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Mini-Fußball

17.06.2019

Demonstration in Sontheim, doch die Skepsis bleibt

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Theorie und Praxis: Kreisjugendleiter Michael Langen verteilt in Sontheim Broschüren über die Fairplay-Liga an die Nachwuchskicker. Die präsentierten den Unterallgäuer Jugendtrainern die neue Spielform Funino. Das Echo darüber ist zwiegespalten.
Bild: Siegfried Rebhan

Die neue Spielform des Fußball-Verbands wird bei ihrer Präsentation in Sontheim kontrovers diskutiert.

Es ist ein lauer Sommerabend, die Sonne taucht die Sportanlage des TV Sontheim in ein angenehm helles Licht. Rund 70 Jugendleiter, Trainer und Eltern haben sich auf der Tribüne versammelt, um die konkrete Vorstellung einer neuen Spielform im Mini-Fußball zu erleben: Funino heißt sie.

Dabei wird im Modus „Drei gegen drei“ auf einem kleineren Spielfeld auf zwei Mini-Tore gespielt. Der Charakter des Spiels ist ein anderer, als der des gewohnten „Sieben gegen Sieben“. Auf dem Rasen ist dies schnell zu erkennen. Da sehen die Zuschauer beispielsweise, wie ein Mini-Kicker des FC Westerheim im Spiel gegen den TV Sontheim eine schnelle Kombination gekonnt mit einem Torerfolg abschließt. Es folgt ein kurzer Torjubel, dann müssen beide Teams zügig jeweils einen Spieler wechseln. So schreiben es die neuen Regeln vor.

Es soll viele verschiedene Torschützen geben

Der Bayerische Fußball Verband (BFV), Initiator der geplanten Reform, möchte damit erreichen, dass es viele verschiedene Torschützen gibt. Es gehe freilich auch um eine „intensive Ausbildung einzelner Kinder – Stichwort Spielintelligenz“, unterstreicht Florian Weißmann, der den Jugendbereich im BFV verantwortet, und der an diesem Abend sowohl die Präsentation, als auch die anschließende Diskussionsrunde moderiert. Den Kindern scheint die neue Spielform durchaus Spaß zu bereiten. „Ich find’s richtig cool“, sagt Philip Maier (9) vom TSV Ottobeuren. „Gefällt mir gut“, meint auch Laurin Barth (8) vom SV Memmingerberg, das Ganze sei „abwechslungsreich“, man müsse beim „Funino“ schneller abspielen.

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Insgesamt aber hält sich die Begeisterung für die Reformpläne des BFV unter den in Sontheim beteiligten Vereinsvertretern in engen Grenzen. Im Verlauf der Diskussionsrunde wird dies sehr deutlich. Bei vielen Funktionsträgern überwiegt die Angst, „dass uns der Verband dieses Funino einfach überstülpt.“

Für das Training gut, als Spielform schlecht

Ingo Brömmelmayr, Jugendleiter des SV Egg, sagt: „Mir erschließt sich das Ganze nicht. Für’s Training finde ich die neue Spielform super, aber nicht für’s Spiel.“ Im Nachwuchs-Breitensport sei es schließlich nicht das Ziel, Nationalspieler auszubilden. Gerhard Kirchensteiner, als Jugendleiter des ASV Fellheim auch Verantwortlicher für die F-Junioren der SG Illertal, meint: „Bei uns sind gefühlt 90 Prozent der Leute gegen Funino.“ Die bestehende Spielgemeinschaft funktioniere gut, und man habe die Planungen für die kommende Saison bereits abgeschlossen. „Wenn Funino kommt“, befindet Kirchensteiner, „brauchen wir keine SG mehr und die Trainer springen uns auch ab“.

Der Bambini-Coach des TV Erkheim Hans Rambach hält ebenso wenig von der neuen Spielform: „Man muss den Fußball nicht neu erfinden“, findet er. Ähnlich sieht es FCM-Jugendleiter Paolo Demartin: „Nach einer Stunde Training sagen die Kinder: Wir wollen auf das normal-große Tor schießen.“ Im Vergleich dazu betrachtet Alexander Buhn, Jugendleiter des TV Bad Grönenbach, die Thematik mit offenerem Visier: „Wir als Region sollten erstmal schauen, wie sich das ganze Thema entwickelt.“

Statt Spielbetrieb soll es Funino-Festivals geben

Eine Aussage, über die sich Verbandsvertreter Weißmann freilich freut. Dieser zeigt den Anwesenden beispielhaft einige in der Praxis bereits erprobte Perspektiven auf: So veranstalte der ASV Dachau sogenannte „Festivals (in Turnierform ausgetragene Funino-Partien; Anm. d. Red.) mit bis zu 24 Feldern und 48 Mannschaften. Dort klappt Funino in der Umsetzung schon ganz gut.“

Weißmann ergänzt: „Ich empfehle euch einen kombinierten Spielbetrieb mit den Systemen Sieben gegen Sieben und Drei gegen Drei“. Abschließend stellt Weißmann noch einmal glasklar heraus, was elementar wichtig ist an diesem Thema: „Es wird den Spielleitern nicht angeordnet, Funino praktizieren lassen zu müssen. Funino ist ein Angebot, das wir als BFV den Vereinen empfehlen.“

Klar ist aber auch: Weißmann wird weiterhin Überzeugungsarbeit leisten müssen.

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