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Neu-Ulm

22.03.2015

Aldi drauf, Settele drin

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Ein laufendes Band aus Teig, zwei Düsen mit Spinatfüllung und am Ende 21000 Maultaschen pro Stunde: Erwin Settele (links) erklärte Landrat Thorsten Freudenberger (Mitte) und dem Wirtschaftsbeauftragten des Landratsamtes, Simon Schrag, die Technik.

Das Neu-Ulmer Unternehmen zählt zu den Marktführern bei Spätzle und Co. Der Großteil der eigenen Produkte verlässt das Haus jedoch unter fremdem Namen

Ist er mal im Kopf, geht er so schnell nicht wieder heraus. Das gibt auch Landrat Thorsten Freudenberger zu, als er diese Woche seine erste Betriebsführung des Jahres unternahm und sich dafür einen Neu-Ulmer Spätzle- und Maultaschenriesen aussuchte. „Settele Spätzle, Settele Spätzle, frisch im Kühlregal“, singt er vor sich hin und entlockt damit Geschäftsführer Erwin Settele ein erfreutes Lachen. Der eigene Werbespot wirkt – noch immer.

Genauso wie das Geschäftsmodell des seit 1985 in Neu-Ulm sesshaften Unternehmens. 260 Angestellte sind für einen der Marktführer bei schwäbischen Spezialitäten tätig und täglich damit beschäftigt, 80 Tonnen Teigwaren herzustellen. 50 verschiedene Produkte – von Eierspätzle bis Leberknödel – hat Settele derzeit im Sortiment. Eigentlich. Denn das Firmengebäude verlassen regelmäßig rund 300 verschiedene Artikel. „40 Prozent unseres Umsatzes machen wir unter Fremdmarken“, erklärt Settele. Soll heißen: Nicht überall, wo Settele drin ist, steht auch Settele groß drauf. Der Discounter Aldi hat beispielsweise Spätzle der Marke Landvogt im Angebot – lediglich im Kleingedruckten ist zu lesen, dass es sich um ein Produkt aus den Teigmaschinen des Neu-Ulmer Unternehmens handelt. Settele sieht darin keine Mogelpackung, sondern eine gängige Praxis im Lebensmittelhandel, die für ihn schlichtweg zum Service für die eigenen Kunden gehört, nach eigenen Angaben mehrere Tausend Lebensmittelmärkte in ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich.

Seinen Anfang nahm die Firmengeschichte Ende der 1960er-Jahre, als Erwin Settele senior, der Vater des heutigen Chefs, damit begann, Metzgereien und Gastronomen mit Maultaschen, Mayonnaise und diversen Feinkostsalaten zu beliefern. 1982 wurden in Oberdischingen (Alb-Donau-Kreis) die ersten eigenen „Frischeprodukte“ hergestellt: Schupfnudeln und Spätzle. „Anders als in Bayern standen uns in Baden-Württemberg damals viele kritisch gegenüber: Spätzle wurden nicht gekauft, sondern selbst gemacht“, erzählt Settele.

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Nach und nach wurde die Produktpalette erweitert, jedes Jahr kommen vier bis fünf Neuheiten aus dem Neu-Ulmer Werk auf den Markt. Manche funktionieren auf Anhieb, andere verschwinden schnell wieder aus den Kühlregalen, wenige lösen einen Aufschrei aus. „Als wir unsere Maultaschen als ’Herrgottsbscheißerle’ verkauft haben, sind bitterböse Briefe mit Beschwerden bei uns eingegangen“, erinnert sich der Geschäftsführer, der daraufhin unzählige Male auf den Ursprung des Begriffs hinweisen musste.  Mittlerweile habe sich der Ärger gelegt, die Herrgottsbscheißerle sind immer noch auf dem Markt.

Noch nicht in den Geschäften zu finden ist das neueste Werk aus der Settele-Küche. Im März sollen „Monster-Maultaschen“ vor allem den kindlichen Hunger wecken. „Für uns sind die aus technischer Sicht äußerst anspruchsvoll“, sagt Settele. Denn auf die kleinen Teigtaschen sind kleine Monster geprägt, was selbst die eingespielten Maschinen im Neu-Ulmer Werk auf die Probe stellt, die sonst Maultaschen am Fließband produzieren. 21000 Stück pro Stunde.

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