Newsticker
Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise schon am Dienstag
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. 50 Jahre SSV ’46: Von goldenen Zeiten, einer bitteren Pleite und neuen Zielen

Ulm

13.07.2020

50 Jahre SSV ’46: Von goldenen Zeiten, einer bitteren Pleite und neuen Zielen

Laut Präsident Willy Götz „sicher der Höhepunkt der vergangenen 50 Jahre“: Die Fußballer des SSV Ulm 1846 bejubeln den Aufstieg in die Bundesliga.

Plus Ganz einfach war die Fusion nicht zu bewerkstelligen: 1970 schlossen sich SSV Ulm und TSG Ulm 1846 zusammen. Ein Rückblick – und ein Ausblick in die Zukunft.

Die meisten Jüngeren in der Doppelstadt und der Region kennen den SSV Ulm 1846 sehr gut. Viele auch, weil sie dort selbst Mitglied sind. Ein Großverein mit mehr als 10000 Mitgliedern, viel Tradition und mannigfachen Angeboten. Ein Verein, der sich Neuem öffnet und mehr und mehr moderne Sportarten wie etwa Bike-Polo betreibt. Aber wer von den Jüngeren weiß auch, dass dieser Verein in der heutigen Form erst 50 Jahre besteht? Anno 1970 wurde er gegründet als Fusion aus SSV Ulm und TSG Ulm 1846.

Der SSV ’46 hat Höhen wie Tiefen erlebt, aufregende und ruhige Zeiten, zuletzt hat er sich kontinuierlich weiter entwickelt. Er hat einige eigene Anlagen, vor allem ein Frei- und ein Hallenbad – was für viele Mitglieder ein Grund war, dem Klub beizutreten. Präsident Willy Götz schaut gerne zurück auf die vergangenen Jahre, aber vor allem hat er das Ziel, dem Klub ein noch schöneres Gesicht zu geben. Beschlossen ist nach der Fertigstellung des neuen Funktionsgebäudes, den Jahnsportpark mit Drei-Feld-Halle, Gymnastikräumen, Mehrzweckraum und Vereinsgaststätte zu errichten. Geplanter Baubeginn: Herbst 2021.

Volleyballerinnen des SSV Aliudpharma Ulm (in weiß) beim Europacup-Viertelfinale 2004 in Athen.

Dem noch bestehenden Tennisheim soll ein neues folgen – erneut mit eigener Gaststätte. Die Tennisanlage insgesamt – gewünscht ist eine Fusion mit dem benachbarten TK Ulm – dürfte eine der größten und schönsten im weiten Umfeld werden. Eine Beachvolleyball- und Beachhandball-Anlage ist geplant, ferner eine Boule-Bahn. Das sportliche Angebot soll zum Beispiel in den Bereichen Behindertensport, Stand Up Paddeling und Schneesport ausgeweitet werden. Es soll mehr Kooperationen geben, die Digitalisierung soll weiter entwickelt werden und der SSV 46 lobt künftig neue Vereinspreise aus. Der Verein hat noch mehr vor und wenn in 50 Jahren die dann Verantwortlichen Rückblick halten, werden sie sehen, was daraus geworden ist.

SSV '46: Die Fusion war damals nicht einfach

Doch bei einem Jubiläum schaut man vor allem viel zurück. Die Fusion war damals nicht so einfach zu bewerkstelligen. Der SSV war stark auf Sportarten wie Schwimmen oder Hockey ausgerichtet, 1846 war vorwiegend fußball-orientiert. Aber das Nebeneinanderher-Schaffen und das Sich-Konkurrenz-Machen war kaum zukunftsträchtig. Vor allem „die Tennisspieler verweigerten dem Fusionsplan zunächst ihre Zustimmung“, wie sich Willy Götz erinnert. „Bei einer zweiten Abstimmung kam er dann in trockene Tücher.“ Die Leiter des neuen Vereins waren bis 1976 Erwin Basler und Reinhard Meinung. Dann gab es immer nur einen Präsidenten: Lothar Schultheiß (1976 bis 1991), Horst Maier (1991 bis 1995), interimsmäßig Lothar Schultheiß (1995 bis 1996), Florian Ebner (1996 bis 1999), Alexander Hirn (1999 bis 2001), Katja Adler (2002 bis 2011) und schließlich Willy Götz (seit 2011). Wegen der Insolvenz gab es 2001 und 2002 keinen Präsidenten.

