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Unterallgäu
10.05.2022

Viel Frauen-Power beim Frauentag

Sie diskutierten beim diözesanweiten Frauentag in Westerheim über das Thema „Power sucht Frau“ (von links): Professorin Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Autorin Linda Jarosch, kommissarische Chefredakteurin Andrea Kümpfbeck, Gerichtspräsidentin Ulrike Mayer, Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze und Moderatorin Barbara Streidl.
Foto: Franz Kustermann

Erfolgreiche Frauen diskutieren in Westerheim über das Thema „Power sucht Frau“ und geben Tipps, was auf dem Weg in Führungspositionen wichtig ist.

Selbstkritisch, offen und direkt behandelte der Katholische Frauenbund beim diözesanweiten Frauentag das diesjährige Thema „Power sucht Frau“: An „Frauen-Power“ fehlte es dabei nicht – wurde die Veranstaltung doch in eine der sieben Gemeinden des Landkreises gelegt, wo mit Christa Bail eine Frau als Bürgermeisterin „das Sagen“ hat. Und beim „Power-Talk“ mit Moderatorin Barbara Streidl berichteten fünf Frauen, die Führungspositionen bekleiden.

Darunter die Präsidentin der Universität Augsburg, Professorin Dr. Sabine Doering-Manteuffel. Die 65-Jährige ist die erste Frau an der Spitze einer Landesuniversität und zugleich Vorsitzende der Bayerischen Universitäten-Konferenz. Sie ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, wo sie nach eigenen Worten schon im Kindesalter gelernt hat, sich gegen zwei Brüder durchzusetzen.

Frauen sollen nicht abwarten, sondern sich etwas zutrauen, rät Andrea Kümpfbeck, die kommissarische Chefredakteurin der Augsburger Allgemeinen

Die 75-jährige Linda Jarosch ist mit sechs Geschwistern in einem Münchener Vorort aufgewachsen. Die Mutter von drei Kindern ist selbstständige Bildungsreferentin und Buchautorin (Titel ihres aktuellen Buchs: Ich liebe die Frau, die ich bin). Sie wollte erst in die Politik gehen, sah sich hierbei aber immer abhängig von anderen. Bei ihrem großen Wunsch nach Freiheit und Selbstständigkeit hat sie lange versucht, innerhalb der Kirche eine größere Öffnung für Frauen zu erreichen. Immer öfter an Grenzen gestoßen, wollte sie schließlich ihren eigenen Weg gehen: „Ich sah meine Kraft in der Sprache.“ Sie habe nicht gefragt, ob sie darf: „Ich habe einfach gemacht.“ Zudem sagte sie: „Ich brauche Netzwerke nach oben – nicht in die Breite.“

Andrea Kümpfbeck (Jahrgang 1967) ist die erste Frau in der Position einer kommissarischen Chefredakteurin der Augsburger Allgemeinen. Sie hält Frauen oft für „zu zögerlich“. So komme man allgemein nicht voran. Sie rät Frauen, nicht zurückhaltend abzuwarten, bis sie gefragt werden, und so den männlichen Kollegen den Vortritt zu lassen: „Nein, so wird es nicht funktionieren. Man muss sich etwas zutrauen.“ Und zwar auch auf die Gefahr hin, zu scheitern. Falls das geschehe, müsse man eben wieder aufstehen und weitergehen.

"Die Hälfte der Macht gehört den Frauen", betont die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Katharina Schulze

Mit auf dem Podium saß auch die 62-jährige Präsidentin des Augsburger Sozialgerichtes, Ulrike Mayer. Die Mutter von vier Kindern bedauert, dass mit dem Begriff „Macht“ oft negative Emotionen verbunden würden: „Aber gerade mit Macht kann man sehr viel Gutes tun, auch für andere.“ Eine Frau dürfe niemals fragen: „Bin ich schon dran? Darf ich das tun? Wie kommt das an?“ Zudem sollte eine Frau nicht in der Unterstützerrolle für einen Mann stecken bleiben. Wer nur „als Fan unterstütze“, werde nie seine Ziele erreichen. „Wenn auf dem Spielfeld ein Platz frei wird, dann darf nicht gewartet werden, bis die Frau gebeten wird. Die Frau muss sich selbst ins Spiel bringen.“

„Die Hälfte der Macht gehört den Frauen“, betonte Katharina Schulze, Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag. Laut der 37-Jährigen müssten Frauen Macht und Verantwortung übernehmen, wenn erreicht werden soll, dass Frauen für gleichwertige Arbeit genauso viel verdienen wie Männer.

Im Laufe der Diskussion wurde auch die Rolle der Frau in der Familie thematisiert. Hier müssten Frauen in Führungspositionen zum Beispiel dazu bereit sein, Verantwortung in Haushalt und Kindererziehung abzugeben. Anders funktioniere das nämlich nicht.

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