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Ulm

14.05.2020

Berblinger-Schau: Eine geniale Reise durch Fiktion und Wirklichkeit

Der zerbrochene Flugapparat von Albrecht Ludwig Berblinger ist in der Schau „Die Welt, ein Raum mit Flügeln“ zu Ehren des Schneiders von Ulm zu sehen.
Bild: Dagmar Hub

Plus Spannend für Grundschüler wie Physiker: Eine Ausstellung im Stadthaus erzählt die Geschichte des Schneiders von Ulm. Sie bietet spektakuläre Erlebnisse.

Neuseeland scheint in der Zeit der Corona-Pandemie so unerreichbar wie der Mars. Warum sich nicht einfach hinbeamen – oder durch ein Loch im Boden des Stadthauses mal kurz zu den Antipoden rutschen? Fantasie und Wirklichkeit, Wissenschaft und Vision – das alles mischt das Bühnenbildner-Paar Timo Dentler und Okarina Peter in der ab Freitag, 15. Mai, zu sehenden Schau „Die Welt, ein Raum mit Flügeln“ zu Ehren von Albrecht Ludwig Berblinger. Der Schneider von Ulm hat im Juni seinen 250. Geburtstag.

Auf mehr als 900 Quadratmetern machen die beiden Bühnenbildner das Stadthaus zu einer riesigen begehbaren Bühne – und nicht nur die Welt wird zur Bühne, auch das Weltall: Eine geniale Schau, die eine weite Anreise lohnt, ein fantastisches Erlebnis zwischen Jules Vernes’ „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und Juri Gagarins Mut, als erster Mensch ins All zu fliegen.

Berblinger-Ausstellung auf mehr als 900 Quadratmetern

Schon die Stufen des Stadthauses haben sich verändert: Sie nehmen das Blau eines heiteren Himmels über der Stadt auf. Zeit und Raum sind aufgehoben, obwohl Timo Dentler und Okarina Peter die Schau ohne jeden digitalen Effekt, sondern nur mit realen Gegenständen und einigen Bühnentricks gestaltet haben. Rot und Weiß, die Farben von Berblingers Flugapparat, und das Blau des Himmels dominieren die Szenen. Und von Etage zu Etage teleportiert das visuelle und akustische Erlebnis den Betrachter in neue Situationen und in ein Wechselbad der Gefühle.

Berblinger-Schau: Eine geniale Reise durch Fiktion und Wirklichkeit
Das Bühnenbildner-Paar Timo Dentler und Okarina Peter hat die Schau konzipiert.
Bild: Dagmar Hub

Man tritt durch einen Vorhang und fühlt sich, wie Berblinger sich gefühlt haben muss, als er am 31. Mai 1811 beim gescheiterten Flugversuch in der Donau landete: mitten im Fluss, zwischen Kies, Dreck und Müll, während man von Stimmen von oberhalb als Versager beschimpft wird. Draußen steht der Veuve-Cliquot-Champagner der feinen Gesellschaft. Doch aus dem Scheitern wachsen die Visionen, sagt Timo Dentler: Die Schau, deren Entstehen auf mehr Schultern ruht, als es sonst beim Stadthaus der Fall ist, weil sie so umfangreich und kreativ ist, lässt den Betrachter durch eine weltweite – über viele Bildschirme angeordnete – Geburtstagsparty für Berblinger in einen Windkanal schreiten. Wo ist hier oben, wo unten? Von ringsum wirkt das Muster von Berblingers Flugapparat gespiegelt auf den Gehenden ein. Ob es sich so anfühlte, als der Rückenwind-Start zum Absturz führte und Berblingers Flugapparat drehend-taumelnd ins Wasser fiel?

Der Schneider von Ulm hat im Juni seinen 250. Geburtstag

Sich mal kurz nach Neuseeland teleportieren. Eine Fahne mit Berblingers Farben mit eigenen Händen in den Boden des Planeten Mars stecken. Entdecken, dass Berblinger schon in der ISS war – und natürlich steht Berblingers Fahne auch schon auf dem Mond. Wenn es weiter nach oben geht im Stadthaus, werden die Stufen zum Weltall, dessen Farb- und Lichtspiel sie angenommen haben.

Auf der einen Seite naturwissenschaftliche Formeln, auf der anderen Seite der Traum einer Reise ans andere Ende der Welt.
Bild: Dagmar Hub

Aber vom Quergang zwischen den Stadthaus-Gebäuden blickt der Betrachter in die Realität Berblingers – hinunter auf das Haus, in dem der Schneider lebte und arbeitete, hinüber auf den Münsterturm, von dem aus er den Stadtvätern seinen Flugversuch zu unternehmen angeboten hatte. Berblinger hatte die Vögel um den Turm beim Flug beobachtet und wusste, dass dort Winde herrschten, denen er vertraut hätte. Was wäre gewesen, wenn? Die Fantasie hebt zum eigenen Höhenflug an, taucht in Berblingers Wirklichkeit ein.

Ulm: Ausstellung über Albrecht Ludwig Berblinger ist noch bis 25. Oktober zu sehen

Geht es hinauf zum obersten Stockwerk des Stadthauses, tritt der Betrachter in einen Himmel ein, in dessen Mitte er die Erdkugel von außen betrachten kann. Blau ist es, himmelblau, und der Münsterturm spiegelt sich ein bisschen in dieser Erdkugel. Im Lauf der Schau soll es auch Nachtführungen geben, verrät Timo Dentler. Dann spiegeln sich die Sterne in dieser Erdkugel.

Der Weg zurück ist der schwerste – und er macht es auch dem Betrachter nicht ganz leicht. Ein bisschen schwindelig kann es sich anfühlen bei der Rückkehr aus den Visionen, bei der Landung auf Ulmer Boden und in der Gegenwart.

Künstler und Wissenschaftler waren an der Ausstellung über den Berblinger in Ulm beteiligt

Während die Corona-Pandemie die Menschen zwingt, viel mehr als sonst zu Hause zu sein, öffnet das Stadthaus eine Möglichkeit für die Fantasie, in unerreichbare Welten zu reisen. Ob Grundschüler oder Physiker – jeder kann in dieser Ausstellung für sich Faszinierendes entdecken. Beteiligt am Entstehen waren Menschen aus der Wissenschaft wie der Wiener Quantenphysiker Anton Zellinger und die Astrophysikerin Suzanna Randall von der Europäischen Südsternwarte ESO in Garching, beteiligt war ein echter Pilot – und beteiligt waren Künstler wie der international bekannte, in Ulm geborene Licht-Designer Wolfgang Göbbel.

Innerhalb der Schau dürfen sich aus Infektionsschutzgründen immer nur 60 Gäste aufhalten. Alle Stationen werden regelmäßig desinfiziert, dennoch ist es auch erlaubt, für die Hörstationen eigene Kopfhörer mitzubringen. Wer sich mögliche Wartezeiten ersparen will, kann seinen Wunschtermin für den Ausstellungsbesuch über die Webseite des Stadthauses reservieren.

Die Ausstellung ist bis zum 25. Oktober zu sehen.

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