1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Wenn Blasmusik zu Tränen rührt

Jahreskonzert

17.12.2018

Wenn Blasmusik zu Tränen rührt

Mit musikalischer Vielfalt begeisterten die Oberkammlacher Dorfmusikanten ihre Gäste beim Jahreskonzert. Sehr emotional wurde es, als Edmund Huber (rechtes Bild, links) nach vielen Jahren vom Vorsitzenden Joachim Suiter verabschiedet wurde. Das Geschenk überreichte Franziska Schmid.
2 Bilder
Mit musikalischer Vielfalt begeisterten die Oberkammlacher Dorfmusikanten ihre Gäste beim Jahreskonzert. Sehr emotional wurde es, als Edmund Huber (rechtes Bild, links) nach vielen Jahren vom Vorsitzenden Joachim Suiter verabschiedet wurde. Das Geschenk überreichte Franziska Schmid.

Die Oberkammlacher Dorfmusikanten beschenken ihr Publikum mit einer kurzweiligen musikalischen Reise

Gäbe es keine Vereine mehr, die Dörfer wären kaum mehr als bloße Schlafstätten. Unter ihnen spielen die Blaskapellen eine ganz besondere Rolle. In Oberkammlach scheint gefühlt jeder Zweite Musik zu machen. Dieses Miteinander über die Generationen hinweg prägte auch das Jahreskonzert der Oberkammlacher Dorfmusikanten in den Räumen der Grundschule vor fast vollem Haus.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Nicht zufällig durften die Jüngsten zuerst ihr Können zeigen. Michaela Simon dirigierte die Jugendkapelle, die „jubelnd“ mit dem Stück „Hallelujah“ das Konzert eröffnete. Für Andreas Schuster, Bezirksvorsitzender des ASM, ist Oberkammlach darin vorbildlich, wie es dort seit mehr als 140 Jahren gelingt, die Jungen für die Musik zu begeistern. Das gute Miteinander unterstrich auch der Vorsitzende Joachim Suiter. Einen Brückenschlag zu den Jungmusikern schlug dann auch die Hauptkapelle mit der „Generationsfanfare“. Sie musizierte unter der Leitung von Stefan Wörz und Robert Paul. Die beiden hatten eine bunte musikalische Reise zusammengestellt.

Robert Paul war ein Stück eine Herzensangelegenheit. Über viele Jahre waren die Oberkammlacher Dorfmusikanten immer wieder mal im Rheinland zu Gast. So auch zum 90. Geburtstag eines Weinbauern. Dieser wünschte sich ein ganz bestimmtes Stück, das im Zweiten Weltkrieg kurzzeitig für Frieden gesorgt hatte. An der Ostfront hatten deutsche Soldaten an Weihnachten plötzlich zu singen angefangen. Daraufhin waren die Russen miteingestimmt. Die ganze Nacht über war kein einziger Schuss gefallen. Und so spielten die Oberkammlacher als Friedensbotschafter „Ich bete an die Macht der Liebe“.

Wenn Blasmusik zu Tränen rührt

Gemütlich und „griabig“ ging es mit „A miiheler Sound“ von Alexander Pfluger zu, einem Stück mit Ohrwurmcharakter. Die „Perger Polka“, im Mai 2018 erstmals in Perger von der dortigen Blaskapelle gespielt, forderte die Musiker wegen der überraschenden Tempiwechsel. Dies meisterten diese aber so gut, dass die Zuschauer die Musik mit begeisterten „Hej“-Rufen begleiteten.

Im Stück „Der charmante Allgäuer“ glänzte Herbert Sterr mit seiner Soloeinlage mit dem Tenorhorn. Für allgemeine Heiterkeit sorgte zwischen den Stücken immer wieder der knifflige Transport des Mikrofons mit dem langen Kabel durch die Reihen der Musiker zum nächsten Kandidaten, der das folgende Stück ansagen sollte.

Äußerst emotional wurde es, als Edmund Huber verabschiedet wurde. Der 74-Jährige, der bei der Kapelle aufhören möchte, bekam langanhalten Applaus und Geschenke von der gesamten Kapelle und den Musikern seines Registers, den Flügelhornisten, wobei sogar einige Tränen flossen.

Sein Kollege, der Flügelhornist Hans Wörz, hatte seinen großen Auftritt bei der Soloeinlage bei „My Dream“ von Peter Leitner und musste eine kleine Zugabe spielen.

Sich noch einmal als Kind zu fühlen, dazu sollte das Stück „Nessaja“ verführen, das zu der Begegnung des Drachen Tabalugas mit der Schildkröte Nessaja, die nie erwachsen werden wollte, geschrieben wurde. Dirigent Stefan Wörz schwärmte zuletzt: „Ihr seid einfach eine geile Truppe von Jung bis Alt und es macht Spaß mit euch zu musizieren!“

Das Stück „Guten Abend, gute Nacht“ hatten sich dabei die Musiker selbst gewünscht, weil aus der traditionell zünftigen Musik nach und nach immer mehr die sanfte Melodie des Abendliedes herausklingt, so wunderschön, wie Klarinettistin Sabine Bogner-Menzel verriet.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren