Newsticker
Impfstoff von AstraZeneca wirkt Berichten zufolge bei Senioren kaum
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Wie regional ist das Schulessen in Mindelheim?

Mindelheim

14.12.2020

Wie regional ist das Schulessen in Mindelheim?

7
Bild: Roland Weihrauch/Archiv- und Symbolbild (dpa)

Plus Mindelheim musste europaweit im Gesamtpaket für alle städtischen Kitas sowie Grund- und Mittelschule ausschreiben. Dabei kam ein regionaler Lieferant nicht mehr zum Zug.

Der Frust bei den Bauern war groß, als das Bienenvolksbegehren in Bayern erfolgreich war, was für die Landwirte weitere Einschränkungen ihrer Arbeit bedeutete. Die Staatsregierung versuchte mit dem „Versöhnungsgesetz“ die Wogen wieder zu glätten. Einer der Punkte war, dass staatliche Kantinen künftig mehr ökologische Lebensmittel aus Bayern beziehen und auch mehr auf regionale Produkte gesetzt wird. Vor diesem Hintergrund hat Stefan Häfele nun öffentlich gemacht, dass er als regionaler Lieferant von Milch und Joghurt für die Mittagsbetreuung der Mittelschule Mindelheim nicht mehr zum Zug kommt. Im Netz entzündete sich rasch ein Sturm der Empörung.

Der Zuschlag ging an einen Mindelheimer Betrieb

Wie berichtet, hat die Stadt die Mittagsverpflegung für die städtischen Kindertagesstätten und die städtischen Schulen (Grund- und Mittelschule) neu ausschreiben müssen. Dem Stadtrat war dabei besonders wichtig, die Ausschreibungsunterlagen so zu fassen, dass möglichst regionale Anbieter die Chance auf den Zuschlag bekommen, teilte Sprecherin Julia Beck mit.

Dabei wurde auch festgelegt, dass mindestens 20 Prozent der verwendeten Lebensmittel regional bezogen werden müssen und jeweils 20 Prozent der Produkte aus biologischem Anbau stammen müssen. Bei den Stadträten war daher die Freude groß, dass eine Mindelheimer Küche den Zuschlag für die Erstellung von rund 51.000 Mahlzeiten pro Jahr erhalten hat.

Ein Auftrag muss europaweit ausgeschrieben werden, wenn er einen Wert von über 214.000 Euro auf vier Jahre gerechnet umfasst. Da dieser Wert bei weitem überschritten wurde, war Mindelheim erstmals verpflichtet, europaweit auszuschreiben. „Hier lässt der Gesetzgeber leider keinen Spielraum. Es ist nicht zulässig, einzelne Komponenten auszuschreiben. Die Verpflegung muss im Gesamten ausgeschrieben werden“, so die Stadt. Daran hat auch das Versöhnungsgesetz nichts geändert.

Den Zuschlag hat ein Mindelheimer Catering-Service erhalten, der auch das Seniorenzentrum St. Georg mit Essen versorgt. Die Kosten für die Mittagsverpflegung sind in den vergangenen Jahren der Preissteigerung folgend gestiegen. Somit haben sich auch jetzt die Preise erhöht, die an den Lieferanten zu zahlen sind.

Die gestiegenen Kosten werden nicht komplett an die Eltern weiter gegeben

Der Stadtrat hat allerdings beschlossen, nicht die vollen Kosten an die Eltern weiter zu geben, sodass diese Preise nach der letztmaligen Anpassung im Jahr 2017 nur moderat angestiegen sind. Die Eltern zahlen für ein Mittagessen in den Kindertagesstätten statt bisher 3,50 Euro pro Mahlzeit nunmehr 3,70 €. In den Schulen erhöht sich der Preis von bisher 3,50 Euro in der Grundschule und 3,70 Euro und in der Mittelschule auf nunmehr einheitlich 4,20 Euro pro Mahlzeit.

Der Vertrag läuft über zwei Jahre mit der Option auf Verlängerung um weitere zwei Jahre. Die Summe wurde in nichtöffentlicher Sitzung behandelt. Die Stadt betont, allen rechtlich zulässigen Spielraum genutzt zu haben, um vorrangig regionale Anbieter zu berücksichtigen. „Es gelten Vorgaben, die den Zeitabstand zwischen Produktion und Anlieferung an Kita beziehungsweise Schule auf 120 Minuten limitieren. Dies führt dazu, dass Anbieter, die ihren Sitz weiter entfernt haben, automatisch ausgeschlossen werden“.

Die Stadt habe mit der Vergabe ein Zeichen zur Unterstützung regionaler Landwirte gesetzt. Aus diesem Grund wurde festgelegt, dass jeweils 20 Prozent der Produkte aus biologischem Anbau stammen müssen. Weitere 20 Prozent der verwerteten Lebensmittel werden regional bezogen. Außerdem hat die Stadt veranlasst, dass es sich bei 30 Prozent der Lebensmittel um saisonale Produkte handeln muss. Der Caterer wurde gebeten, vorrangig Produkte aus der heimischen Landwirtschaft zu beziehen.

Ein Fall für die neue AG "Pro Landwirtschaft Unterallgäu"

Der Stimmkreisabgeordnete und Staatsminister a. D. Franz Josef Pschierer (CSU) sieht in dem Fall ein Thema für die neu gegründete Arbeitsgemeinschaft Pro Landwirtschaft Unterallgäu. Auch in der CSU-Kreistagsfraktion und gegenüber der Stadt will Pschierer sich für die heimischen Lieferanten stark machen. Pschierer ruft aber auch die Verbraucher zum Umdenken auf. „Sie können mit ihrem Kaufverhalten viel schneller und flexibler reagieren als die Politik“.

Häfele wiederum stellte im Nachgang klar, dass es ihm nicht um zehn bis 15 Kilogramm Joghurt gehe, die er pro Woche geliefert hat. Er erkennt an, dass die Stadt europaweit ausschreiben musste und sie bei der Ausschreibung auf Regionalität wert gelegt. Er findet aber generell, dass die Preise für Mittagessen in öffentlichen Küchen viel zu gering sind, als dass Tierschutz- und Umweltanforderungen, die Landwirte erfüllen müssen, erfüllt werden können.

Lesen Sie auch: Schließung der Landwirtschafsschule: Lasst Argumente zählen!

Nur die BSE-Zeit war für Bauern ähnlich schlimm

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren