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Ehrenamt

20.08.2018

Fritz Wölfle ist der Chronist des DAV in Mindelheim

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Fein säuberlich hält Fritz Wölfle das Geschehen der Mindelheimer Sektion des Deutschen Alpenvereins für die Nachwelt fest. Durch die dicken Bücher wird die über hundertjährige Geschichte des größten Mindelheimer Vereins lebendig.

Fritz Wölfle ist leidenschaftlicher Chronist für die Mindelheimer Sektion des Alpenvereins. Der 71-Jährige hat viel erlebt – und viel zu erzählen.

In unserer Sommerserie wollen wir denen ein Gesicht geben, die sich in großem Maße ehrenamtlich für die zahlreichen Vereine in der Region einsetzen. Schließlich bilden sie das Rückgrat des lebendigen Vereinswesens hierzulande – und haben außerdem viel Interessantes zu berichten.

Kaum jemand kennt die Geschichte des Mindelheimer Alpenvereins so gut wie er: Fritz Wölfle. Er ist quasi der Historiker des DAV in Mindelheim. Als Chronist hält er die Geschichte seines Vereins mit großer Sorgfalt für die Nachwelt fest.

Dabei ging für ihn die Verbindung zur Natur und den Bergen bereits im Kindesalter los. Denn sein Vater, der ebenfalls Fritz Wölfle hieß, war neben seinem Beruf als Gärtnermeister leidenschaftlicher Bergsteiger – und ebenfalls für den Alpenverein aktiv. Natürlich nahm er seinen Sohn Fritz von Beginn an mit in die Alpen. „Es ist die Ruhe in den Bergen, die ich so genieße“, erzählt Fritz Wölfle junior heute. Das Gefühl, wenn man auf einem Gipfel säße, sei unbeschreiblich. Seit dem Jahr 1969 ist Wölfle selbst ehrenamtlich für den DAV aktiv. Zunächst als Schriftführer, kurze Zeit später zusätzlich als Chronist und Pressewart. Von 1983 bis 1995 übernahm der heute 71-Jährige außerdem Verantwortung als zweiter Vorsitzender der Mindelheimer Sektion des Alpenvereins.

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Im Gespräch mit ihm merkt man jedoch schnell, dass ihm besonders die Chronik des Vereins am Herzen liegt. Die hatte er zunächst zwischen 1970 und 1980 geführt. Nach einer Pause ist er nun seit 1992 wieder für das Festhalten der Geschichte des Vereins zuständig. Hierfür hat er nicht nur alle Protokolle auf seinem PC erfasst, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Wölfle schneidet jeden Zeitungsartikel fein säuberlich aus, schreibt selbst Jahresberichte und Zusammenfassungen und klebt all dies in sein großes graues Buch. Mittlerweile hat er fünf hiervon. „Für die Homepage unseres Vereins habe ich außerdem unsere Geschichte zusammengestellt und übersichtlich dargestellt“, berichtet Wölfle.

Die Mindelheimer Hütte ist auch außerhalb Mindelheims bekannt

Und so öffnet der 71–Jährige seine Chronik für uns. Die beginnt mit den Anfängen des DAV in Mindelheim im Jahr 1900. Um das Jahr 1910 kommt die Idee und die Suche nach einer eigenen „Mindelheimer Hütte“ auf, die 1914 von der bayerischen Königsfamilie höchstpersönlich abgekauft wurde. „Ein Mitglied des Vereins hatte gute Kontakte zur Königsfamilie und konnte das Grundstück nach zähen Verhandlungen kaufen“, erzählt Wölfle. Daher stehe die Mindelheimer Hütte gegenüber vom Allgäuer Hauptkamm im ehemaligen königlichen Jagdgebiet. Es sei zudem außergewöhnlich, dass nicht nur die Hütte, sondern auch das Grundstück dem Verein gehöre. In dieser Zeit sei die Erschließungstätigkeit der Hütte Hauptaufgabe des Mindelheimer DAV gewesen. 1920 wurde die erste Mindelheimer Hütte schließlich eingeweiht. Über die Jahre wurde sie immer wieder renoviert und erneuert und ist daher weit über die Kreisstadt hinaus bekannt. Die Chronik berichtet weiterhin von dunklen Stunden – etwa über die Eingriffe des Reichssportführers in die Sektionsstruktur während der NS-Zeit. Auch eine ernste finanzielle Krise brachte den DAV in den 1930er Jahren in Not. Weil letztlich Mindelheimer Familien für den Verein bürgten, entwickelte sich im Laufe der darauf folgenden Jahrzehnte eine Erfolgsgeschichte.

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So ist die Mindelhemer Sektion des DAV heute kein reiner Hüttenverein mehr, sondern steuert auch andere Ziele an. Es gibt ein umfangreiches Fahrtenprogramm, das jedes Jahr herausgegeben wird – daran mitbeteiligt ist natürlich Fritz Wölfle. Auch der 2014 eingeweihte Kletterturm nahe des Maristenkollegs gehört dem mittlerweile mit über 2000 Mitgliedern größten Verein der Kreisstadt. In den 1970er Jahren gründet die Sektion außerdem die Stadtwache als historische Ordnungsgruppe beim Frundsbergfest. Dies alles und noch viel mehr ist in den großen grauen Chronikbüchern mit den braunen Seiten festgehalten, die fast alle das Edelweißsymbol schmückt. „Ich möchte das Sektionsleben für die Nachwelt festhalten“, setzt sich Wölfle als Ziel. Der pensionierte Verwaltungsbeamte ist aber natürlich selbst nach wie vor begeisterter Bergsteiger.

Die Mindelheimer Sektion des DAV ist der größte Verein Mindelheims

„Früher bin ich auch ab und zu geklettert, mittlerweile beschränke ich mich altersbedingt eher aufs Wandern“, erzählt Wölfle mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Zwei Erlebnisse sind für ihn die absoluten Highlights. Da ist zum einen die Alpenüberquerung, die er mit seinem Sohn Markus Wölfle im Jahr 2003 erlebt hat. Ohne Hilfsmittel und abseits der Hauptroute wanderte er mit seinem Sohn von Hütte zu Hütte und kam am Ende am Meraner Höhenweg heraus. „Das war ein wunderschönes Erlebnis“, berichtet der 71-Jährige. Zum anderen hat Wölfle mit seinem Sohn Markus und seiner Schwiegertochter einen weiter entfernten Berg erklommen, der nicht in den Alpen liegt. „Zu meinem 60. Geburtstag sind wir auf den Kilimandscharo. Morgens um sieben Uhr waren wir auf dem Gipfel und hatten die Sonne und ein Wolkenmeer unter uns. Das war unbeschreiblich schön“, erzählt Wölfle. Dabei läge der Unterschied zu den Alpen vor allem in der Höhe des Kilimandscharo und der verschiedenen Vegetationszonen.

Tipps hat der Chronist des DAV Mindelheim zum Schluss für Anfänger auch parat: „Man sollte niemals allein wandern, seine eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen und immer das Wetter beobachten.“ Wenn es einer weiß, dann Fritz Wölfle.

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