Konzertlesung Mit Joseph Kelemen in St. Johann

22.09.2011

Barocker Kosmopolit

Joseph Kelemen am Cembalo in St. Johann Baptist.
Bild: Foto: flx

Neu-Ulm Barockkomponist Froberger bereiste ganz Europa und versammelte gewonnene Eindrücke auf einzigartige Weise in seinem Werk. Joseph Kelemen, Kantor an St. Johann Baptist Neu-Ulm, macht sich seit Längerem schon zum Anwalt dieses zeitweise in obskurer Vergessenheit verschwundenen Komponisten. In einem regelrechten Konzertmarathon rund um die Kulturnacht präsentierten er und die Pfarrer Adelbert Schloz-Dürr (PaulusKirche) und Andreas Wiedenmann (Martin Luther Kirche Ulm) einen musikhistorisch reich fundierten Konzertvortrag zu Froberger.

An einer Truhenorgel sowie einem Cembalo-Nachbau nach einem Original von Johannes Ruckers von 1640 führte Kelemen in St. Johann-Baptist exemplarische Werkausschnitte Frobergers vor. Froberger schuf fast ausschließlich Instrumentalwerke, er entwickelte die Suitenform entscheidend weiter. Wie die beiden Pfarrer in ihrem Vortrag deutlich machten, ist der Werksbestand des 1667 in Mömpelgard verstorbenen Musikers allerdings nicht endgültig gesichert. Froberger gab wenige seiner Handschriften frei, arbeitete oftmals im Stile eines „Work in Progress“. Sein musikalischer Nachlass aus dem Besitz des Hauses Württemberg ist zu größeren Teilen verschollen. Typisch ist die Klarheit, begründet in der von der Zurückhaltung fordernden Ästhetik der Gegenreformation.

Die Partita in C für den verstorbenen Ferdinand IV. Endet mit einer musikalischen „Himmelsleiter“, die – auch Eigenheit des Komponisten – auf einem Notenblatt durch eine gezeichnete Wolke dargestellt ist.

Neun Ausschnitte aus Frobergers Werk, von Kelemen mit gewohnter Vorzüglichkeit präsentiert, wurden zum nachdrücklichen Plädoyer für ein verkanntes Wunderkind. Frobergers Einfluss auf nachfolgende Komponisten ist offensichtlich – und vergessen. Den Grund dafür lieferte der mit Information gespickte Konzertvortrag. Froberger lässt sich nicht „verschubladen“. Er war und ist ein Solitär, der als „musikalischer Kosmopolit“ (Kelemen) eine heute noch gültige Musik schuf.

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