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Loppenhausen
22.06.2022

Ein „g’schlamperter“ Naturgarten mit Auszeichnung

Eigentlich wollte Hildegard Gollmitzer gar nicht mit Foto in die Zeitung – zu diesem Bild inmitten ihres blühenden Blumenbeets voller Bienen und Schmetterlinge ließ sie sich dann doch überreden.
Foto: Lippl

Hildegard Gollmitzer lässt manches im Garten wachsen und wuchern – zur Freude der Natur und der Jury. Doch auch für den bestens gepflegten Gemüsegarten gab es Punkte.

Zehn Unterallgäuer Gärten sind Ende vergangenen Jahres mit dem bayerischen „Naturgarten“-Siegel ausgezeichnet worden. Jetzt, wo alles grünt und blüht, stellen wir diese Oasen für Menschen, Pflanzen und Tiere vor – und zeigen, wie leicht man sich davon etwas abschauen und selbst etwas für die Artenvielfalt tun kann. Heute: Hildegard Gollmitzer aus Loppenhausen.

Eigentlich dürfte es diesen Artikel gar nicht geben. Denn eigentlich wollte Hildegard Gollmitzer ja anonym bleiben, von einem Zeitungsbericht mit Bild von ihr ganz zu schweigen. Sie wolle sich in ihrem Alter schließlich nicht in den Vordergrund drängen, sagt die 87-Jährige. Aber am Ende hat sie sich dann doch dazu entschlossen, dass man ihren preisgekrönten Naturgarten zeigen darf, auch wenn der sehr „g’schlampert“ sei, vor allem für schwäbische Verhältnisse, wie die gebürtige Tölzerin behauptet. Doch noch viel wichtiger ist: Er bietet einen Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen – und weil sie dieses Thema so bedeutsam findet, hat sich die 87-Jährige letztlich doch bereit erklärt, ihr Gartentor für uns zu öffnen.

1600 Quadratmeter groß ist das Grundstück in Loppenhausen, auf dem sie und ihr Mann Anfang der sechziger Jahre gebaut haben. Früher, als ihre drei Kinder noch kleiner waren, hätten sie mehr Rasen gehabt. „Aber jetzt lass ich alles wachsen, wie es wächst.“

Im Gemüsegarten von Hildegard Gollmitzer herrscht Ordnung

Das stimmt so freilich nicht: Rund eine Stunde am Tag, „manchmal länger“, so sagt die rüstige 87-Jährige, arbeitet sie draußen. Ihrem großen Gemüsegarten sieht man das auch an: Hier wächst und gedeiht alles in Reih und Glied, bestens gepflegt. Nach Kartoffelkäfern halte sie täglich Ausschau, erklärt Hildegard Gollmitzer. Aber das sei ja auch kein großer Aufwand bei „nur“ zwei Pflanzreihen.

Ein großer Gemüsegarten gehört dazu. Hier baut die 87-Jährige vieles an.
Foto: Melanie Lippl

Sie hat nicht nur als landwirtschaftliche Berufsschullehrerin Schülerinnen über den Garten unterrichtet, sondern sich bereits als Kind dafür interessiert – schon zwangsweise, denn im Krieg war der Garten wichtig, „dass man was zu essen gehabt hat“. Aus der Pflicht wurde eine Leidenschaft: Hildegard Gollmitzer liest gern in Gartenzeitschriften und trat auch dem Gartenbauverein bei.

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Die Berge ihrer alten Heimat vermisst sie bis heute, verrät die 87-Jährige, die den Großteil ihres Lebens im Unterallgäu verbracht hat. Aber sie sieht es pragmatisch: „Dafür haben wir hier guten Boden.“ Einmal im Jahr fährt sie nach Illertissen, um in der dortigen Staudengärtnerei einzukaufen, in der es „ganz ausgefallene Sachen“ gibt.

Den Storchschnabel in ihrem Naturgarten liebt die 87-Jährige

Katzenminze und Fette Henne mag sie gern, die seien beide „sehr dankbar“, sagt die Gärtnerin. „Aber den Storchschnabel mag ich am allerliebsten.“ Überall in ihrem Garten blitzt die Staude in verschiedenen Arten und Farben auf, die Schnecken verschonen sie. Was in ihrem Garten wächst, müsse unempfindlich sein, erklärt die 87-Jährige. Früher, da habe sie Balkonblumen und alles Mögliche gepflegt. „Das habe ich heute nicht mehr, weil’s so viel Arbeit ist.“

Storchschnabel ist die Lieblingsblume der 87-Jährigen.
Foto: Melanie Lippl

Überhaupt könne sie ohne die Hilfe ihrer Kinder und Enkelkinder den Garten gar nicht mehr so versorgen. Manche Dinge dürfen aber auch stehen bleiben: der umgestürzte Baum zum Beispiel, den der Efeu überwuchert und in dem sich die Vögel wohlfühlen.

Oder der Apfelbaum, der vor 60 Jahren schon alt war, und der zwar keine Früchte mehr trägt, in dem aber jetzt viele Tiere wohnen.

Der alte Baum ist ein wertvoller Lebensraum für viele Tiere.
Foto: Melanie Lippl

Im Laufe der Jahre habe sie gemerkt, dass es immer weniger Insekten gibt, sagt die 87-Jährige. Sie kann es nicht verstehen, wenn Vorgärten „zugepflastert“ werden und wenn rund um die Uhr der Mähroboter läuft.

Die Naturgarten-Jury hat sie mit ihren alten Bäumen begeistert. Pluspunkte gab es zudem für die begrünte Hauswand, für die Brennnesseln, die in ihrem Garten wachsen, und natürlich für die Selbstversorgung durch den Gemüsegarten. Ihr Tipp an alle, die etwas für die Natur tun wollen: „Einfach mal ein Stück Wiese lassen.“

Der Schnittlauch darf blühen – den „Kleinen Fuchs“ freut’s.
Foto: Melanie Lippl
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