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Mindelheim

13.12.2018

Schüler des Maristenkollegs planen einen besonderen Abend

Auch in den vergangenen Jahren haben die Schüler Päckchen für Bedürftige gepackt. Heuer gingen sie unter dem Motto „Hilfe vor Ort – lokal und direkt“ erstmals an die Kunden der Mindelheimer Tafel
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Auch in den vergangenen Jahren haben die Schüler Päckchen für Bedürftige gepackt. Heuer gingen sie unter dem Motto „Hilfe vor Ort – lokal und direkt“ erstmals an die Kunden der Mindelheimer Tafel

Die Mindelheimer Maristenschüler engagieren sich mit zwei Aktionen für Bedürftige in der Region.

Armut ist für Viele sehr abstrakt. Man weiß, dass es sie gibt, doch wirklich mit ihr in Berührung kommen die wenigsten, die nicht selbst davon betroffen sind. Dabei ist sie selbst in einem so reichen Land wie Deutschland allgegenwärtig: eben nicht nur in Großstädten wie München oder Berlin, sondern auch in ländlichen Gegenden wie Mindelheim. Wir wissen nicht, wie es sich anfühlt, kommen nur selten mit Betroffenen in Kontakt und haben dementsprechend viele Vorurteile. Das wollen die Schüler des Mindelheimer Maristenkollegs ändern – und haben sich dafür gleich zwei besondere Aktionen einfallen lassen: Unter dem Motto „Hilfe vor Ort – lokal und direkt“ haben die Schüler 56 Adventspakete für die Mindelheimer Tafelkunden gepackt. „Für die Schüler war es ein besonderes Gefühl, die Pakete persönlich übergeben zu können und die Empfänger kennenlernen zu dürfen“, sagt Claudia Cavallaro-Schröder, Mittelstufenbetreuerin und Betreuungslehrerin der Schülermitverantwortung (SMV) am Maristengymnasium.

Jedes Paket enthielt neben Lebensmitteln und Besonderheiten wie Süßigkeiten und Pflegeprodukten auch eine Grußkarte der Schüler, die sich noch mehr vorgenommen haben: In der Woche vor Weihnachten wollen sie in die Fußstapfen des verstorbenen Klaus Berchthold treten, der jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit Bedürftige ins Hotel Alte Post eingeladen hat. Die Idee entstand bei einem Seminar der SMV, in dem Hubertus Stelzer vom Schulpastoralteam von einem Treffen mit Peter Horn berichtet hatte, dem ehemaligen Tafelverantwortlichen und jetzigen Obdachlosenbeauftragten der Stadt Mindelheim.

Die Schüler des Maristenkollegs in Mindelheim wollen eine Tradition wiederbeleben

Nachdem einige Schülersprecher die Tafel besucht hatten und von der dort geleisteten Arbeit begeistert waren, beschloss die SMV einstimmig: „Die Lücke des nicht mehr bestehenden Weihnachtsessens müssen wir in Kooperation mit der Tafel schließen.“ Nur wie? Klara Bernhard berichtet: ,,Dass wir das Projekt durchführen möchten, war schnell klar. Allerdings auch, dass uns nicht das Budget zur Verfügung steht, um die Leute in ein teures Restaurant einzuladen. Deswegen kamen wir zum Schluss, einfach selbst ein hochwertiges Menü zu kochen. Und wir haben Lehrer und Schüler, die bereit sind, beim Zubereiten, Dekorieren und Erstellen eines Programms mitzuhelfen.“ Außerdem haben die Schüler einen gelernten Koch gefunden, der die Aktion und die jungen Köche gerne unterstützt. Im nächsten Schritt galt es, Geldgeber zu finden und mit der Stadt Mindelheim zu sprechen. Ursula Richinger, die Koordinatorin der Tafel, verteilte die Einladungen an die Tafelkunden. Die Schüler erwarten zwischen 60 und 65 Gäste.

