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Handball

25.01.2019

Kurz vor der Krönung: Mindelheimer drücken die Daumen

Dänemark ist es (noch) nicht: Die deutsche Handballnationalmannschaft spielt heute Abend im Halbfinale der Weltmeisterschaft gegen Norwegen um den Einzug ins Endspiel. Dort könnte es dann etwas werden mit dem Duell der beiden WM-Gastgeber.
Bild: Federico Gambarini/dpa

Deutschland kann am Freitag ins WM-Finale einziehen. Wie zwei Mindelheimer die WM bisher erleben und wen sie sich im Fall des Finaleinzugs als Gegner wünschen.

Man hatte es erhofft, aber wirklich erwartet? Angesichts der schwachen Europameisterschaft im vergangenen Jahr und der öffentlichen Diskussionen um Nationaltrainer Christian Prokop kam für viele die Handball-Heim-WM zu früh. Zu gerne erinnerten sich die Handball-Fans noch an das Jahr 2007, als Deutschland den Heimvorteil nutzte, das „Wintermärchen“ schrieb und Weltmeister im eigenen Land wurde.

Vor der WM 2019 herrschte eher Skepsis. Wie weit kommt das Team? Vertraut Prokop den richtigen Spielern? Selbst ein Vorrunden-Aus war denkbar. Doch dann: Eine bärenstarke Defensive, die so manche Schwäche im Torabschluss kaschierte, brachte die deutsche Mannschaft nicht nur in die Hauptrunde, sondern nun auch ins Halbfinale. Die Hallen sind ausverkauft und wahre Hexenkessel, die TV-Quoten sind überragend und hängen sogar den Bundesliga-Fußball ab.

„Ich hatte beruflich in Köln zu tun und war in der glücklichen Lage, Karten für das Kroatien-Spiel bekommen zu haben. Das war ein einmaliges Erlebnis“, schwärmt Markus Gaum. Der Abteilungsleiter der Mindelheimer Handballer spricht von einem Volksfest: „Wir sind irgendwann nur noch gestanden.“ Mit einem derart souveränen Halbfinaleinzug habe er vor der WM nicht gerechnet. Auch Stefanie Lewe, Trainerin der Mindelheimer Bezirksliga-Handballer, war das nicht: „Ich war nicht überzeugt vom Kader. In meinen Augen fehlte mit Julius Kühn ein megastarker Halblinker. Und ob Martin Strobel als Rückraumspieler die optimale Wahl war, weiß ich auch nicht.“

2018 beinahe gefeuert, nun im Halbfinale der WM – welchen Anteil hat Nationaltrainer Christian Prokop?

Stefanie Lewe gibt zu, nicht unbedingt ein Fan des Bundestrainers Christian Prokop zu sein. Noch immer hängt die verpatzte Europameisterschaft 2018 nach. „Da war er schon sehr unüberzeugend. Aber er scheint gut aus der Sache gelernt zu haben und hat jetzt sicher seinen Beitrag zum Erfolg geleistet“, sagt Lewe.

Wo liegt das Geheimnis des Erfolgs?

„In der mannschaftlichen Geschlossenheit und den Fans. Bei der Stimmung läufst du automatisch“, sagt Markus Gaum. Für Stefanie Lewe hat die Defensive der deutschen Nationalmannschaft den Hauptanteil am Erfolg. „Ich wusste, dass wir eine gute Abwehr haben. Dass sie aber durchgehend auf einem derartigen Niveau spielt, hat mich etwas überrascht.“

Mit dieser Mannschaft geht Deutschland in die Handball-WM 2019.
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Deutscher Kader für die Handball-Weltmeisterschaft 2019
Bild: Soeren Stache, dpa


Wer hat bei dieser WM bislang überrascht – positiv wie negativ?

Neben der deutschen Mannschaft hat Stefanie Lewe überrascht, wie gut Mannschaften wie etwa Brasilien aufgeholt haben. „Im ersten Spiel gegen Frankreich dachte ich noch, die Franzosen hätten die Brasilianer unterschätzt. Doch die weiteren Spiele haben gezeigt, dass die Brasilianer den Anschluss an die Weltspitze geschafft haben. Vielleicht spielt ja bald auch ein Brasilianer in der Bundesliga. Ich kann mir vorstellen, dass diese WM für einige Spieler das Sprungbrett nach Europa ist“, sagt Lewe. Negativ überrascht hat sie die spanische Nationalmannschaft – immerhin amtierender Europameister.

Wer ist der Superstar des Turniers?

Ganz klar: der Däne Mikkel Hansen. „Das ist einfach ein überragender Spieler, dem man gerne zusieht“, sagt Lewe über den Rückraumspieler von Paris St. Germain.


25.01.2019, Hamburg: Handball: WM, Deutschland - Norwegen, Finalrunde, Halbfinale. Deutschlands Steffen Weinhold l und Fabian Wiede reagieren nach dem Spiel. Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Die Triumphe und Enttäuschungen des deutschen Handballs
Bild: Soeren Stache

Gibt es nach der WM einen Handball-Boom?

Das hoffen sie beim TSV Mindelheim natürlich. Vor drei Jahren, beim Gewinn des EM-Titels habe man das gemerkt: „2016 konnte man im Verband und im Verein einen Zulauf verzeichnen“, sagt Stefanie Lewe. „Es werden sicher ein paar Neugierige kommen und reinschnuppern. Ob die dann bleiben, wird man sehen“, sagt Markus Gaum. Eine Aussage darüber könne man in einem halben Jahr treffen.

Sollte Deutschland das Finale erreichen – wer wäre der Wunschgegner: Weltmeister Frankreich oder Co-Gastgeber Dänemark?

„Beide Gastgeber im Finale – diese Kulisse stelle ich mir fantastisch vor“, sagt Stefanie Lewe. Auch für Markus Gaum wäre es ein Traumfinale, auch wenn das Endspiel in Dänemark stattfindet und die Dänen somit die Fans im Rücken hätten. „Egal, wer es wird: In einem WM-Finale ist alles möglich“, sagt er.

Erst einmal aber muss die deutsche Nationalmannschaft das Halbfinale Freitagabend in Hamburg gegen Norwegen (20.30 Uhr, live in der ARD) erfolgreich bestreiten. „Das Finale ist möglich. Es kommt auf die Tagesform an“, so Gaum.

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