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Unterallgäu

23.02.2021

Weniger Unfälle im Unterallgäu – außer bei den Radlern

Radfahrer bereiten der Polizei hinsichtlich der gestiegenen Unfallzahlen Sorgen – mehr als 1700 Unfälle haben sich im Gebiet des Polizeipräsidiums im vergangenen Jahr ereignet.

Plus Wegen der Corona-Beschränkungen sinkt im Unterallgäu die Zahl der Unfälle. Eine Ausnahme bilden in der Verkehrsstatistik 2020 die Radler. E-Bike-Fahrer sind besonders betroffen.

Weniger Autofahrer auf den Straßen, weniger Unfälle: Die Corona-Pandemie hat sich 2020 auch auf den Verkehr ausgewirkt. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, das von Kempten bis Neu-Ulm über Günzburg bis Kaufbeuren reicht, gab es 2020 insgesamt 25.443 Unfälle – das sind knapp 70 pro Tag. Im Vorjahr zählte die Polizei noch täglich 83 Verkehrsunfälle und damit insgesamt 30.345. „Durch Lockdowns und Reisebeschränkungen sind die Unfallzahlen in fast allen Bereichen zurückgegangen“, sagt Polizeivizepräsident Guido Limmer. Nur auf die Radfahrer trifft das nicht zu – aus mehreren Gründen.

Insgesamt gesehen sei der Rückgang der Unfälle um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr positiv. „Es ist eine deutliche Trendumkehr, die vergangenen zehn Jahre nämlich ging es im Schnitt um sieben Prozent bergauf“, sagt Limmer. Vor allem im ersten Lockdown hat sich die Zahl der Unfälle laut Polizeistatistik fast halbiert. Ebenso erfreulich sei die gesunkene Zahl der Unfalltoten. 2020 starben 41 Menschen bei Verkehrsunfällen (2019: 46). Noch nie habe es so wenige Tote gegeben. „Das ist ein Allzeittief für unser Präsidium“, betont Limmer. Im Zehn-Jahres-Vergleich sank insgesamt auch die Anzahl der Verletzen – mit einer Ausnahme: 2020 gab es mehr Schwerverletzte als im Vorjahr.

Im Unterallgäu kam es im Jahr 2020 zu 3428 Unfällen

Auch in der Region ging die Zahl der Unfälle zurück. Im Unterallgäu hat es 2020 insgesamt 3428 Mal gekracht (2019: 3870), dabei verletzten sich 616 Menschen (2019: 677). Im gesamten Präsidiumsbereich ist die Zahl der Verkehrstoten von 46 im Jahr 2019 auf 41 im Jahr 2020 gesunken. Dieser Trend schlägt sich im Unterallgäu leider nicht nieder: Hier stieg die Zahl der Menschen, die im Verkehr ums Leben kamen, von neun im Jahr 2019 auf elf im vergangenen Jahr.

Die Radfahrer bereiten der Polizei hinsichtlich der gestiegenen Unfallzahlen Sorgen. Vermutlich sind viele Menschen in Corona-Zeiten einfach vom Auto aufs Rad umgestiegen, doch dies kann die Polizei zumindest fürs Frühjahr nicht mit Zahlen belegen. „Der Fahrradboom hat eigentlich erst zur Mitte des Jahres eingesetzt“, sagt leitender Polizeidirektor Michael Keck, „die Verkaufszahlen sind explodiert“. Seitdem seien aber definitiv deutlich mehr Menschen auf dem Rad unterwegs, egal ob auf neu gekauften E-Bikes oder alten Fahrrädern aus dem Keller. Und das nicht immer gefahrlos: 2020 passierten im Gebiet des Präsidiums 1774 Unfälle mit Radlern (2019: 1529), dabei gab es 31 Prozent mehr Schwerverletzte als 2019.

Die Zahl der verletzten E-Bike-Fahrer ist deutlich gestiegen

Besonders fallen hier die E-Bike-Fahrer auf, die sich sehr viel öfter schwer verletzten. 2019 erlitten 82 Pedelec-Fahrer bei Unfällen schwere Verletzungen, 2020 lag die Zahl bei 116 Menschen. Das ist ein Plus von 41 Prozent. Auch die Zahl der leichtverletzten E-Bike-Fahrer ist gestiegen – von 215 auf 276 (+28 Prozent) .

Die Gründe für Unfälle sieht die Polizei zum einen in der hohen Geschwindigkeit, vor allem bei E-Bike-Fahrern. Insgesamt aber passierten Radunfälle auch oft durch Fahrfehler auf unebenem Gelände. Und: Alle Altersgruppen sind betroffen. Zu einem Fünftel sind bis zu 20-jährige Radler an Unfällen beteiligt, die beiden Gruppen bis 54 Jahre und die Älteren mit jeweils rund 40 Prozent.

Die Polizei will dieses Jahr noch mehr auf die Radfahrer achten. Bereits im vergangenen Jahr habe man viel kontrolliert und auch die Fahrradhändler mit eingebunden. Mit jedem Fahrradkauf erhielten die Kunden Infomaterial rund um die Sicherheit. Das sei nach wie vor nötig, denn zumindest wenn E-Bikes in Unfälle involviert seien, tragen deren Fahrer laut Polizei in drei Vierteln der Fälle die Schuld. „Wir wollen deswegen die Radler schützen, aber auch andere vor den Radlern schützen“, sagt Keck. Oft missachten Radler demnach das Rechtsfahrgebot, halten zu wenig Abstand und seien zu schnell unterwegs.

In Türkheim starb ein Pedelec-Fahrer, als er gegen ein Auto krachte

Guido Limmer, der sich selbst als passionierten Radfahrer bezeichnet, mahnt zudem, geeignete Schutzausrüstung wie einen Helm und auffällige Kleidung zu tragen. Auch so könnten Unfälle vermieden werden. Die Polizei erinnert an einen Todesfall in Türkheim, als ein 58-jähriger E-Bike-Fahrer mit 20 Kilometern pro Stunde gegen ein stehendes Auto gekracht sei. Der Mann habe keinen Helm getragen, sei mit dem Kopf gegen das Auto gestoßen und gestorben. (Mehr dazu hier: E-Bike-Fahrer stirbt bei Zusammenstoß mit Auto in Türkheim)

Eine mögliche Lösung hinsichtlich der vielen Unfälle sei sicherlich eine Investition in die Rad-Infrastruktur, sagt Limmer. Er hebt als Beispiel die bauliche Trennung von Straßen, Rad- und Fußwegen hervor, wie sie in Nordeuropa oft schon vorherrscht. Bis es so weit ist, hat es sich die Polizei zur Aufgabe gemacht, verstärkt die Radler zu kontrollieren – sowohl in Innenstädten als auch rund um beliebte Ausflugsziele.

Das sagt die Polizei über die Tuning-Szene in de Region

Im Auge behält die Polizei auch weiterhin die Tuning-Szene: Autofahrer, die ihr Fahrzeug aufmotzen, teilweise illegale Rennen fahren oder durch lautes Herumfahren stören. Auf großen Parkplätzen in größeren Städten wie Memmingen, Kempten oder Kaufbeuren treffen sich laut Polizei teilweise bis zu 150 Fahrer mit ihren getunten Autos und lassen die Motoren aufheulen oder fahren hin und her. Darüber beschweren sich auch immer mehr Bürger.

Er könne verstehen, dass Autos durch ihr Aussehen und ihre Dynamik faszinieren können, sagt Limmer. „Aber das sind teilweise Verhaltensweisen, die nicht mehr geduldet werden können.“

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