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Holzheim

31.01.2020

Auch das Reichsgesetzblatt wird im Rathaus ausgemustert

Derzeit ist das Archiv der Gemeinde Holzheim im Rathaus untergebracht. Jetzt musst es in den Dachboden umziehen – und deshalb ausgemistet werden.
Bild: Willi Baur

Das Archiv im Rathaus von Holzheim muss entrümpelt werden. Ein Experte hilft dabei.

Kommando zurück: Weil im Obergeschoss des Holzheimer Rathauses demnächst eine weitere Kinderkrippe eingerichtet werden soll, muss das vor einigen Jahren hier untergebrachte Archiv der Gemeinde wieder auf den Dachboden. Da freilich herrscht nicht weniger Raumnot als im Kindergarten, und statisch ist die Decke auch nicht unbegrenzt belastbar. Das heißt: Im Archiv muss entrümpelt werden.

Experte Peter Wischenbarth hilft bei der Arbeit

Aber was? Oder vor allem: Was nicht? Wohlweislich hat Bürgermeisterin Ursula Brauchle dazu einen absoluten Experten um fachkundigen Rat gebeten. Peter Wischenbarth nämlich, eigenen Worten zufolge seit rund 20 Jahren als Archivpfleger des Landkreises tätig und insofern vertraut mit der Materie. Freilich auch ein Freund.

Wischenbarth, nach seinem Bekunden „selbst ein Sammler“, räumte ein: „Ich tue mich schwer mit dem Wegschmeißen.“ Eben dies tut indessen in diesem Fall aber not. Deshalb ist er, der sich offenbar schon mehrmals mit Holzheims geschichtsträchtigem Nachlass beschäftigt hat, schließlich doch fündig geworden.

Auch das Reichsgesetzblatt wird im Rathaus ausgemustert

20 Regalmeter alte Bücher könnten entsorgt werden

20 Regalmeter alte Bücher aus den Jahren 1807 bis 1970 könnten problemlos entsorgt werden, erklärte der Experte dem Gremium. Und fügte hinzu, um historisch weniger bewanderten Ratsmitgliedern einen konkreten Bezug zu den jeweiligen Epochen zu vermitteln: „Auch Druckwerke aus der Zeit, als Napoleons Truppen durch Holzheim Richtung Russland zogen.“ Vermutlich aber ohne einen Blick in den wenig spannenden Buchbestand zu werfen.

Denn unterhaltsame Lektüre fand sich schon damals nicht im seinerzeitigen Schulhaus. Sorgfältig gebunden präsentierten sich vielmehr die ersten Gesetzbücher des kurz zuvor gegründeten Königreichs Bayern. Naturgemäß führt die lückenlose Sammlung über kurz oder lang zu juristischer Literatur einer ganz anderen Ära: Griffbereit liegen nach wie vor verschiedene Bände des Reichsgesetzblatts.

Dass sie das vermeintlich „Tausendjährige Reich“ fast im Originalzustand inzwischen um Jahrzehnte überlebt haben, konnte den Archivar nicht überraschen: „Bestes Leinenpapier“, schwärmte Wischenbarth nach einem Fingertest, „eigentlich zu schade für die Müllverbrennung“.

"Kaufen wird das niemand", warnt der Kreisarchivar

Da jedoch sollen die ausgemusterten Bücher hin, darunter übrigens auch überalterte Fachliteratur aus dem Schulbereich und der Gemeindeverwaltung. Andere Möglichkeiten einer sinnvollen Weiterverwendung sah der Kreisarchivar („Das sind doch uralte Kamellen“) nicht. „Kaufen wird das niemand“, warnte er vor unrealistischen Erwartungen. Es handle sich um Massenware ohne antiquarischen Wert.

Womöglich aber kann die Transportmenge zum Weißenhorner Ofen noch etwas reduziert werden. Auf Vorschlag von Gemeinderat Stefan Giertler (CSU/DG) sollen die ausgesonderten Druckwerke nämlich vorab der Öffentlichkeit zur kostenlosen Abholung angeboten werden. „Eine gute Idee“, meinte die Bürgermeisterin, warnte jedoch vor zu großen Hoffnungen. Regional wichtige und Holzheim betreffende Literatur, vornehmlich aus dem Landkreis, wird nicht ausgesondert.

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