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Interview

17.10.2017

Wenn der „Killer-Asteroid“ auf die Erde zurast

Dr. Thomas Müller vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik.

Experte Thomas Müller über mögliche und tatsächliche Gefahren aus dem All

Mit 14 Kilometern pro Sekunde raste der hausgroße Asteroid „2012 TC4“ kürzlich durch den Weltraum und für dortige Verhältnisse nur knapp über unsere Köpfe hinweg. Welche Gefahren drohen von großen und kleinen Himmelskörpern den Menschen auf der Erde, wollte MZ-Mitarbeiter Franz Issing von Dr. Thomas Müller vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching wissen. Der promovierte Astronom beeindruckte bei den ersten Türkheimer Wissenschaftstagen mit einem sachkundigen Vortrag.

Herr Müller, was kann passieren, wenn ein Asteroid in die Erdatmosphäre eindringt?

Je nach Beschaffenheit, Größe und Eintrittswinkel des ankommenden Asteroiden können sich unterschiedliche Szenarien abspielen. Kleinere Brocken werden in Erdnähe zerrissen und verglühen. Objekte von mehreren Metern Größe werden von der Atmosphäre abgebremst, zerbersten dabei und erreichen im freien Fall die Erdoberfläche. Man schätzt, dass ein Asteroid ab etwa 100 Metern Größe die Atmosphäre ungebremst durchquert und zur Kraterbildung führt.

Wie groß muss so ein Kleinkörper des Sonnensystems sein, um zur Bedrohung für die Erde zu werden?

Ein Kleinplanet mit etwa 100 Metern Durchmesser würde einen Krater von 1 bis 2 Kilometer Durchmesser mit lokalen Schäden in der Umgebung verursachen. Ab 300 Meter Größe drohen dann schon regionale Katastrophen beziehungsweise Tsunamis. Ein Ein-Kilometer-Objekt hätte globale Auswirkungen, zehn Kilometer könnten das Aus für die Zivilisation bedeuten.

Kann auch ein unentdeckter Asteroid die Erde wie aus heiterem Himmel treffen?

Nicht alle potenziell gefährlichen Asteroiden sind bekannt. Vor allem Kleinplaneten, die aus dem inneren Sonnensystem stammen, sind nur schwer auszumachen, da sie sich sehr nahe an der Sonne befinden. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario ist sehr gering, aber nicht auszuschließen.

Welche Schäden könnte so ein außerirdischer Himmelskörper bei Kollision mit der Erde anrichten?

Zwischen „Ende der Zivilisation“ bis hin zu „wunderschönen Sternenschnuppen“ ist eine große Bandbreite an Schäden denkbar. So zum Beispiel Kraterbildung, Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis. Auch bei kleineren Körpern sind größere Schäden möglich. Schäden durch Detonation, fallendes Asteroidenmaterial oder an Satelliten durch Millimeter große Staubkörner.

Gibt es Möglichkeiten einen „Killerastrioden“ abzuwehren, ihn umzulenken beziehungsweise Schutzmaßnahmen zu ergreifen, die eine Katastrophe verhindern?

Abwehrmaßnahmen sind denkbar, würden aber viel Geld kosten und eine lange Vorlaufzeit benötigen. Die meisten Weltraumagenturen denken inzwischen über Abwehrstrategien nach, während sich Wissenschaftler eher um Entdeckung, Charakterisierung und Bahnberechnung der, im astronomischen Sinne, kleinen Körper kümmern.

Gibt es denn eines Tages ein Wiedersehen mit Asteroid „2012 TC4“, der kürzlich nur knapp an der Erde vorbeiraste?

Die Bahn von 2012 TC4 verändert sich bei nahen Vorbeiflügen an Planeten zum Teil sehr stark. Langzeitvorhersagen sind deshalb nicht immer leicht. Mit diesem Asteroiden wird es im Oktober 2050 und dann wieder im November 2079 (in 4,5 beziehungsweise fünf Mondabständen) ein Wiedersehen geben, das nur mit großen Teleskopen auszumachen ist.

Können Wissenschaftler den Kurs eines Asteroiden exakt berechnen?

Jein. Für eine genaue Berechnung müssen alle gravitativen Wechselwirkungen mit den nahen, anderen Planeten und kleinen Himmelskörpern berücksichtigt werden. Das funktioniert extrem gut bei den meisten (größeren) Objekten. Für Asteroiden unter zehn Kilometer Umfang spielen aber auch nicht gravitative Kräfte eine besonders wichtige Rolle.

Dazu muss man dann aber auch die Objekteigenschaften, wie Größe, Form, Oberflächenbeschaffenheit, Rotationsverhalten wie auch thermische Eigenschaften präzise kennen. Und auch dann sind diese Kräfte nur annähernd berechenbar.

Interview: Franz Issing

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