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Bad Wörishofen

23.02.2021

"Wenn der Gesundheitsminister von der Arbeit kommt, will er nicht nur über Corona reden"

Als Bürgermeister hat Klaus Holetschek Bad Wörishofen zehn Jahre lang geprägt, seine Frau Birgit war drei Jahrzehnte lang fürs Sebastianeum tätig. Beide sind in Bad Wörishofen aufgewachsen und kommen immer gern in die Kneippstadt. Das Foto entstand in Zeiten vor Corona beim Festival der Nationen in Bad Wörishofen.

Plus Birgit Holetschek erzählt vom Alltag mit ihrem Mann, dem Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Die beiden sind seit 31 Jahren verheiratet und haben zwei erwachsene Kinder – und jetzt ein paar ganz neue Herausforderungen.

Frau Holetschek, Ihr Mann Klaus Holetschek ist seit Januar Bayerns Gesundheitsminister. Hat sich Ihr Leben dadurch verändert?

Birgit Holetschek: Eigentlich nicht. Mein Mann ist jetzt auch nicht viel mehr weg als früher und das bin ich schon gewöhnt. Wir haben jung geheiratet mit knapp 22 und knapp 25, er war von Anfang an viel weg, weil er damals in München gearbeitet hat und bereits politisch engagiert war.

Hat Ihr Mann jetzt eine Wohnung in München?

Holetschek: Schon als Abgeordneter konnte er wählen, ob er nur ein Büro oder ein Apartment mit Schlafcouch haben will. Damals hat er das Apartment mit Schlafgelegenheit von Josef Miller übernommen, das nutzt er heute noch. Als Abgeordneter hat er zwei, drei Tage in der Woche in München übernachtet, jetzt sind es schon mal ein, zwei Tage mehr. Am Wochenende kommt er aber normalerweise heim. Schließlich muss er sich hier um seinen Wahlkreis kümmern und Termine wahrnehmen. Sein Wahlkreis und der Kontakt zu den Menschen sind ihm sehr wichtig.

Haben Sie sich über die Politik kennengelernt?

Holetschek: Ja, über die Junge Union. Aber ich habe mein Engagement dann bald zurückgezogen und bin nur noch ein bisschen aktiv in der Frauenunion. Ich finde, es reicht, wenn einer in der ersten Reihe steht. Ich habe meine eigenen Sachen, das hat sich so bewährt in unseren 31 Ehejahren.

Sie haben stattdessen einen „normalen“ Beruf ergriffen.

Holetschek: Ich habe Bürokauffrau gelernt und mich später zur Wirtschaftsfachwirtin weitergebildet. Ich war über 30 Jahre in der Verwaltung des Sebastianeums in Bad Wörishofen tätig.

So ging es nach dem Wegzug aus Bad Wörishofen weiter, wo Birgit und Klaus Holetschek aufgewachsen sind

Es war sicher nicht immer einfach, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, wenn der Mann kaum da ist.

Holetschek: Er war trotzdem immer da, wenn man ihn gebraucht hat. Außerdem hat er 2002 kein zweites Mal für den Bundestag kandidiert, sondern ist nach Bad Wörishofen zurückgekommen, weil es ihm wichtig war, dass er für die Familie greifbar ist. Als er dort Bürgermeister war, hat er zum Beispiel die Kinder morgens mit zur Schule genommen oder war mal zum Mittagessen da. Als junger Abgeordneter ist man sehr viel unterwegs, das war damals eine bewusste Entscheidung für die Familie, damit er wenigstens nachts zu Hause ist. Er wollte unsere beiden Kinder aufwachsen sehen.

Sie sind in Bad Wörishofen geboren und haben dort gelebt, bis Ihr Mann 2013 für den Stimmkreis Memmingen in den Landtag gewählt wurde. Dann ist die ganze Familie nach Memmingen gezogen. Fiel Ihnen das schwer?

