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Bayerische Hiasl

22.07.2010

"Bier oder Leben" war die Parole

Als der Bayerische Hiasl 1769 die "Alte Roggenschenke" besuchte, deutete noch nichts darauf hin, dass er zwei Jahre später nach einem Wirtshausbesuch "gerädert, geköpft, gevierteilt und erhängt" werden würde. Fotos: mde

Schon in jungen Jahren machte sich der 1736 geborene Matthias Klostermayr aus Kissing als Schütze einen Namen und wurde so zum "Wildschütz", Volkshelden und von der Obrigkeit gehassten "Bayerischen Hiasl". Auch in der Region hinterließ der legendäre Ganove seine Spuren - und er tat es vor allem in Wirtshäusern. Von Manfred Deger

Roggenburg/ Elchingen Schon in jungen Jahren machte sich der 1736 geborene Matthias Klostermayr aus Kissing als hervorragender Schütze einen Namen und wurde so zum "Wildschütz", Volkshelden und von der Obrigkeit gehassten "Bayerischen Hiasl". Auch in der Region hinterließ der legendäre Ganove seine Spuren - und er tat es vor allem in Wirtshäusern.

Zu Klostermeiers Lebenszeit, die auch durch den Hunger der Menschen geprägt war, gehörte das Wild ausschließlich der Obrigkeit. Es wurde übermäßig gehegt, damit die feinen Jagdherren immer etwas vor der Büchse hatten, und wurde so gleichzeitig zur drückenden Plage der Landleute. Die Jagdgesellschaften verfolgten das Wild auch rücksichtslos durch die angebauten, kargen Felder der Leibeigenen und Bauern. Zeitlebens war der "Hiasl" überzeugt davon, dass das Wild dem Volk gehört und nicht der Obrigkeit. Vor diesem Hintergrund wurde er für die kleinen Leute zum Helden.

Aus 50 Schritt Entfernung durchschoss er eine Spielkarte

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Seine Schießkunst war wie die des Wilhelm Tell legendär, wie Hans Schelle in seinem Buch "Der Bayerische Hiasl - Lebensbild eines Volkshelden" berichtet. So herrschte bei der Kellmünzer Nachkirchweih, auf welcher dreihundert Einheimische zwischen Kirche und Wirtshaus tanzten, ein Riesenjubel, als der Hiasl aus fünfzig Schritt Entfernung eine Spielkarte durchschoss, die sein Gefährte, der "Bub", in der Hand hielt. Danach schoss er noch einer Henne den Kopf weg. Wie auf Volksfesten tauchte er auch des Öfteren in Wirtshäusern auf, die ihn jedoch "bei hochherrschaftlicher Androhung schwerster Strafen" nicht bewirten durften.

So kam er 1769 in die "Alte Roggenschenke" gegenüber dem Kloster und verlangte Speis und Trank. Der verängstigte Wirt wies auf das obrigkeitliche Verbot hin, worauf der Hiasl sich nach dem Motto "Bier oder Leben" über den Reichsprälaten Georg Lienhardt und die Schildwache am Klostertor lustig machte indem er damit drohte, sie alle zu erschießen. Nach "gesegneter Mahlzeit" machte er jedoch nicht ernst und zog weiter. Heute noch hängt in der Roggenschenke eine Erinnerungstafel an diesen denkwürdigen Gast und die Speisekarte ist mit dem Hinweis versehen, dass das Essen einstmals bereits dem Hiasl und seinen Getreuen geschmeckt hat.

1770 wechselte der Bayerische Hiasl kurz ins Ulmer Gebiet wo er in der Oberelchinger Krone haltmachte. Dort zog sich die Schlinge seiner Häscher bereits über ihm zusammen. Nachdem der Wirt den für ihn "gefährlichen Gästen" eine große Hirschkeule gebraten hatte und diese ein Bier nach dem anderen getrunken hatten, flog die Tür auf und eine Streife eröffnete das Feuer. "Tyras", der berühmte große Hund des Hiasls, wurde getötet, die Wilderer mussten fliehen.

Am 13. Januar 1771 trafen sie in der Gastwirtschaft zu Osterzell ein. Unter den Gästen war ein Späher, der den Hiasl und seine Gefolgsleute sofort an den Premierleutnant Schedel in Buchloe meldete. Dieser rückte mit 300 Grenadieren an und umzingelte das Wirtshaus. Vier Stunden lang wehrten sich die Wildschützen. Als bereits zwei der neun getötet und die anderen mehr oder weniger stark verwundet waren, ergab sich der Hiasl.

Die Wildschützen mussten in mehreren Tagesmärschen nach Dillingen marschieren wo Hofrat Baur dem Hiasl sein Urteil vorlas: Rädern, Köpfen, Vierteilen und Aufhängen des Kopfes an einem Galgen. "Vor einer johlenden Menge" wurde das Urteil auf einem Feld südlich der Donau vollstreckt. Ein Volksheld war gerichtet. Ein "Wildererhaufen" hatte den verzweifelten Kampf gegen eine erdrückende Übermacht verloren.

Das Wild gehörte nun wieder der Obrigkeit.

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