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Schach

21.05.2020

Schachclub Türkheim trägt Internet-Meisterschaft aus

„Man muss auf dem Laufenden bleiben, neue Varianten und Eröffnungen studieren.“ Wilfried Grönegreß aus Bad Wörishofen ist 86 Jahre alt und damit der Senior im Team des SC Türkheim/Bad Wörishofen. Für ihn ist Online-Schach kein Neuland, schließlich trainiert er seit Jahren so.
Bild: Rolf-Dieter Pohl

Plus Besondere Umstände erfordern besondere Ideen: Erstmals in seiner Vereinsgeschichte richtet der Schachclub Türkheim/Bad Wörishofen eine Jugendmeisterschaft im Internet aus.

Schach, das Spiel der Könige, hat in Zeiten wie diesen einen beinahe unschlagbaren Vorteil gegenüber anderen Sportarten: Man kann ohne Weiteres online eine Partie austragen, entweder gegen einen menschlichen Gegner oder den Computer an sich. Weil angesichts der Corona-Pandemie derzeit auch sämtliche Schachligen ausgesetzt und Turniere abgesagt sind, bleibt den Denksportlern immerhin diese virtuelle Möglichkeit. Und sie nutzen diese.

„Ich trainiere online“, sagt etwa Wilfried Grönegreß. Der Bad Wörishofer gehört der ersten Mannschaft des SC Türkheim/Bad Wörishofen an, die in der Schwabenliga I antritt. Grönegreß, der ursprünglich aus Bielefeld stammt, lebt seit gut 25 Jahren in der Kneippstadt und dürfte mit seinen 86 Jahren einer der ältesten Spieler der Liga (wenn nicht gar der Älteste) sein. „Wir haben gute Nachwuchsspieler im Verein. Aber wenn sie dann zum Studieren gehen, spielen sie bei Vereinen vor Ort. Deshalb beknien mich die anderen, dass ich weiterspiele“, sagt Grönegreß. Das will er auch: „Wenn es mir gut geht, dann spiele ich bis 90“, sagt er und lacht.

Spieler sind an Online-Schach gewöhnt

Die aktuelle Situation im Schachsport macht ihm nichts aus. Er ist mit der virtuellen Schachwelt vertraut. Schließlich bereitet er sich auf eine Schwabenliga-Partie vor, indem er in Datenbanken die Partien seiner Gegner studiert. Anhand der Züge kann man erkennen, wo dessen Stärken und Schwächen sind, ob es ein ruhiger Spieler ist oder welche taktischen Stellungen er bevorzugt. „Das gehört dazu“, sagt Grönegreß.

Schachclub Türkheim trägt Internet-Meisterschaft aus

Für die Schachspieler ist die vernetzte Welt ein Segen. „Früher haben wir Fernschach über die Post gespielt. Da wurde jeder Zug auf eine Postkarte geschrieben und abgeschickt“, erinnert sich der 86-Jährige. Ein Spiel konnte sich also über Wochen hinziehen. Aktuell steht das Schachspiel bei Grönegreß wegen eines Umzugs jedoch etwas hinten an. Trainieren will er trotzdem weiterhin: „Man muss weitermachen und auf dem Laufenden bleiben, neue Varianten und Eröffnungen studieren“, sagt er.

Erste Web-Meisterschaft der Vereinsgeschichte

Seine jüngeren Vereinskollegen konnten sich kürzlich vereinsintern messen. Damit nicht eine wochen- oder gar monatelange Trainingspause entsteht, entschied sich der Schachclub Türkheim/Bad Wörishofen erstmals in seiner 74-jährigen Vereinsgeschichte, eine Web-Junioren-Vereinsmeisterschaft auszutragen. Hier sollten die Web-Vereinsmeister in mehreren Altersklassen ermittelt werden. Die Idee fand bei den jungen Mitgliedern großen Anklang und so kämpften ab Anfang April Kinder und Jugendliche zwischen acht und 21 Jahren um Pokale, Medaillen und Urkunden.

Gespielt wurde auf dem Schachserver Lichess, der von dem französischen Programmierer Thibault Duplessis entwickelt wurde. Die Bedenkzeit pro Partie und Spieler belief sich auf 45 Minuten bei einem Inkrement von 15 Sekunden pro Zug. Organisatorisch betreut und begleitet wurde das Turnier von Jugendtrainer Rolf-Dieter Pohl. „Für jeden Spieltag stand ein Zeitfenster von vier Tagen zur Verfügung“, erklärt Pohl. „Innerhalb dieser Spanne durften die Spieler den geeigneten Termin für ihre Partie selbst bestimmen.“

Nach fünf Runden Schweizer System und vielen spannenden Partien standen die Gewinner fest: Web-Junioren-Vereinsmeister 2020 wurde ohne Punktverlust Mathias Wexel vor Luka Mutabdzic. Als bester U16-Spieler erwies sich Leon Wagner. In der Altersklasse U12 sicherte sich Hamza Al Wheebi den Titel, in der Klasse U10 Arved Reinhardt. Bei einer Online-Siegerehrung sahen die Teilnehmer vorerst nur Fotos der ihnen zugedachten Preise und Urkunden, die reale Ehrung wurde auf einen noch nicht näher bestimmten späteren Zeitpunkt vertagt.

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