Holetschek: Wir haben damals über ein Jahr nach einem Haus gesucht, aber von dem, das wir dann gefunden haben, waren wir alle sofort begeistert. Wir haben uns von Anfang an wohl gefühlt in Memmingen. Ich bin dann lange nach Bad Wörishofen zum Arbeiten gependelt, bis ich im Januar 2020 eine Stelle in Memmingen gefunden habe. Weil ich nie nur zum Schlafen hier sein wollte, bin ich bald in einen Gospelchor gegangen. Dort habe ich sehr sympathische, herzliche und liebenswerte Menschen gefunden, mit denen auch Freundschaften entstanden sind. Der Chor fehlt mir gerade sehr.

Seit gut einem Jahr sind Sie Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus Memmingen. Wie kamen Sie dazu?

Holetschek: Ich wollte mich dort eigentlich nur ehrenamtlich engagieren beim Onlineangebot für Senioren. Ich bin fit in IT und der Umgang mit Senioren ist mir auch nicht fremd. Das Angebot für eine feste Stelle kam dann ziemlich schnell.

"Wir haben mit unseren Kindern sicher mehr über Politik diskutiert, als an anderen Esstischen üblich", sagt Birgit Holetschek über den Alltag mit Klaus Holetschek

Suchen Sie auch mal mit ihrem Mann nach Lösungen?

Holetschek: Ich will mich da nicht einmischen und wenn er heimkommt, will er nicht weiter Politik machen. Natürlich sind wir ein politisches Haus und wir haben mit unseren Kindern sicher mehr über Politik diskutiert als an anderen Esstischen üblich. Aber wenn der Gesundheitsminister von der Arbeit kommt, will er nicht nur über Corona reden.

Aber gerade jetzt hat er doch mit einer Krise zu tun, die jeden von uns betrifft.

Holetschek: Er fragt schon mal, wie ich ihn zum Beispiel bei Interviews fand. Aber meist habe ich nicht viel zu kritisieren, sondern finde Inhalt und Auftreten von ihm sehr gut. Besonders, dass es ihm vom Bürgermeister über den Bürgerbeauftragten bis zum Staatssekretär und Staatsminister immer um die Menschen und ihre Sorgen ging und er sich kümmern will, schätze ich an ihm. Ich selbst sehe mich nicht als gute Rednerin, mochte auch schon in der Schule die logischen Fächer wie Mathematik, Informatik – eben die MINT-Fächer – viel lieber. Ich bin daheim für Technik und Handwerk zuständig, so ergänzt jeder den anderen.

Trotzdem hat ja nicht nur Ihr Mann mit Corona zu tun, wie gehen Sie als Familie damit um?

Holetschek: Unser Sohn studiert in Wien, es war für mich schlimm, dass ich ihn monatelang nicht sehen konnte. Wenigstens war er an Weihnachten da – natürlich getestet und mit Maske. Wir machen jetzt häufig Videocalls mit der ganzen Familie. Unsere Tochter lebt in München, sie hat gerade ihren Master gemacht und die erste Stelle angefangen. Diese Videotelefonate sind sehr schön und ein Stück Normalität in dieser seltsamen Zeit, in der man kaum jemanden sehen darf. So ist die Familie noch mehr zusammengewachsen.

Können Sie überhaupt noch Verabredungen treffen, ohne sie mit dem Büro Ihres Mannes abzustimmen?

Holetschek: Das wäre vielleicht anders ohne Corona, bis jetzt ist das kein Problem. Ich konnte im Lockdown ja noch gar nicht ausprobieren, ob es funktioniert, wenn ich ihn anrufe und sage, ich habe Kinokarten für Donnerstag, kannst du kommen. Aber weil aktuell alle Festivitäten, Versammlungen und so weiter ausfallen, kann ich die Samstagabende ohne große Absprache verplanen und zum Beispiel eine Videokonferenz mit Freunden ausmachen.

Was machen Sie sonst gern zusammen?

Holetschek: Spazierengehen, Nordic Walking oder Radeln. Wir kochen auch sehr gern zusammen, das hat Klaus schon in seiner Studenten-WG angefangen.

Es gab Höhen und Tiefen im Politikerleben von Klaus Holetschek. Wie trägt man das als Frau mit?

Holetschek: Die Nähe ist wichtig, dass man nah dranbleibt, egal ob man darüber redet oder nicht. Wenn er reden will, hört man zu, wenn nicht, bohrt man auch nicht nach. Da sein, loyal sein und zueinander halten ist in schwierigen Zeiten das Wichtigste.

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