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Türkheim

21.10.2019

Wie sah es im Unterallgäu vor 8.000 Jahren aus?

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Etwa 30 Teilnehmer trafen sich bei schönstem Herbstwetter an der Brücke über die Wertach in Türkheim. Zu Fuß ging es dann Richtung Amberg.

Bei einer Exkursion zum Alm von Amberg wird im Rahmen der Türkheimer Wissenschaftstage Erdgeschichte sichtbar.

Nein, es ist kein Schreibfehler, es heißt tatsächlich: „der Alm“. Alm ist ein geologischer Fachbegriff und bezeichnet feinkörnige, grauweiße Kalkablagerungen in tieferen Bodenschichten. Bei Amberg liegen diese Schichten direkt unter der Grasnarbe. Dieser Alm war das Ziel einer halbtägigen Exkursion im Rahmen der Türkheimer Wissenschaftstage, veranstaltet vom Förderkreis Türkheim.

Wahrscheinlich fast alle der 30 Teilnehmer, die zu Fuß und flott durch die Felder zwischen Türkheim und Amberg unterwegs waren, hatten noch nie etwas vom „Amberger Alm“ gehört. Dominic Hildebrandt (21) lebt in Türkheim und studiert Geowissenschaften an der TU und LMU München. Der „Alm von Amberg“ ist das Thema seiner Bachelor-Arbeit. Ihn freut es besonders, dass sein Studienobjekt in der Gegend verortet ist, aus der er selbst stammt. Während der Exkursion erläuterte er seinen Zuhörern gut verständlich die Topografie des heimischen Bodens und dessen Entstehung im Laufe der Erdgeschichte. Dabei gehe es nicht nur um die Historie. Dominic Hildebrandt legte Wert auf die Bedeutung der Geologie für die heutige Zeit, beim Bau von Straßen, Tunnels und Brücken und für Berechnungen von Erdbeben-Gefahren.

Die Teilnehmer der Exkursion waren von den Alm-Proben aus Amberg beeindruckt

Die räumliche Gestaltung unseres Gebiets entstand demnach durch mehrmaliges Vordringen und auch wieder Zurückweichen der eiszeitlichen Gletscher. Deshalb liegen an manchen Stellen frühere Schichten als die der letzten Würm-Eiszeit frei. Eine solche Schicht ist die Alm-Ablagerung. Dominic Hildebrandt hatte Proben davon mitgebracht und ließ sie durchgehen. Die Exkursionsteilnehmer waren sehr beeindruckt, etwas in der Hand zu halten, das mindestens 6000 Jahre alt war. In Amberg bei Straßenarbeiten an einer Böschung sei vor Kurzem ein ganzes Alm-Band freigelegt worden, erzählte Dominic Hildebrandt. Dabei habe er auch Proben entnehmen können, in denen kurze, hohle Schilfstängel eingeschlossen waren. „Meine große Aufgabe wird es sein, das Alter dieser Funde zu bestimmen.“

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Alle Teilnehmer durften noch bei einer Probebohrung in einem abgeernteten Maisfeld zuschauen. Wider Erwarten fand sie mit einfachster Mechanik und Muskelkraft statt. Schon nach 30 Zentimetern kam der helle, sehr feinkörnige Alm zum Vorschein. Die Bohrung ging weiter bis in sechs Meter Tiefe. Der Alm wechselte dabei seine Farbe und Konsistenz. Je tiefer es ging, desto klumpiger und grauer wurde er. In den tieferen Proben waren auch schmale Schichten von dunklem Torf zu sehen. Dominic Hildebrandt demonstrierte, wie man den Kalkgehalt sichtbar machen kann, indem man Salzsäure auf den Alm tropft, der dann mit Schaum reagiert.

Früher wurde der Alm aus Amberg auch als Fegsand und Putzmittel verkauft

Exkursionsteilnehmer Reinhard Kral (63) aus Türkheim hat den Ausführungen des Studenten mit großem Interesse zugehört. „Das ist alles neu für mich. Es war sehr informativ“, sagte er. Ein anderer Teilnehmer aus Amberg konnte sich an eine Zeit erinnern, als „Fegsand“ in Amberg als Kalk-Düngemittel gewonnen und verkauft wurde. „Das war aber nicht sehr erfolgreich, weil es keinen Nutzen hatte“, sagte er. „Fegsand“ ist eine weitere Bezeichnung für den Alm, der damals übrigens auch als Putzmittel verkauft wurde. Man war erfinderisch im Allgäu, auch wenn man damit keinen dauerhaften Erfolg hatte.

Ein Erfolg hingegen war diese Exkursion mit Sicherheit, hatte sie doch gezeigt, dass das Unbekannte und Interessante direkt vor der Haustür liegen kann. Manfred Schweigert, Vorstand des Förderkreises Türkheim, appellierte zum Schluss an alle: Um die Türkheimer Wissenschaftstage mit ihren vielen Veranstaltungen weiterhin zu ermöglichen, brauche es auch in Zukunft Unterstützung, als neues Mitglied im Förderkreis und durch Spenden.

Was bei den Türkheimer Wissenschaftstagen noch geboten war, lesen Sie hier:

Wissenschaft zum Anfassen in Türkheim

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