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Eishockey

24.07.2020

Ein Stockheimer macht den Schritt zum Eishockeyprofi

Mit den Junghaien aus Köln wurde Lars Reuß im vergangenen Jahr deutscher Vizemeister.
Bild: Basti Sevastos

Plus Lars Reuß aus Stockheim hat seinen ersten Profivertrag unterzeichnet und hofft, eines Tages in der DEL noch gegen Patrick Reimer spielen zu können. Den kennt er bereits.

Sieben Jahre ist es her, als Lars Reuß zusammen mit seinem Bruder Jannik auf der Bühne im Mindelheimer Forum stand. Damals durften die beiden Stockheimer Eishockey-Brüder im Rahmen der Sportlerehrung die Eishockey-Profis Jochen und Patrick Reimer interviewen. Wie die beiden Mindelheimer, die seit Jahren in der DEL ihr Geld verdienen, wollten auch die Reuß-Brüder einmal Profis werden.

Bei Lars Reuß hat es geklappt. Er hat vor wenigen Wochen einen Zwei-Jahres-Vertrag beim Zweitligisten Lausitzer Füchse unterschrieben. Der 19-Jährige hat dafür mehrere Vereinswechsel in Kauf genommen.

In der deutschen Eishockey-Datenbank stehen bei ihm nicht weniger als sieben Vereine, für die er bislang aktiv war. Hinzu kommen noch die Anfangsjahre beim EV Bad Wörishofen und der Zwischenstation ESV Kaufbeuren, als damals der EV Landsberg 2000 pleite ging.

Ein Stockheimer macht den Schritt zum Eishockeyprofi

Bis zur U18 spielten die Reuß-Brüder zusammen

Bis zum U18-Bereich beschritten Lars und sein ein Jahr älterer Bruder Jannik Reuß den Weg gemeinsam und spielten in der DNL2 beim EV Füssen. „Die Zeit in Füssen hat mich sehr geprägt“, sagt Lars Reuß. Der Stürmer habe das volle Vertrauen des Trainers erfahren und sich sehr gut entwickeln können. Dabei war die Zeit in Füssen nur als Übergangsjahr gedacht.

Während Jannik Reuß zum HC Landsberg zurückkehrte und eine Ausbildung zum Industriemechaniker machte (und heute beim EHC Königsbrunn in der Bayernliga spielt), wagte Lars 2016 den nächsten Schritt und wechselte erstmals außerhalb Schwabens, ja sogar Bayerns, den Verein. Er ging zu den Young Roosters des Iserlohn EC, um in der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) spielen zu können.

Eine Verletzung bremst Reuß zunächst aus

Doch der Weg war steinig: Gleich am Anfang verletzte er sich am Knöchel und fiel lange aus. „Erst am Saisonende war ich wieder im Team“, sagt Reuß. Zudem wohnte er mit gerade einmal 15 allein in einer Wohnung. „Ich musste früh selbstständig werden.“ Per Telefon gab ihm die Mutter Tipps fürs Waschen und Kochen. „Ich habe oft experimentiert, aber es hat immer geschmeckt“, sagt er und grinst. „Diese Zeit hat mich reifer gemacht.“

Vielleicht hatte genau diese Reife im richtigen Leben ihre Vorteile gegenüber anderen Spielern. Denn während andere Eishockeytalente mitunter auf der Strecke bleiben, hat Lars Reuß immer an seinem Traum vom Profibereich gearbeitet. Vor zwei Jahren wechselte der damals 17-Jährige dann zu den Kölner Junghaien. In Köln machte er sein Abitur – die Grundlage für einen möglichen Plan B, sollte das mit dem Profitum nichts werden.

Vor 13.000 Zuschauer wird Reuß 2019 Vizemeister

In Köln spielte er erstmals vor einer großen Kulisse: Beim sogenannten „Tag der Junghaie“, als seine Mannschaft das Vorspiel vor einem DEL-Spiel der Haie in der Lanxess-Arena bestritt. Oder beim Finale um die deutsche U20-Meisterschaft in Mannheim, als Reuß und Co. den Jungadlern vor 13.000 Zuschauern mit 2:6 unterlagen und die Saison als deutscher U20-Vizemeister abschlossen. „Heuer beendeten wir die Hauptrunde als Erster, vor den Mannheimern. Wir haben jedes Spiel gegen sie gewonnen“, sagt Lars Reuß. Und man hört heraus, dass in seinen Augen eine Revanche möglich gewesen wäre – hätte die Corona-Pandemie nicht für den Saisonabbruch gesorgt.

Lang ist’s her: Im März 2013 durften Lars (Mitte) und Jannik Reuß (rechts) Patrick Reimer bei der Sportlerehrung interviewen.
Bild: Axel Schmidt

Damit war auch die Zeit in Köln zu Ende, ein Vertragsangebot gab es für Lars Reuß von den Haien nicht. Dafür einige von anderen Klubs. Einer hat sich besonders um ihn bemüht: die Lausitzer Füchse. Ein Verein mit einer langen Tradition, einer großen Fanschar und mit den Eisbären Berlin einem bekannten Kooperationspartner in der DEL. „Die Eisbären waren schon immer mein Lieblingsverein“, sagt Lars Reuß. Mitte August wird er nach Weißwasser gehen, die Saison soll Anfang Oktober starten.

Seine Vorbereitung: ein privates Trainingslager in Finnland

Zuvor bereitet er sich zwei Wochen lang im privaten Trainingslager in Finnland auf die Saison vor. Denn sein Ziel steht fest: „Ich will erst einmal gut reinkommen in die DEL2, will mich dann präsentieren, um in zwei Jahren den Sprung in die DEL zu schaffen“, sagt er selbstbewusst. Vielleicht schafft er dann das, wovon er insgeheim träumt: einmal in der DEL gegen Patrick Reimer zu spielen. Gelingt das, dürfte der Weg zurück auf die Bühne bei der Unterallgäuer Sportlerehrung nicht mehr weit sein. Dann jedoch als Stargast.

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