabei natürlich auch Wurzeln. „Diese finde ich schon einmal im Bachbett der Stillach bei Oberstdorf auf Sandbänken. Denn die müssen gut ausgebleicht sein und dazu musste ich schon auch einmal mit Gummistiefeln ausgerüstet sein“, weiß er zu erzählen. „Manchmal musste ich dabei ganz schön schleppen, wenn mir etwas Besonderes ins Auge gestochen war“, ergänzt er.

Ein Wunsch aus Amerika: Die Krippe soll aus Bad Wörishofen nachgeschickt werden

Inzwischen hat der Bastler seinen eigenen Stil entwickelt, der auch anscheinend gut ankommt, wie einige Anekdoten belegen. So wollte einmal ein Amerikaner zu gern eines seiner Objekte im Kurhaus kaufen, wusste aber nicht, wie er die am nächsten Tag beim Heimflug mitnehmen sollte. Ein anderer Interessent aus Südafrika bat Walter Kostenbader, ihm eine Krippe doch in einer Kiste nachzuschicken. Leichter zu erfüllen dagegen war der Wunsch einer Münchnerin, der eine Krippe sehr gut gefiel, die aber schon verkauft war. Also musste er dieses Modell in fast genauer Form noch einmal nachbauen. „So ein Modell bekomme ich sonst nirgends“, war das Argument der Frau.

Und so denkt der passionierte Krippenbauer bereits im Sommer an die Weihnachtszeit. Aber auch da gibt es ja Tage, die nicht zum Aufenthalt im Freien einladen. Dann zieht es Kostenbader umgehend in den Bastelkeller, zu Maria, Josef, dem Jesuskind und ganz viel Arbeit. Die Motivation dazu geht ihm nicht aus. „Natürlich ist auch die Stimmung dafür nicht immer gleich, aber wenn ich eine Idee im Kopf habe, dann möchte ich sie auch baldmöglichst wieder umsetzen“, sagt er. Denn seine Werke entstehen fast alle zuerst im eigenen Kopf und nicht nach Vorlagen. Dann geht es eben wieder ab in den Keller.

Neben dem Krippenbau findet Kostenbader noch Zeit für viele andere Hobbys

Nicht unerwähnt sollte vielleicht bleiben, dass Walter Kostenbader auch sonst in seinen 85 Jahren in Bad Wörishofen Spuren hinterlassen hat. Immerhin war er 30 Jahre Schützenmeister bei der Kgl. priv. Schützengesellschaft, war Gründungsmitglied beim Eislaufverein und Deutscher Meister im Minigolf und beim Bogenschießen.

Doch seine wirkliche Liebe gefunden hat er zuletzt in seinem Krippenbau. Dass diese Arbeit sehr zeitaufwendig ist und dass dort Stunde um Stunde vergehen kann, bis ein Werk vollendet ist, lässt sich durchaus nachvollziehen. Doch wenn dann eine seiner Krippen sogar als Vorbild für Weihnachts- oder Einladungskarten dient oder er wieder eines seiner Werke für einen guten Zweck über den Tisch im Kurhaus geht oder ein Dankschreiben eingeht, dann schwingt auch eine gewisse Zufriedenheit mit sich selbst bei ihm mit.

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