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Akademietheater

15.11.2011

Alle Welt spielt gegen ein Liebespaar

Florian Giese, Irmela Purvis und James Douglas in Radtkes „Othello“.
Bild: Foto: flx

Peter Radtkes „Auch ein Othello“ stimmt nachdenklich

Ulm Zwei Menschen lieben sich, wollen heiraten. Ihr Umfeld ist vehement dagegen; der Vater des Bräutigams schäumt. Romeo und Julia? Ganz so einfach ist es nicht. Romeo heißt in Peter Radtkes Stück „Auch ein Othello“.

Der Pfarrer verstolpert sich bei der Trauung

Thomas ist behindert. Die „Julia“ ist Bibliothekarin und liebt Thomas über alles. Die Heirat von Eva und Thomas stößt auf wenig Gegenliebe. Der Pfarrer, der die beiden trauen soll, verschluckt sich an der eigenen aufgesetzten Toleranz und kann von Thomas nur als der „behinderten Existenz“ sprechen. Die Mutter, überbehütend und engstirnig wie alle anderen, mit denen es Eva und Thomas zu tun bekommen, entsetzt sich: „Heiraten? In deiner Situation?“

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Eva und Thomas heiraten gegen alle Widerstände. Und diese Widerstände wachsen: Thomas bleibt nach dem Studium arbeitslos, Eva erträgt die fortwährenden Sticheleien der Umwelt nicht mehr und hintergeht Thomas schließlich. Und der, von Frust und Zorn geleitet, begeht eine Irrsinnstat. Das „Protokoll einer außergewöhnlichen Beziehung“ von Autor, Schauspieler und Regisseur Peter Radtke im Ulmer Akademietheater stellt die Prämisse „Man ist nicht behindert, man wird behindert“ in den Vordergrund.

Eigene Erfahrungen spielten in der Stückentstehung eine zentrale Rolle. Radtke war in Deutschland der erste professionelle Schauspieler im Rollstuhl, er arbeitete unter anderem mit Regisseuren wie George Tabori und Franz Xaver Kroetz zusammen. Am Ulmer Akademietheater hat Radtke sein 1985 uraufgeführtes Stück selbst in Szene gesetzt und mit seinem Hauptdarsteller Florian Giese einen kongenialen Darsteller gefunden.

Das „Protokoll einer außergewöhnlichen Beziehung“ gibt gewiss Stoff zum Nachdenken und wirkt doch aus der Zeit gefallen. Der stückeigene Zorn wirkt heute jedoch patiniert, etwa in den von Ablehnung, ja Hass bezeugenden Reaktionen des Umfelds, das das junge Paar isoliert und schließlich Thomas’ Verzweiflungstat motiviert.

Die raffiniert ausgedachten, in „Überblendtechnik“ verschachtelten Szenen verlieren allerdings immer wieder an Tempo, gerade durch unnötige Videoeinblendungen. Die „AdK“ erreicht seit 15 Jahren mit dem Schauspielzug für Menschen mit Behinderung Aufmerksamkeit.

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