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Unterallgäu

23.04.2019

Wer will Unterallgäuer Landrat werden?

Landrat Hans-Joachim Weirather will nicht mehr für eine dritte Amtszeit kandidieren. „Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, dass sie nicht ersetzbar wären.“

Plus Nachdem Landrat Weirather nicht weiter machen will, strecken die Parteien ihre Fühler nach Nachfolgern aus. Ein paar Entscheidungen stehen schon fest.

Hans-Joachim Weirather hat am 15. April letzte Zweifel aus dem Weg geräumt: Das Unterallgäu bekommt nächstes Jahr einen neuen Landrat. Nach 14 Jahren im Amt wird sich der Freie Wähler 2020 nicht um eine weitere Wahlperiode bewerben. In den Parteien hat die Suche nach möglichen geeigneten Nachfolgern begonnen.

Klar ist bisher nur eines: Die CSU wird mit einem eigenen Kandidaten oder einer Kandidatin ins Rennen gehen. Das sagte der CSU-Kreisvorsitzende und Staatsminister a.D. Franz Josef Pschierer. Dazu wurde eine Findungskommission aus sieben Personen gebildet, die alle der CSU-Kreisvorstandschaft angehören.

Die CSU Unterallgäu streckt ihre Fühler nach geeigneten Kandidaten für die Weirather-Nachfolge aus

Dieses Gremium will sich unmittelbar nach der Europawahl zusammensetzen, die am 26. Mai stattfindet. Die Gruppe will dann die Fühler in Richtung möglicher Kandidatinnen oder Kandidaten ausstrecken. Ein erstes Treffen hat bereits stattgefunden, sagte Pschierer. Zunächst soll ausgelotet werden, ob sich jemand aus der Kreistagsfraktion das Amt zutraut oder ob einer der Bürgermeister der CSU Ambitionen hegt. Keine Option ist Marita Kaiser, die 2014 für die CSU angetreen war und gegen Weirather ein achtbares Ergebnis erzielt hat.

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Lange Zeit galt der Mindelheimer Bürgermeister Stephan Winter als heißer Kandidat für die Nachfolge und wurde als Vizelandrat aufgebaut. Er hat sich aber schon vor der öffentlichen Erklärung von Weirather selbst aus den Rennen genommen. Winter will Bürgermeister von Mindelheim bleiben. Pschierer sprach von einer persönlichen Entscheidung. Und er ließ anklingen, dass der Mindelheimer Bürgermeister auf jeden Fall jemand gewesen wäre, der ein guter Landrat hätte werden können. Pschierer sagte aber auch, dass er vielleicht ähnlich entschieden hätte. In Mindelheim habe Winter sehr erfolgreiche Arbeit geleistet.

Pschierer und Holetschek hegen keine Ambitionen

Pschierer selbst steht nicht zur Verfügung. „Es wäre sehr außergewöhnlich, wenn sich ein ehemaliger Staatsminister um das Amt eines Landrats bewerben würde“, sagte Pschierer. Er fühlt sich im Landtag wohl und freut sich, dass er jetzt mehr Zeit hat, seinen Stimmkreis zu bearbeiten. Als bayerischer Wirtschaftsminister war das nicht immer so möglich, wie er sich das gewünscht hätte. Auch Klaus Holetschek, Abgeordneter aus Memmingen, hat bereits erklärt, dass er nicht Landrat werden will. Gegen Weirather war er 2006 angetreten.

Bei den Freien Wählern will sich der Kreisvorstand am Donnerstag, 24. April, mit der neuen Lage beschäftigen. Vor einer eindeutigen Erklärung durch Weirather bestand dazu auch keine Veranlassung, sagte der Kreisvorsitzende Stefan Drexel. Dass Weirather aufhört, „kann ich menschlich zu 100 Prozent nachvollziehen“, so Drexel. Das Amt sei kräftezehrend. Man sei immer Landrat, auch an den Wochenenden. Eng in die Kandidatensuche eingebunden bei den Freien Wählern sind neben Drexel Sigrid Kern, Josef Steidele, Ilona Keller, Reinhold Bässler, Wolfgang Gerum und German Fries.

Bei der SPD werden am Donnerstag, 25. Mai, erste Weichen gestellt. Die Vorstandschaft des Unterbezirks trifft sich an dem Abend. Dort soll erörtert werden, wie sich die SPD positioniert, sagte Kreisrat Michael Helfert aus Türkheim. Vor fünf Jahren hatte die SPD auf einen eigenen Kandidaten verzichtet. Mit Weirather habe es große Übereinstimmung in Sachfragen gegeben. Denkbar sei, auch auf Grüne, ÖDP und Freie Wähler zuzugegen, um einen gemeinsamen Kandidaten zu finden. Derzeit sieht Helfert regional niemanden, der sich aufdrängt. Überhaupt scheint es schwierig zu werden, Bewerber zu finden, die bereit sind, ein so zeitaufwändiges Amt zu übernehmen.

In jüngster Zeit gab es mehrere angekündigte Rückzüge. Die Nürnberger und Augsburger Oberbürgermeister Maly und Gribl wollen nicht weiter machen. Der CSU-Kreisvorsitzende Pschierer sagte, heute gebe es eine andere Vorstellung von „work-life- balance“ als noch zu Zeiten von Hermann Haisch, der als Landrat keinen Feierabend kannte.

Aber es geht nicht allein um den Posten des Landrats. Auch auf Gemeindeebene sei es zunehmend schwierig, gute Kandidaten für die Aufgaben als Bürgermeister zu finden, heißt es bei allen Parteien. Die Anspruchshaltung der Bürger sei stark gewachsen, sagt Pschierer. Wegen „jeder Kleinigkeit“ werde ein Bürgerbegehren angestrengt. Auch für die Gemeinderäte und den Kreistag werde es immer schwieriger, Bewerber zu finden.

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