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Super Bowl

07.02.2021

Wie ein Ramminger seine Liebe zu Football fand

Norman Loos-Zettler (Mitte, Nummer 88) spielt seit 2012 beim Football-Regionalligisten Landsberg X-Press. Der 29-jährige Ramminger ist dabei einer der zentralen Defensivspieler.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Obwohl der Super Bowl eines der größten Sportspektakel der Welt ist, wird American Football hierzulande kaum gespielt. Einer, der es tut, ist Norman Loos-Zettler aus Rammingen.

Norman Loos-Zettler ist eine imposante Erscheinung: Auf knapp 1,90 Meter Körpergröße vereinigt sich ein Gewicht im dreistelligen Kilobereich. Ganz genau weiß das der Ramminger gar nicht, „aber über 100 Kilo sind es schon“, sagt er und lacht verschmitzt. Mit dieser Statur hat der 29-Jährige praktisch Gardemaß – für einen Footballspieler. Genauer gesagt, für einen Abwehrspieler, einen sogenannten Defensive Tackle.

Seit 2012 spielt der Maurer beim Football-Regionalligisten Landsberg X-Press. „Beim Fußball wurde mir oft nahegelegt, dass ich nicht so hart in Zweikämpfe gehen soll“, sagt Loos-Zettler. Für den FC Rammingen und den SV Tussenhausen hat er die Fußballschuhe geschnürt, war flexibel einsetzbar. Auch als Torhüter. Das sollte sich später noch als Vorteil erweisen.

Über Mitschüler kommt der Ramminger nach Landsberg

Auf der Realschule in Buchloe lernte er über Mitschüler die Footballmannschaft in Landsberg kennen – und war sofort Feuer und Flamme. Das mit dem Ball fangen habe er als Torhüter schnell raus gehabt, sagt er. „Angefangen habe ich als Tight End. Damals war ich noch leichter.“ Ein Tight End spielt in der Offensive und blockt entweder dem Running Back den Weg frei oder bietet sich als Passempfänger an.

Norman Loos-Zettler spielt seit 2012 in Landsberg.
Foto: Axel Schmidt

Mit der Zeit („Das Essen schmeckte immer besser.“) wanderte Loos-Zettler von der Offensive in die Defensive Line, die Abwehr also. Hier bekleidet der Ramminger seit fünf Jahren die Position des Defensive Tackles. Dessen Profil ist so einfach wie wichtig: Der ideale Defensive Tackle ist der größte und kräftigste Spieler der Defense und kann sowohl einen Lauf des Gegners stoppen, als auch den gegnerischen Spielmacher, den Quarterback, unter Druck setzen.

American Football ist sehr von der Taktik geprägt

„Ein schöneres Gefühl, als einen Quarterback zu tackeln, gibt es nicht“, schwärmt Loos-Zettler. Allzu oft kommt das in einem Spiel jedoch nicht vor. Im Gegenteil: Football ist immens von der Taktik geprägt. Die vier mal 15 Minuten können sich gut und gerne mal auf drei Stunden ausdehnen. Deshalb tun sich Außenstehende mit dem Sport und der Begeisterung der Amerikaner dafür eher schwer. Loos-Zettler kann das sogar nachvollziehen: „Ein Spielzug dauert maximal 20 Sekunden. Dabei ist so viel los. Das alles zu sehen, ist schwierig. Man muss selber spielen, um das richtig erleben zu können.“

Dafür muss er nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf stets fit sein. Rund 30 Spielzüge muss er als Defensive Tackle kennen. Allerdings sei das gar nicht so schwer. „Der Grundspielzug bleibt gleich. Man kann ihn halt ausdehnen, wie man ihn haben will.“

Dann greift ein Rädchen ins andere. Wie auch sonst das gut 30-köpfige Team in Landsberg eine Einheit ist. „Es ist fast wie eine Familie. Auch unsere Amerikaner fühlen sich sehr wohl“, sagt Loos-Zettler.

Bei Heimspielen gibt es Burger, Cheerleader und ein Feuerwerk

In Vor-Corona-Zeiten sei der Heimspiel-Samstag immer so etwas wie ein großes Familientreffen. „Da wird dann gemeinsam gegrillt, es gibt Burger und Spareribs“, erzählt er. Alles ganz amerikanisch eben. Die Show darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Ein Feuerwerk begleitet das Einlaufen der Mannschaft, die Cheerleader sorgen für Stimmung. Das kommt an: „Unsere Spiele sind immer gut besucht. Und wer einmal gekommen ist, der kommt wieder“, sagt Loos-Zettler. Seine Mutter sei mittlerweile ein echter Fan und feuere ihn bei Heimspielen an.

22.000 Menschen soll beim Super Bowl in Tampa live dabei sein.
Foto: Chris O'meara/AP/dpa

Umso bitterer ist es für die Landsberger, dass sie heuer den Super Bowl jeder für sich alleine und eben nicht mit einer großen Party im Cineplex in Penzing ansehen können. Für Loos-Zettler, der regelmäßig die Saison in der nordamerikanischen Profiliga (NFL) verfolgt, ist der Super Bowl natürlich ein Pflichttermin. Wenn am Sonntag in Tampa, Florida, die Tampa Bay Buccaneers auf den Titelverteidiger, die Kansas City Chiefs, treffen, wird er vor dem Fernseher sitzen. ProSieben überträgt das Spektakel ab 22.40 Uhr (MEZ).

Der Ramminger hält es mit den Green Bay Packers

Loos-Zettlers Lieblingsteam in der NFL sind seit Jahren die Green Bay Packers – wegen eines bestimmten Spielers. Linebacker Clay Matthews hatte es ihm angetan. Matthews wurde mit Green Bay 2010 Super Bowl-Champion. Dass „seine“ Packers im NFC Championship Game – praktisch dem Halbfinale – gegen die Tampa Bay Buccaneers verloren und heuer damit den Finaleinzug verpasst haben, wurmt ihn zwar noch ein bisschen. Dennoch würde er den Titel den Buccaneers gönnen. Warum?

Tom Brady von den New England Patriots hält Tocher Vivian auf dem Arm und küsst seine Frau Gisele Bündchen, die Bradys Mutter Galynn (vorn) den Arm über die Schulter gelegt hat.
Foto: Patrick Semansky/AP/dpa

„Weil sie es als erstes Team im eigenen Stadion schaffen könnten. Ich würde es Tom Brady vergönnen, obwohl ich nicht unbedingt sein Fan bin.“ Tom Brady, die lebende Quarterback-Legende, könnte in seinem zehnten Finale zum siebten Mal den Titel gewinnen. Und das mit 43 Jahren. Damit ist er 18 Jahre älter als sein Rivale Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs.

Patrick Mahomes gewann im letzten Jahr den Super Bowl und wurde als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnet.
Foto: Steve Sanders/Steve Sanders/Kansas City Chiefs/AP/dpa

Bradys Bilanz und Fitness nötigt Loos-Zettler ordentlich Respekt ab. Denn er weiß: „Einen Spieltag spürt man so richtig am nächsten Tag. Das sind die Oberarme dann schon mal blau.“

Trotzdem sei American Football kein brutaler Sport. Es gebe nicht mehr Verletzungen als beim Fußball, sagt Loos-Zettler. Wie lange er noch spielen will? „Solange der Körper mitmacht.“ Und der scheint ja noch recht gut in Schuss zu sein.

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