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Bad Wörishofen

30.07.2020

Woher das Pflegerhaus den Namen hat

Das stattliche „Pfleger-Anwesen“ ist noch heute markanter Blickpunkt an der Hauptstraße gegenüber der Pfarrkirche von St. Justina.
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Das stattliche „Pfleger-Anwesen“ ist noch heute markanter Blickpunkt an der Hauptstraße gegenüber der Pfarrkirche von St. Justina.

Plus Bad Wörishofer Stammgeschlechter: Die Vögele-Familie ist in Wörishofen seit 1494 nachgewiesen

Wenn über die Geschichte von Wörishofen berichtet wird, dann steht meist die Zeit um und nach Pfarrer Sebastian Kneipp im Mittelpunkt. Im Dorf Wörishofen davor waren es jedoch alteingesessene Bauerngeschlechter, die in dieser Zeit das Leben hier maßgeblich gestalteten und deren Nachfahren noch heute hier zu finden sind. Namen wie Scharpf, Vögele, Trommer, Filser oder Linder, sind deshalb in der heutigen Bevölkerung noch besonders häufig vertreten. Dass es zwischen ihnen auch Querverbindungen gibt, erscheint durchaus verständlich. Festgehalten sind diese Geschlechter nicht zuletzt auch in den noch heute zuweilen verwendeten Hausnamen ihrer früheren Höfe. Geberlebauer, der Pfleger, Meierbauer, Adamerbauer, Gallenbauer, Doldenhauser oder Mangamicheler sind älteren Kneippstädtern schon noch Begriffe, die sie kennen. Einige dieser „Stammgeschlechter“ wollen wir in einer kleinen Serie hier vorstellen.

Das Pflegerhaus in Bad Wörishofen ist direkt mit der Familie Vögele verbunden

Wenn in Bad Wörishofen die Rede vom Pflegerhaus ist, dann wissen eigentlich die meisten, dass damit das markante Gebäude gegenüber der Pfarrkirche von St. Justina gemeint ist. Direkt verbunden ist es mit dem Namen Vögele, denn dieses Wörishofer Stammgeschlecht bewohnt den „Pfleger“ seit 1803.

Der „Adamerbauer“ Rasso Vögele entschloss sich in diesem Jahr zum Erwerb des Pflegerhauses und zog mit seinem jüngsten Sohn dort ein, nachdem er seinen Adamer-Hof an den älteren Sohn übergeben hatte. Erbaut wurde das Haus allerdings bereits im Zusammenhang mit dem Klosterbau von 1719 bis 1723. Die Familienchronik der Vögeles bewahrt jetzt Nachfahre und Stadtrat Thomas Vögele sorgfältig auf. Er stand auch als Gesprächspartner für diese Geschichte gerne bereit.

Was aber hat es mit dem Begriff „Pfleger“ auf sich? Bis zum genannten Klosterbau vertrat ein „Amtmann“ die Interessen des Katharinenklosters in Augsburg, zu dem große Teile Wörishofens damals gehörten. Dieser wohnte im Nebengebäude das damaligen „Schlössle“ an der Hauptstraße. Die Ordensfrauen von St. Katharina und der damalige Amtmann schienen sich, so steht es in einem früheren Artikel der MZ von Helga Acker, nicht gut vertragen zu haben.

Deshalb ordnete die Herrschaft den Bau eines neuen „Pflegerhauses“ an der Hauptstraße 32 an. Es war 1718 fertiggestellt und erhielt zwar einige Privilegien, doch ob der Pfleger, der Name dürfte auch für den Begriff „Amtmann“ stehen, die Funktion des vorherigen Amtmannes ausfüllen durfte, ist nicht sicher nachgewiesen.

Gut 80 Jahre residierte der Pfleger oder Amtmann jedoch noch in der Hauptstraße 32. Ein für Wörishofens Geschichte einschneidendes Ereignis betraf jedoch 1767 den Hof. Beim großen Brand gingen sehr viele wichtige Akten der Wörishofer Historie für immer verloren. Endgültig vorbei mit dem „Pfleger“ war es im Jahre 1802 mit der Säkularisation und der damit verbundenen Auflösung der Klosterherrschaft in Wörishofen.

