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Landkreis Neu-Ulm

11.02.2016

Asyl: Schulen platzen aus allen Nähten

Aktuell drücken 60 jugendliche Asylbewerber im Alter zwischen 16 und 18 Jahren in Neu-Ulm und Illertissen die Schulbank. Sie sind aufgeteilt in drei Klassen. Im September soll es 19 dieser Klassen im Landkreis geben.Symbolbild: Felix Kästle

An den Berufsschulen im Landkreis soll in den kommenden Monaten die Zahl der Flüchtlingsklassen versechsfacht werden. Den Schulleiter stellt das vor Probleme.

Bei der Aufnahme von Flüchtlingen stoßen auch die Schulen im Landkreis Neu-Ulm immer häufiger an ihre Grenzen. Während die Grund- und Mittelschulen mittlerweile 17 sogenannte Übergangsklassen eingerichtet haben, in denen Kinder (bis 16 Jahre) mit fehlenden Sprachkenntnissen unterrichtet werden, platzen nun auch die beiden Berufsschulen in Neu-Ulm und Illertissen aus allen Nähten: Zu wenig Platz, zu wenig Lehrer, zu viele Schüler, lautet das Fazit von Schulleiter Klaus Hlawatsch, der nun im Landratsamt Alarm geschlagen hat.

„Bisher gibt es an den beiden Berufsschulen in Neu-Ulm und Illertissen drei sogenannte Berufsintegrationsklassen, bis September müssen es 19 sein“, erklärt Hlawatsch und verweist auf eine entsprechende Forderung der Regierung von Schwaben. Bisher waren die Berufsschulen lediglich für die Beschulung der 16 bis 18 Jahre alten Flüchtlinge zuständig. Künftig sollen auch die 18- bis 21-Jährigen schulisch betreut werden. Die Regierung rechnet im Landkreis Neu-Ulm mit rund 380 Personen, die ab September dieses Angebot wahrnehmen werden.

„Von drei auf 19 Klassen, von 60 auf 380 Schüler: Das können wir mit unseren derzeitigen Möglichkeiten nicht leisten“, sagt Schulleiter Klaus Hlawatsch. Rund zehn zusätzliche Lehrerstellen sowie zwölf neue Klassenräume seien notwendig. Während die Suche nach geeignetem Personal in Hlawatschs Aufgabengebiet fällt und ihn seit Wochen auf Trab hält, ist der Landkreis für die Bereitstellung der Räumlichkeiten zuständig. Gestern hat daher der Bau- und Planungsausschuss des Kreistages beschlossen, im Notfall für rund 430000 Euro fünf Monate lang insgesamt zwölf Container anzumieten, in denen die zusätzlichen Klassen untergebracht werden könnten. „Wir sehen uns aktuell auch noch nach Alternativen um“, erklärte Wolfgang Opitz, zuständiger Fachbereichsleiter im Landratsamt. So werde in Illertissen beispielsweise über die Anmietung eines benachbarten, gewerblichen Verwaltungsgebäudes nachgedacht.

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„Für uns ist entscheidend, dass die Klassenräume möglichst nahe bei den Schulen liegen und spätestens im September nutzbar sind“, sagt Schulleiter Hlawatsch, der bei allem Mehraufwand den zusätzlichen Flüchtlingsklassen auch viel Positives abgewinnen kann. So seien die bisherigen Klassen, in denen bis zu 20 Schüler sitzen, sehr heterogen: Vom Analphabeten ohne großes Sprachentalent bis hin zum schulerfahrenen Jugendlichen mit Deutsch- oder Englischkenntnissen sei unter den jugendlichen Flüchtlingen alles vertreten. „Sie alle gemeinsam in einer Klasse zu unterrichten, ist nur schwer möglich. Wenn wir mehr Klassen haben, können wir auch besser differenzieren“, sagt Hlawatsch.

Das Konzept der „Berufsintegrationsklassen“ basiert laut Hlawatsch auf einem zweigliedrigen „Lehrplan“. Im ersten Schuljahr soll den jungen Asylbewerbern vor allem die deutsche Sprache beigebracht werden, im zweiten Jahr gehe es dann um berufsvorbereitende Maßnahmen, zu denen auch Praktika in Betrieben zählten.

Die ersten Klassen wurden im Frühjahr des vergangenen Jahres gestartet, Ende Februar sollen vier weitere folgen, ehe im September 19 erreicht sind. „Wir wollen unseren Teil zu einer gelingenden Integration beitragen“, sagt Hlawatsch.

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