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Ulm

09.02.2021

Auf der Suche nach der Seele der Blumen: Eine Ulmer Malerin im Porträt

Die Ulmer Künstlerin Ursula H. Busch bei der Arbeit im heimischen Atelier.
Foto: Stefan Kuemmritz

Plus Mit 78 Jahren, nach bewegten Zeiten als Autorin, Künstlerin, Lehrerin, konzentriert sich Ursula H. Busch auf Malerei. Das Landratsamt zeigt ihre Blumenbilder.

Zu denen, die am meisten unter der Corona-Pandemie leiden, gehören Künstler und Kulturtreibende. Künstler wie die Ulmerin Ursula H. Busch. Eine Reihe ihrer Bilder hängen gerade im Neu-Ulmer Landratsamt und die Werke können im Prinzip nur von den dort anwesenden Beschäftigten betrachtet werden. "Augenblick m a l" heißt der Titel der Schau mit Blumen- und Landschaftsbildern vom recht großen bis zum ganz kleinen Format. Die Bilder sollen bis Mitte April hängen, unter Umständen kann die Ausstellung verlängert werden, damit Interessierte sie noch betrachten können. Mit Anmeldung und Terminvereinbarung haben einzelne Personen unter Umständen Zugang, aber man merkt Franziska Honer, die für die Kunstausstellungen im Landratsamt - die Reihe gibt es schon seit einigen Jahren - zuständig ist, an, dass sie da gewisse Bedenken hat. Auf jeden Fall bleibt die Hoffnung, dass es bald Lockerungen im Lockdown geben wird und man Buschs Werke betrachten kann. Immerhin werden ein paar Bilder auf der Webseite www.landkreis.neu-ulm-tourismus.de sowie in einem Katalog "Von der Seele der Blumen" gezeigt.

Ulmerin Ursula H. Busch widmet ihre Kunst den Blumen

"Blumenbilder, ist das noch zeitgemäß?", schreibt Busch in der Einleitung des 28-seitigen Katalogs. Und sie gibt die Antwort: "In meinen Blumenbildern geht es mir nicht um botanische Studien, um dekorative Embleme oder um kunstvolle Blumenarrangements. Hier geht es ums Ganze! Um das Wesen, die Seele der Blumen und was sie uns bedeuten. Und zwar gerade heute." Die meisten Bilder sind farbige Prachtarbeiten, aber "es gibt auch düstere Tönungen und morbide Farbklänge zu entdecken". Ein Spiegel ihrer Erinnerungen.

Blumenbilder sind nur ein Teil der Kunstwerke, die die 78-jährige Ulmerin in den vergangenen vier bis fünf Jahren produziert hat. Ursula H. Busch, die musisch veranlagt ist und oft am heimischen Klavier musiziert, wobei sie derzeit Werke von Franz Schubert besonders liebt, befasst sich seit Längerem verstärkt mit grafischen Elementen beim Kreieren neuer Kunstwerke. Diese sind oft in Schwarz-Weiß gehalten, zuletzt hat Busch aber auch eine Bilderserie erstellt, in denen Farbkombinationen aus Schwarz, Orange, Gelb und Weiß zum echten Hingucker werden. Solche Arbeiten zeigte sie zuletzt in der Schaufenstergalerie der Ulmer Künstlergilde.

Ein typisches Acryl-Bild der Ulmer Künstlerin Ursula H. Busch aus der Ausstellung "Augenblick mal!" aus der Reihe Kunst im Landratsamt. Es ist eine blumige Ausstellung mit Blumen- und Landschaftsbildern ihrer eigenen Art.
Foto: Stefan Kuemmritz

Ursula H. Busch gibt Einblick in ihr Ulmer Atelier

Einen Einblick in ihre Kunst gab Busch dem Besucher in ihrer Ulmer Wohnung. Der musste sich konzentrieren, denn tagsüber wurden im Haus Renovierungsarbeiten erledigt, und ein Bohrer - obwohl eine Etage tiefer in Gang gebracht - verbreitete ohrenbetäubenden Lärm. Da die Arbeiten schon ein paar Tage andauerten, gewöhnte sich die Künstlerin schon etwas daran. Trotzdem sehnte sie den Tag herbei, an dem die Geräte verstummen und sie sich in ihrem Atelier, innerhalb der großen Wohnung, wieder ungestört dem Malen und Zeichnen, bei dem sie gelegentlich die Bilder mit Drucken erweitert, widmen kann.

"Von klein auf habe ich immer gemalt", erzählt Busch. "Ich ging dann in den Schuldienst, wobei ich speziell von den Vorschulkindern fasziniert war. Da ging es so spontan und lustvoll zu." Die Künstlerin betreute Rechtschreibklassen, betreute Migranten als Pädagogin. Darüber kam sie zum Schreiben. Konfrontiert mit einer Migrantenklasse verfasste sie in den 1980er-Jahren eine Sammlung von Erzählungen mit ihren Erlebnissen. Obwohl sie viel Zuspruch bekam, "verschwand die Sammlung in der Schublade", erinnert sich Busch. Dann fand sie einen Verleger, mit dem sie auf einer Linie lag und der sie über zehn Jahre lang unterstützte. "Ich habe zum Beispiel Leselernspiele und Klappheftchen zum Lernen herausgegeben", berichtet sie. Als ihr Verleger starb, beschloss sie, sich noch intensiver als zuvor der Kunst hinzugeben. "Richtig angefangen habe ich, als ich in den Ruhestand ging."

Ursula Busch: "Wir tun gut daran, achtsam mit der Natur umzugehen"

Zuerst belegte sie noch Kurse und befasste sich mit therapeutischem Malen. "Aber ich ging mit meinen Arbeiten nicht an die Öffentlichkeit", sagt sie. "Dann bin ich auf Leute im Sendener Kunstverein und dann auch in der Künstlergilde, bei denen ich jeweils Mitglied bin, gestoßen, die meine Werke richtig gut fanden und mich zum Ausstellen ermunterten." 2017, nachdem sie begeistert von der gemeinsamen, fairen Auseinandersetzung mit anderen Künstlern war, zeigte sie erstmals öffentlich Bilder, die sie mit Acrylfarben, Tusche, Bleistift oder Ölkreiden geschaffen hatte, wobei neuerdings auch eine Serie von Assemblagen dazu gekommen ist. Ursula H. Busch arbeitet viel mit der ebenfalls bekannten Freya Blösl zusammen. So setzten sie ihr Corona-Projekt mit 20 Bildern um und planen gerade einen gemeinsamen Katalog. Noch aber hofft Busch, dass ihre Bilder im Neu-Ulmer Landratsamt bald frei zu sehen sein würden. Damit die Seele der Blumen auf die Betrachter einwirken kann. Dabei möchte sie Besuchern mit auf den Weg geben: "Wir tun gut daran, achtsam mit der Natur umzugehen und sie als Leihgabe zu pflegen und zu hegen wie ein Blumenwesen."

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