Die Geschichte der Familie Vögele aus Bad Wörishofen reicht zurück bis ins Jahr 1494

Viel weiter zurück reicht jedoch die Geschichte der Familie Vögele in Wörishofen, nämlich bis ins Jahr 1494. Sie dürfte damit zu den ältesten Geschlechtern hier überhaupt gehören.

In diesem Jahr ist erstmals im Vögele-Stammbaum ein Hans Vegelin erwähnt, Ihm folgt darin ein Thoman Vögelin etwa 50 Jahre später und ein weiterer Thoman Vögelin als Bauer im Jahre 1631, also während des 30-jährigen Krieges. Unmittelbar danach, 1649, ist ein Adam Vögele, im Stammbaum als „Adamer“ genannt, was wohl den Stammsitz beim Adamerbauern bestätigt.

Dieser wurde auch noch weiterhin bis zur Aufteilung im 20. Jahrhundert von der Vögele-Familie bewirtschaftet, auch als der o.g. Rasso den Pflegerhof übernahm. Seine Nachfahren bauten die ehemalige „Söld“ wieder zu einem stattlichen Anwesen aus.

Die Taufurkunde von Michael Vögele vom 10.11.1857 trägt bereits die Unterschrift von Sebastian Kneipp, obwohl dieser erst zwei Jahre davor im Kloster Einzug gehalten hatte und anscheinend dem Pfarrer Johann Schilling schon zur Hand ging.

Eine für Wörishofen bedeutende Persönlichkeit aus der Familie war Lehrerin Maria Vögele (1893-1974). Sie war eine akribische Forscherin für die Wörishofer Geschichte in der Zeit vor Sebastian Kneipp. Festgehalten sind ihre Erkenntnisse in dem Buch „1067 – 1967, 900 Jahre Wörishofen“, das damals anlässlich dieses Jubiläums unter der Federführung von Ludwig Burghardt erschienen ist. Ihr Kapitel darin „Die Grundherrschaft Wörishofen“ gibt viele interessante und spannende Einblicke in die Wörishofer Frühgeschichte.

Der Vorname Thomas, im Stammbaum schon ganz am Anfang als „Thoman“ verewigt, wiederholt sich bei den Vögeles kontinuierlich. So erhielten nämlich auch der Großvater und der Vater des jetzigen Erben diesen Namen. Der Großvater heiratete eine Maria Mayer und stellte damit eine verwandtschaftliche Verbindung zu einer anderen Wörishofer Stammfamilie an der Hauptstraße her.

Dass es dazu weitere Verbindungen in der Stadt gibt, versteht sich durchaus fast von selbst. Zu ihnen gehört auch Michael Vögele, der sich im TSV Bad Wörishofen als Turnwart über viele Jahre verdient machte. Unter dem Großvater erfuhr der Hof an der Hauptstraße noch vor dem 2. Weltkrieg eine exakte Aufteilung und Bruder Xaver Vögele entwickelte die Landwirtschaft an der Hochstraße.

Der Großvater jedoch starb noch während des 2. Weltkrieges in jungen Jahren, sodass die Großmutter, wie Thomas jun. zu erzählen weiß, mit vier Kindern lange Zeit alleine den Hof über Wasser halten musste. Zu Hilfe sei dabei meist Peter Hörner, der als Heimatvertriebener auf dem Hof einquartiert war, gekommen. Dieser wiederum ist Großvater von Lehrerin Ursula Glanz. Entsprechend musste Thomas´ Vater den Pfleger-Hof, wie er weiterhin hieß, recht früh übernehmen. Thomas selbst folgte schließlich im Jahre 1995 und betrieb ihn noch einige Jahre weiter, ehe er wie viele andere in der Stadt die Landwirtschaft nicht mehr fortführen konnte.

Erhalten geblieben ist dennoch das stattliche Gebäude und der Hausname des „Pflegers“. Thomas selbst hat im hinteren Teil des Anwesens nun sein eigenes Haus errichtet und bewohnt es mit seiner Familie. Bei seinen drei Töchtern gab es allerdings keine Möglichkeit mehr, die Tradition der „Thomas-Vornamen“ fortzusetzen.

Lesen Sie dazu auch: Spurensuche in Bad Wörishofen

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