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Dirlewang

04.10.2019

Wenn kleine Pilze große Freude bereiten

Wunderschön, aber giftig: Die giftigen Fliegenpilze sind mit ihrem roten Hut und den weißen Tupfen die Kinderbuchstars.
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Wunderschön, aber giftig: Die giftigen Fliegenpilze sind mit ihrem roten Hut und den weißen Tupfen die Kinderbuchstars.

Zwei Familien gehen im Wald bei Dirlewang auf Schwammerlsuche - und geben ein paar Tipps.

Fliegenpilze sind die heimlichen Stars in jedem Kinderbuch und doch ist diese Pilzart giftig. Mit seinem roten Hut und den weißen Punkten ist der Pilz nur fürs Auge ein Genuss und sollte nicht gegessen werden. Eine halluzinogene Wirkung wird ihm nachgesagt und der Verzehr führt zu Rauschzuständen. Echte Pilzkenner wissen, auf was sie achten müssen. Und Laien sollten mit Vorsicht durch den Wald gehen und nicht wahllos alles pflücken und ins Körbchen legen.

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Andreas Honner, Stadtgärtnermeister von Bad Wörishofen, ist zwar kein Pilzexperte, erkennt aber doch einige wichtige Merkmale der kleinen Waldbewohner. Wenn es die Zeit zulässt, geht er mit seiner Frau Gabi gerne in den Wald, manchmal werden sie von Waltraud Martin und ihren Enkelkindern Korbinian und Matilda begleitet, wie an diesem frühen Morgen. „Andreas und Gabi haben mir mal ein Pilzbuch geschenkt, das sie selbst gebastelt haben“, erzählt Waltraud Martin, während ihre beiden Enkelkinder schon im Wald verschwunden sind und ihrem Sammelfieber nachgehen. Die jahrzehntelange Freundschaft zwischen den beiden Familien habe die Wallenriederin zum Pilzesammeln gebracht. „Ich bin aber schon vorsichtig und lasse die gesammelten Pilze immer bestimmen. Nur wenn es grünes Licht zum Verzehr gibt, werden sie weiterverarbeitet.“

Der Gallenröhrling kann eine ganze Pilzmahlzeit verderben, weiß der Dirlewanger

Denn einige Giftpilze sehen Speisepilzen zum Verwechseln ähnlich. Auch der Gallenröhrling könnte ein Bruder des essbaren Steinpilzes sein, nur ist er ungenießbar. „Da reicht ein kleiner Pilz und das ganze Essen ist verdorben“, erklärt Andreas Honner. Pilzbestimmung für Fremde würde der Dirlewanger allerdings nie machen. „Wir sammeln nur Schwammerl, ein richtiger Pilzexperte bin ich nicht und da gehe ich kein Risiko ein“, sagt er. Für solche Fälle gibt es im Landkreis Pilzberater wie Dr. Manfred Fischer, die die unterschiedlichen Pilzarten in der Heimat sofort erkennen.

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Schon als junger Bursche war Andreas Honner viel in der Natur unterwegs. Sein Opa und sein Vater, die beide den Namen Alois tragen, waren oft mit ihm im Wald. Sein Opa war damals als Gemeindearbeiter in den umliegenden Wäldern beschäftigt und wusste viele gute Sammelstellen. „Seit ich denken kann, bin ich im Wald auf Pilzsuche“, erzählt Honner und fügt schmunzelnd hinzu: „Meine Oma hat mich mal mit einem großen Leiterwagen und zwei Körben zum angeblichen Pilzsuchen in den Wald gelockt. Am Ende haben wir Fichtenzapfen gesammelt. Von Pilzen fehlte jede Spur. Ich bin mit ihr nie wieder zum Pilzesammeln gegangen.“

Die geheimen Fundorte preiszugeben, gilt unter eingefleischten Pilzesammlern als Hochverrat und bleibt ein großes Geheimnis. Um möglichst viele kleine Waldschätze zu finden, sollte man schon frühmorgens losziehen. Bei der Menge gibt es eine Gewichtsgrenze: „Pro Person dürfen 500 Gramm mit nach Hause genommen werden“, erzählt Honner.

Oft treten die Pilze in kleinen Herden auf

Durchs Dickicht zu streifen, über Baumwurzeln zu steigen und auch mal auf allen Vieren unter Bäume zu kriechen, gehört beim Pilzesammeln dazu. „Besonders wichtig ist aber Achtsamkeit.“ Immerhin sollte kein Pilz versehentlich zertreten werden.

Korbinian und Matilda macht das Suchen sichtlich Spaß und innerhalb kurzer Zeit sind die Körbe gut gefüllt. Korbinian saugt das Wissen von Andreas Honner förmlich auf und bleibt ihm dicht auf den Fersen. Und als sein Opa Anton eine Pilzfrage stellt, wird er vom Siebenjährigen schon fast fachmännisch beraten.

Die Temperatur und Feuchtigkeit sind wichtige Faktoren für gutes Pilzwachstum und oft treten Pilze in kleinen Herden auf. „Wenn man einen Steinpilz findet, ist meist nicht weit entfernt, der Nächste.“ Zwei Methoden gibt es, wie man die Pilze mit nach Hause nehmen sollte: Entweder mit einem scharfen Messer abschneiden oder vorsichtig aus dem Waldboden drehen und das Loch verschließen. „Mir ist zur Pilzerkennung der Boden wichtig und auch das Ende des Stiels. Wenn unten eine Knolle ist oder die Stiele dick und rot sind, ist Vorsicht geboten“, so Honner.

Mit einer kleinen Bürste oder einem feuchten Tuch werden die Pilze gereinigt

Nach einer guten halben Stunde sind die fünf Körbe der fleißigen Sammler mit Schwammerln gefüllt und die Heimreise kann angetreten werden. Zu Hause geht die Arbeit dann natürlich weiter. Mit einer kleinen Bürste oder einem feuchten Tuch werden die Findlinge geputzt und einige Stellen mit einem Messer abgeschält. Die Pilze sollten baldmöglichst gegessen werden, sonst verderben sie sich gegenseitig. „Der größte Feind des Pilzes, ist der Pilz“, sagt Andreas Honner während er den Schwamm unter dem Pilzhut vorsichtig entfernt. „Das müsste man nicht machen, aber ich möchte einen Wurmbefall ausschließen“, erklärt er anschließend. Da seine Frau Gabi zwar gerne sammelt, aber Pilze nicht verträgt und die Kinder größtenteils schon ausgezogen sind, werden die übrigen Pilze eingefroren. „Ich habe das Gefrierfach schon begrenzt“, sagt Gabi mit einem Lächeln im Gesicht.

Bei Waltraud Martin wird diesmal auch etwas Neues getestet. „Ich habe zufällig gestern im Fernsehen gesehen, wie man Pilzbutter zubereitet. Das werde ich jetzt auch ausprobieren.“

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