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Jubiläum

26.01.2019

Beim Frauenbund ist Einmischen immer erwünscht

Der Neu-Ulmer Ortsverband feiert am Samstag sein 100-jähriges Bestehen – doch er hat mit einem Problem zu kämpfen

Mehr als 15 Jahre dauerte es, bis nach der Gründung des Katholischen Frauenbundes – am 16. November 1903 in Frankfurt – auch in Neu-Ulm ein Ortsverband auf die Beine gestellt wurde: Am 6. Januar 1919, dem Dreikönigstag im ersten Jahr nach dem Ersten Weltkrieg, rief die 46-jährige Auguste Weinmiller, Ehefrau des damaligen Besitzers der Marienapotheke, den Zweig ins Leben. Der feiert nun am Samstag, 26. Januar, mit einem Festakt im Pfarrsaal von St. Albert in Offenhausen seinen 100. Geburtstag. Beginn ist um 15.30 Uhr. Zum Festgottesdienst um 18 Uhr in St. Albert werden Vertreterinnen aus dem Diözesan- und Bundesvorstand sowie der Beauftragte für die Verbände in der Diözese Augsburg, Domkapitular Wolfgang Hacker, erwartet.

In einem Aufruf, der im Sommer 1903 der Gründung des Katholischen Deutschen Frauenbundes voranging, heißt es: „Die katholische Frau wird aufgefordert, ihren Einsatz nicht länger in den Hintergrund zu stellen, der Jugend in Krippen, Horten, Patronagen usw. Schutz gegen kirchliche und geistige Verwahrlosung zu gewähren und sie im Weltverkehr (Bahnhofsmission) gegen Sittlichkeitsgefahren zu schützen.“ Doch die Begeisterung der Frauen, die sich aus der Frauenbewegung heraus zusammengeschlossen hatten, um in Gesellschaft und Kirche mitzuwirken und in sozialen und ethischen Fragen mitzuentscheiden, erlitt bald einen schweren Dämpfer: Bis zur kirchlichen Anerkennung vergingen ganze sieben Monate.

Religiöse Bildung für Frauen und gesellschaftliches, soziales und karitatives Engagement standen von Anfang an als Ziele des Katholischen Frauenbundes fest. Im Neu-Ulmer Zweigverband kümmerten sich die dort engagierten Frauen nach Kriegsende um die zurückgekehrten Kriegsgefangenen und um Not leidende Familien; sie fertigten Kleidung für Kommunionkinder an, deren Familien sich die Ausstattung nicht leisten konnten. Man richtete eine „Notspeisung“ ein und sammelte Lebensmittel für arme Familien. Gründerin Auguste Weinmiller, die 1919 auch für die Bayerische Volkspartei in den Neu-Ulmer Stadtrat gewählt worden war, verließ Neu-Ulm 1930 und zog mit ihrem Ehemann nach München. Unter den Gründungsmitgliedern war auch Anna Rohm, die Mutter des späteren Neu-Ulmer Bürgermeisters Julius Oskar Rohm.

Während der NS-Zeit musste der Frauenbund seine Bildungsarbeit im Rahmen des Konkordats einschränken. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beteiligten sich die Frauen an Aufräumungsarbeiten, sie unterstützten Kriegsversehrte und ihre Familien, halfen bei öffentlichen Lebensmittelverteilungen und besuchten Gefangene in Lagern. Die Sammlungen des Müttergenesungswerkes gehörten ebenfalls zu den Aufgaben des Frauenbundes.

In den 70er Jahren hatte Gertrud Zettl die Leitung des damals 150 Mitglieder starken Neu-Ulmer Zweigverbands inne, ab 1992 Gertrud Sauter.

Heute, so berichten Vorsitzende Ursula Schnirch und Schatzmeisterin Brigitte Müller, hat der Neu-Ulmer Ortsverband noch 32 Mitglieder, der Altersdurchschnitt liegt bei 74 Jahren. Vier über 90-jährige Frauen sind Ehrenmitglieder. Junge Frauen sind aufgrund ihrer Berufstätigkeit und des Zeitmangels nur noch schwer für ein Ehrenamt zu begeistern, beklagt Schnirch.

Die Holzschwangerin saß selbst 30 Jahre lang für die CSU im Neu-Ulmer Stadtrat und zwölf Jahre lang im Kreisrat. Unter ihrer Regie veranstaltet der Ortsverband für die Mitglieder einmal im Monat Nachmittage, zu denen Referenten eingeladen werden; es gibt eine Seniorengymnastik-Gruppe, und die Frauen des Frauenbundes unterstützen mit Spenden und mit ihren Mitgliedsbeiträgen die Arbeit von Hospiz und Kinderhospiz. Enger Kontakt besteht zum Sozialdienst katholischer Frauen. Einmischen ist auch heute noch erwünscht, erklärt Schatzmeisterin Müller. „Wir setzen uns für Mütterrente und gleiche Bezahlung ein und fahren jedes Jahr zum Equal Pay Day.“

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