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Verantwortlich für die Gesamtorganisation ist in erster Linie die SMV des Gymnasiums und der Realschule, begleitet und koordiniert wird die Durchführung von Hubertus Stelzer und Claudia Cavallaro-Schröder. Sie würde sich wünschen, ,,dass wir es schaffen, die verloren gegangene Tradition ein Stück weit wiederzubeleben, und den Abend für die Eingeladenen und die Schulgemeinschaft zu einem besonderen Erlebnis zu machen.“

Die Schüler sehen in dem Weihnachtsessen schon jetzt eine Bereicherung: Ida Weigele interessiert es besonders, die Leute einmal persönlich zu treffen. „Ich habe gar keine wirkliche Idee, was oder wer mich erwartet. Das sollte sich ändern. Jeder Mensch verdient eine Stimme.“ Auch Veronika Hörmann findet es besonders wichtig, seinem Gegenüber aufmerksam gegenüberzutreten, zuzuhören und nicht im Vorfeld über Menschen zu urteilen. „Das kann man bei dieser Aktion, glaube ich, ganz gut lernen. Nicht nur unsere Gäste, die Tafelkunden, profitieren von dem Abend, auch wir können hoffentlich etwas davon mitnehmen.“

Es soll ein schönes Weihnachtsfest für die Bedürftigen aus Mindelheim werden

Sonja Schmid kann das bestätigen und fügt an: ,,Etwas zu verbessern, oder andere glücklicher zu machen, gibt einem auch selbst das Gefühl, von Nutzen zu sein, und das ist doch eigentlich etwas, was für jeden Menschen von Bedeutung ist, oder?“ Julia Fiener geht es ähnlich. „Ich denke, dass jeder Mensch in der Welt einen kleinen Teil ausmachen kann. Besonders im Hinblick auf die Art und Weise, in der man Menschen begegnet.“ Nepomuk Lorenz sagt dazu: „Ich finde es wichtig, dass jedem Menschen, unabhängig von seiner sozialen Herkunft ein schönes Weihnachtsfest ermöglicht wird. Das Abendessen wird dafür einen geeigneten Rahmen schaffen, davon bin ich überzeugt, und unsere Unterstützer, aufgrund deren Hilfe und Spenden wir das Projekt überhaupt erst stemmen können, wohl auch.“

Lehrer, Schüler und außerschulische Partner, die am Projekt beteiligt sind, eint der Wunsch, den Tafelkunden einen schönen, weihnachtlichen Abend zu ermöglichen. Konkrete Erwartungen an die Begegnungen haben die meisten Schüler aber nicht: „Sind doch schließlich Menschen wie du und ich, wieso sollte man da Unterschiede machen?“ Allerdings hoffen alle darauf, einen solchen Abend als Tradition etablieren zu können.

Die Vorbereitungen für das Weihnachtsessen im Maristenkolleg laufen auf Hochtouren

Mittlerweile sind die Vorbereitungen für das Weihnachtsessen schon so weit vorangeschritten, dass sich verschiedene Teams gebildet haben. Diese kümmern sich jeweils um Menü, Dekoration oder Unterhaltungsprogramm. Zu viele Details sollen noch nicht verraten werden, die Eingeladenen können sich aber auf alle Fälle auf ein Drei-Gänge-Menü in der festlich geschmückten Pausenhalle freuen. Auch für musikalische Unterhaltung wird gesorgt.

Die Altersspanne in den Vorbereitungsteams reicht von zehn bis ins Erwachsenenalter. Eine Fünftklässlerin meint, dass sie sich in der Mini-SMV, also der jungen Schülermitverantwortung, die ebenfalls fleißig mithilft, immer ernst genommen fühlt, „was sonst nicht immer der Fall ist. Ich bin zwar unter den Kleinsten, das scheint aber nicht so wichtig zu sein.“ Luzia Maurus merkt hierzu an: „Ich finde es großartig, dass wir bei solchen Aktionen als Schulfamilie zusammenarbeiten. Egal wie alt jemand ist, oder wie unterschiedlich die Personen sonst sind: In solchen Momenten haben alle ein gemeinsames Ziel im Blick.“ Die Leute seien einfach cool und tolerant und man bekomme das Gefühl, wirklich etwas bewegen zu können. „Wenn man die Möglichkeit hat, etwas zu verändern, dann sollte man das auch tun“, findet sie.

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