Zu Beginn der Fusion hatte der SSV Ulm 1846 schon 8503 Mitglieder. Dann wuchs er 2000 (Fußballer in der Bundesliga/Erweiterung des Halo-Sportzentrums) bis zum Höchststand von 14061 Mitgliedern an und war einer der größten Vereine in Deutschland. Nach einem deutlichen Rückgang bis auf 9400 wächst die Mitgliederzahl seit ein paar Jahren wieder stetig an.

Zehnkämpfer Arthur Abele jubelt im August 2008 in Berlin über den Europameister-Titel.

Der Verein war zur Jahrtausendwende sportlich top. Die Fußballer, die Basketballer und die Volleyballerinnen spielten in der Bundesliga. Die Kicker mussten aber im Mai 2000 die Eliteklasse nach nur einem Jahr verlassen, die Basketballer wurden zweitklassig, gliederten sich aus, als der Großverein insolvent wurde, traten in der Folge als GmbH-Verein Ratiopharm Ulm auf und kehrten 2006 ins Oberhaus zurück.

SSV '46: Der Aufstieg der Fußballer war der Höhepunkt

Die Volleyballerinnen holten 2003 das Double: Meisterschaft und Pokal. Im Jahr darauf wurden sie Vize-Europapokalsieger – und lösten sich auf, weil der Hauptsponsor ausstieg. „Der Aufstieg der Fußballer in die Bundesliga war sicher der Höhepunkt der vergangenen 50 Jahre“, befindet Willy Götz. „Das schlechteste Thema war die Insolvenz mit dem einjährigen Verfahren von Juni 2001 bis 2002.“ Aber die außerordentliche Mitgliederversammlung beschloss die Fortführung des Vereins. Am 1. Juli 2008 wurden die Kicker, die für den Verein ein finanzielles Risiko dargestellt hatten, ausgegliedert und treten seitdem recht erfolgreich unter dem Namen SSV Ulm 1846 Fußball an. Der Hauptverein SSV ’46 konsolidierte sich.

Doch es gab nicht nur Mannschaften in der Bundesliga, wobei die Basketballer schon 1988 erstmals ganz oben mitmischten, 1996 ihren ersten Titel holten (Pokal) und die Fußballer oft zwischen Amateursport und Zweiter Liga pendelten. Insbesondere die Leichtathleten sorgten für zig Höhepunkte.

Christiane Krause holte 1972 olympisches Gold. Dieses Bild entstand 40 Jahre später.

Ob es deutsche Meisterschaften oder Mehrkampf-Meetings im Donaustadion waren, ob Christiane Krause 1972 in München mit der 4x100-Meter-Staffel olympisches Gold holte, ob Hürdensprinter Ralf Leberer 2000 bei Olympia und der WM startete, ob die Zehnkämpfer Arthur Abele, Mathias Brugger und Tim Nowak in der Weltelite mitmischten oder Alina Reh zur europäischen Spitzenläuferin wurde. Vor allem unter Trainer Wolfgang Beck gab es Erfolge ohne Ende. Dazu holte Kunstturnerin Janine Berger bei den Olympischen Spielen 2012 in London beim Sprung den vierten Platz.

Schade war, dass das ATP-Tennisturnier „Müller-Cup“, erstmals 1994 beim SSV ’46, 2003 begraben wurde. In der Folge gab es dann „nur“ noch den internationalen „Müller-Junior-Cup“, der im Prinzip bis heute besteht.

Hier lesen Sie mehr aus der Region:

Baustelle an der A8: Halbzeit für die neue Doppelausfahrt

Die Fans sollen bei Ratiopharm Ulm wieder dabei sein

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren