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Ulm/Neu-Ulm

28.11.2019

Black Friday: Der neue Schlussverkauf ist schwarz

Jörg Behrens vom Media Markt in der Glacis Galerie (rechts) mit Mitarbeiter Nikola Stimec setzt auf den „Black Friday“ mit allerlei Angeboten.
Bild: Alexander Kaya

Plus Das Weihnachtsgeschäft im Zeichen des „Black Friday“: über steigende Umsätze, Leerstände, eine wohltätige Ausnahme und den Verzicht auf eine umstrittene Klogebühr.

Ein Geschenk macht die Neu-Ulmer Glacis-Galerie ihren Kunden nach dem vielleicht umsatzstärksten Wochenende des Jahres: Ab kommenden Montag, 2. Dezember, ist die Toilettennutzung umsonst. „Wir haben uns mit dem Mieter geeinigt“, sagt Centermanager Tim Keller. Ein Euro kostet noch der Eintritt in die kommerzielle „Shop & Fresh“ getaufte Toiletten-Anlage – ab Montag ist die Nutzung umsonst. Damit verschwindet – gemessen an Kritiken auf den sozialen Netzwerken – ein großes Ärgernis des Einkaufszentrums mit seinen 90 Geschäften.

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„Black Price Days“ in der Glacis-Galerie

Das letzte Wochenende mit kostenpflichtiger Toilette ist für das Einkaufszentrum dennoch sehr wichtig: „Wir haben eine etwa doppelt so hohe Frequenz wie an normalen Tagen“,sagt Keller über die „Black Price Days“ am Freitag und Samstag. Das heißt: Statt 17000 Menschen, so lautet die vom Betreiber ECE kommunizierte Zahl, schlendern 32000 Menschen durch die Gänge. Wie Keller sagt, seien die Auswirkungen auf die Umsätze unterschiedlich: Bei manchen würde sich gar „eins zu seins“ der Umsatz verdoppeln.

Ob mit Black Friday oder Cyber Monday - der Online-Handel rührt die Werbetrommel, damit die Kunden schon lange vor Weihnachten ihre Shoppingtour beginnen. Das verschafft den Paketdienstleistern volle Auftragsbücher. Doch deren Freude ist verhalten.
Video: dpa

Der Black Friday beschränkt sich nicht auf Filialisten und Internet-Profis wie Amazon oder Otto. Selbst Friseure schwimmen auf der schwarzen Welle. So etwa der Salon von Jessica Widmer in Pfaffenhofen, die 20 Prozent Rabatt auf Shampoo und Co gibt. „Ich beteilige mich zum ersten Mal“, sagt die Paffenhoferin. Schließlich sei ja überall von „Black Deals“ zu lesen.

Black Friday: Der neue Schlussverkauf ist schwarz

Wer durch Ulm oder Neu-Ulm läuft, merkt: Der Begriff „Black Friday“ wird selten verwendet, stattdessen heißt es „Black Week“, „Red Week“, „Black Deal“ oder „Cyber Deal“. Der Grund liegt in der Angst vor Abmahnungen. Dieter Sievert, der Leiter der Rechtsabteilung beim Handelsverband Baden-Württemberg empfiehlt, Händlern den Begriff „Black Friday“ zu meiden. Denn es laufe ein Rechtsstreit. Das deutsche Patentamt hatte zwar entschieden die Marke zu löschen, weil sie nach deutschem Recht gar nicht eintragungsfähig war. Die Markeninhaberin aus Hongkong legte dagegen jedoch Beschwerde beim Bundespatentgericht ein.

So oder so: Als den „neuen Schlussverkauf“ bezeichnet Hermann Hutter, der Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg die Tage rund um den „Black Friday“. Als ehemaliger Inhaber des Ulmer Traditionskaufhauses ist Hutter ein intimer Kenner der regionalen Handelslandschaft. Die Lage der Einzelhändler in Ulm sei „ziemlich dramatisch“.

In den Köpfen habe sich Ulm als eine Stadt der Dauerstaus und Parkplatznot verfestigt. „Sehr schwierig“, sagt Hutter. Er habe gehört, dass die umliegenden Städte und Gemeinden davon profitierten, weil Ulm als nicht erreichbar gelte. Centermanager Keller, Herr über 1100 Stellplätze lacht sich heimlich ins Fäustchen. „Wir liegen im Plan.“ Inwiefern das mit Ulmer Parkplatznot zu tun hat, darüber kann er aber nur spekulieren. Keine Spekulation hingegen sei es, dass einige der Leerstände im Einkaufszentrum bald verschwinden würden. Verträge seien unterschrieben, doch wann ECE damit an die Öffentlichkeit gehen wolle, wisse er nicht.

"Black Friday" ist so etwas wie eine geschützte Marke

Zwischen all den „Black Deal“-Plakaten fallen in Ulms Fußgängerzone zwei Leerstände an prominenter Stelle auf: Direkt am Eingang der Hirschstraße gegenüber des Stadthauses hat „Gerry Weber“ geschlossen und ein paar Meter weiter steht am Münsterplatz der Ex-Abt leer. Josef Röll, der Einzelhandelsexperte der Ulmer Industrie- und Handelskammer ist aber überzeugt, dass dies zumindest im Falle „Gerry Weber“ nicht lange anhalten wird. „Die Lage ist zu gut.“

Die Lage von Ex-Abt gilt auch als eins a, doch die Situation ist eine andere: Wie berichtet ist der Immobilienbesitzer, Drogeriekönig Erwin Müller, im Gespräch mit der Stadtverwaltung, was die Zukunft des Gebäudes angeht. Von Vermietung über Abriss und Neubau – nichts ist unmöglich. Aus dem Hause Müller heißt es dazu: „Kein Kommentar“. Müller, der als konservativ geltende Unternehmer, scheint sehr zurückhaltend, was den „Black Friday“ angeht. Und damit ist er nicht allein: „Ich kann doch eine Ware nicht am Donnerstag für 500 Euro und am Freitag für 400 verkaufen“, sagt Rainer Wolf, der Chef von „Intersport Wolf“ mit Sitz in Weißenhorn. Sonderangebote habe er auch, doch die seien langfristiger angelegt.

Aegis spendet am "Black Friday"

Andere wandeln den aus den USA importierten Beginn der Weihnachtseinkaufssaison um: Aus einem „Tag des reinen Konsums und Kommerzes, erdacht als Marketinginstrument zur Renditesteigerung“, wie es Rasmus Schöll, der Chef der „Aegis Literatur Buchhandlung“ ausdrückt, wird Wohltätigkeit: Die Buchhandlung wird am „Black Friday“ zehn Prozent des Umsatzes an die Ulmer Tafel spenden.

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