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Kabarett

16.01.2020

Wortakrobat Astor zeigt seine Kunststücke

Willy Astor präsentierte sich auf der Kurhausbühne nicht zuletzt als „Jäger des verlorenen Satzes“ und Wortverdreher.
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Willy Astor präsentierte sich auf der Kurhausbühne nicht zuletzt als „Jäger des verlorenen Satzes“ und Wortverdreher.

Über das „Lied für Bad Wörishofen“ und einen ziemlich nachdenklichen Schlussakkord

Willy Astor sind bereits viele Titulierungen zugeordnet worden: Silbenfischer, Jäger des verlorenen Satzes oder Komödiantenmechaniker sind nur einige davon. Einmalig ist seine Art Sätze und Wörter so zu verbiegen oder zu verdrehen auf alle Fälle und so ist ein Besuch bei ihm immer ein ungewöhnliches Erlebnis. So auch bei seinem Auftritt im fast vollen großen Saal des Kurhauses Bad Wörishofen. Und eines mussten Besucher seines „Neuen Programmes für Wortgeschrittene“ auf alle Fälle mitgebracht haben: strapazierfähige Lachmuskeln.

Eine Kostprobe seiner Wortakrobatik bekamen die Besucher nämlich gleich zu Beginn serviert. „But where is Hofen“ scherzte er über die Suche nach seinem Auftrittsort. Als danach das groß angekündigte „Lied für Bad Wörishofen“ nur aus dem Satz „Bad Wörishofen, du bist, wie du bist“ verklungen war, spätestens da hatte er die Besucher, die er zuvor bei seinem Gang durch die Reihen befragt hatte, auf seiner Seite. Diese beschäftigte an diesem Abend sicher noch öfter die oben schon erwähnte Frage „Wie kommt jemand nur auf solche ausgefallenen Ideen“ und dazu noch „Wie kann sich jemand solche Wortspielereien auch noch merken?“

Dass es zur Freude des Publikums geht, bewies der Künstler während des gesamten Abends, denn die Gags folgten rasch aufeinander. Unglaublich fast seine lange Geschichte mit lauter A-Wörtern oder seine Wortspiele mit hochprozentigen Getränken, wo zum Beispiel Wasser in Behörden schon einmal zu „Sechsämtertropfen“ wird. Dazwischen grüßte dann schon einmal ein Heilpraktiker im dritten Reich mit „Heil Praktiker“, wird das Seitenbacher-Müsli zum Seitenstecher-Müsli oder wird die gezeigte Unterhose zu „Rüssels Heim“.

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Total witzig auch die Liederpassage nach der Pause, wenn „Schickeria“ zu „Schick a Rührei“, das künstliche Gebiss mit „Schon der Gedanke, dass ich dich einmal verlieren könnt“ besungen wird oder wenn aus „Purple Rain“ einfach „Bärbel rein“ wird. Willy Astor spielt aber nicht nur mit Worten oder Sätzen, sondern er bindet dieses Spiel meist in längere Geschichten ein. Hier zeigt sich, dass er seine spezielle Kunst immer weiterentwickelt. Sonderapplaus erhielt er dazu für seine Einlage als Wörter verdrehender Rapper. Etwas zäher, wenn zwischendurch trotzdem jederzeit witzig, sein Rätselspiel mit dem Publikum. Wenn die Antworten nicht so kamen wie er sie erwartete, fiel ihm stets ein zusätzlicher Gag oder eine Antwort aus einer früheren Veranstaltung ein und der Lacher war gerettet.

Mit der wortgewaltigen Zugabe mit der Geschichte aus allen möglichen Automarken ließ es Willy Astor jedoch noch nicht bewenden. Wenn man ihn kennt, dann weiß man, dass er am Ende auch immer die sentimentalere Schiene bedient und auch diese bestens beherrscht. Mit dem eindrucksvollen und stimmungsvoll gesungenen Lied „Einfach sein“ appellierte er an die Besucher, doch zufrieden und glücklich zu sein, wozu wir hier allen Grund hätten. Ob es danach noch das lange instrumentale Schlusslied „Nautilus“ noch gebraucht hätte, sei dahingestellt. Es war ihm offensichtlich ein persönliches Anliegen und vertiefte die Schlussstimmung.

In der Pause und nach der Vorstellung zeigte sich Willy Astor sehr publikumsnah, erfüllte Autogramm- und Fotowünsche. Er hatte den Besuchern einen rundum vergnüglichen Abend bereitet.

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