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Ulm/Laichingen

24.06.2019

40-Jähriger gesteht: „Ja, ich habe meine Frau getötet“

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Polizisten sichern die Spuren der Tat. Eine 30 Jahre alte Mutter dreier Kinder ist in Suppingen getötet worden.
Bild: Ralf Zwiebler

Die Verhandlung um den Mord an einer dreifachen Mutter in Laichingen beginnt mit einem Geständnis.

„Ja, ich habe meine Frau getötet“. Das hat am Montagmorgen ein 40-jähriger gebürtige Russe gleich zum Auftakt des Laichinger Mordprozesses vor dem Ulmer Schwurgericht verlauten lassen, nachdem er bisher eisern geschwiegen und die Tat von sich gewiesen hatte.

Hinter einem Aktendeckel verbarg er sein Gesicht vor den Fotografen beim Eintritt in den Schwurgerichtssaal und nahm Platz neben seinem Anwalt. Zunächst hörte er sich regungslos die Vorwürfe der Staatsanwältin an, die ungeheuerlich sind: Weil ihn seine Frau und Mutter seiner drei minderjährigen Kinder verlassen hatte und mit einem anderen Mann ihre Zukunft bis hin zu einem gemeinsamen Hausbau plante, soll er planvoll voller Zorn ihre heimtückische Tötung beschlossen haben. So sei er in das Haus seiner Ehefrau im Ortsteil Suppingen am 2. November 2018 eingebrochen, indem er ein Kellerfenster aufbrach und ins Innere stieg.

Mann tötet seine Frau mit mehreren Messerstichen

Als sie von der Arbeit heimkam, brach er heimlich den im Schloss steckenden Schlüssel von innen ab, um seinem Opfer einen möglichen Fluchtweg abzuschneiden. Dann schlich er sich nach den Ermittlungen der Polizei, die der Angeklagte am Montag über seinen Verteidiger bestätigen ließ, vorsichtig an seine nichts ahnende 30-jährige Frau im „Zustand der Arg- und Wehrlosigkeit“, so die Staatsanwältin, heran und tötete sie mit mehreren Messerstichen in den Oberkörper.

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Die dreifache Mutter starb auf der Stelle und wurde erst am nächsten Tag von ihrem Vater entdeckt. Bei ihm war von einem Marktbeschicker angerufen worden, der auf die Tochter wartete, die an seinem Wochenmarktstand als Mitarbeiterin vermisst wurde.

Wenige Tage vor dem mutmaßlichen Mord hatte ihr Mann einen Selbstmordversuch unternommen und war zum Selbstschutz in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen worden. Dort hielt er es nicht aus, und sprang nach nur einem Tag Aufenthalt aus einem Fenster. Dabei verletzte er seine beiden Beine, sodass er sich nur im Rollstuhl und auf Krücken bewegen konnte. Nach der Flucht reifte in ihm offensichtlich der Mordplan. Er benötigte offensichtlich den Rollstuhl für das Erreichen des Tatortes und den Fluchtweg danach. Im benachbarten Heroldstadt versteckte er sich kurze Zeit, bis dort er von einem Großaufgebot der Polizei entdeckt werden konnte. Obwohl ihm vom Familiengericht Kontakte zu seiner Frau und den drei Kindern verboten wurde, suchte er immer wieder die Nähe zu seinen Kindern, die er im Gegensatz zu den Kindern aus einer früheren Beziehung heiß und inniglich liebte.

Alkoholsucht und Selbstmordversuche

Mehr als eine halbe Stunde dauerte die Verlesung einer schriftlichen Stellungnahme, wobei er sich nur kurz über den Tötungsvorsatz äußerte und lang und breit aus seinem vermurksten Leben berichtete. So sei er in einem einsamen russischen Dorf aufgewachsen, habe die Schule anstandslos besucht und kam dann mit 16 Jahren vom rechten Weg ab und wurde zu von einem Jugendgericht zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Als er mit seiner Familie nach Deutschland kam, um im Laichinger Ortsteil Suppingen sesshaft zu werden, lösten sich Gefängnisstrafen mit Therapien gegen seine Alkoholsucht quasi am laufenden Band ab.

Er erzählte schriftlich, wie es war, als er nach der Trennung von seiner Frau seine älteste Tochter mal traf und diese ihn umarmte. Die 30-jährige Mutter blieb aber bei ihrer Entscheidung, die ihn in Verzweiflung stürzte. In den Zeiten vor der Tat, so schrieb er, trank er viel Wodka, schnitt sich mal mit der Rasierklinge die Pulsader auf. Das überlebte er wieder einmal und landete wieder in der Psychiatrie. Selbsttötungen misslangen vielfach. Welche Beziehung die drei minderjährigen Kinder heute zu ihm haben, misst sich daran, dass sie sich als Nebenkläger beim Mordprozess von einem Laichinger Anwalt vertreten lassen.

Einen Auftritt als Zeugen erspart das Schwurgericht den Minderjährigen. Das Sorgerecht ging auf die Großeltern über. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf Mord. Dafür ist lebenslange Haft zwingend.

Insgesamt sind sechs Tage Verhandlungstage mit zwei Sachverständigen und fünf Zeugen anberaumt, der nächst am 7. Juli um 8.30 Uhr im Schwurgerichtssaal des Landgerichts.

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